TIER und MENSCH

Der unnötige Tod der Tiere ...

Tiere haben eine Seele – aber keiner will es Glauben!

Aktualisiert: im April 2016

 

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Theodor W. Adorno (1903-69) Philosoph, Soziologe

Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und denkt, es sind ja nur Tiere.

Die stets wieder begegnende Aussage, Wilde, Schwarze, Japaner glichen Tieren, etwa Affen, enthält bereits den Schlüssel zum Pogrom. Über dessen Möglichkeit wird entschieden in dem Augenblick, in dem das Auge eines tödlich verwundeten Tieres den Menschen trifft. Der Trotz, mit dem er diesen Blick von sich schiebt - „es ist ja bloß ein Tier" -, wiederholt sich unaufhaltsam in den Grausamkeiten an Menschen, in denen die Täter das „nur ein Tier" immer wieder sich bestäti­gen müssen, weil sie es schon am Tier nie ganz glauben konnten.

 

 

Karim Aga Khan IV. (1937-) UN-Hochkommissar, Oberhaupt der Ismailiten

Die Philosophie, die hinter dem Eingriff am lebenden Tier steht, die hinter dem Opfern der Tiere steht, die als niedere Kreaturen angesehen werden, unterscheidet sich nur wenig von der Philosophie des Skla­venhalters und der Leute, die Konzentrationslager erfunden habe

 

 

 

Heinrich Albertz (1915-93) Pfarrer, ehemaliger Regierender Bürgermeiter von Berlin

Es steigt mir die Schamröte ins Gesicht, wenn ich daran denke, mit welchem Zynismus die größte Quälerei bei sogenannten Tierversu­chen auch von angeblich gebildeten Menschen verteidigt wird, wo­möglich noch zu kosmetischen Zwecken. Es ist ein Zeichen von Bar­barei, dass nach deutschem Recht ein Tier immer noch eine Sache ist. Es sollte wenigstens gelegentlich nachdenklich machen, was alles mit Tieren angestellt wird, in der Dressur, im Einüben von Aggressionen, zur bloßen Belustigung von Menschen im Zirkus, als bloßes Spiel­zeug, das man wegwerfen kann. Das Tier ist Bruder und Schwester des Menschen. Die Behauptung, ein böser Mensch verhalte sich wie ein Tier, ist eine Beleidigung der Tiere. Ausgedachte, aber vorsätzliche Grausamkeiten gibt es nur beim Menschen, bis zu den Bestien, die Auschwitz regierten, und den Erfindern des Szenarios, in dem Pflan­ze, Tier und Mensch verbrennen werden in der Glut nuklearen Unter­gangs. (KI 54/2)

 

 

Franz Alt (1938-) Journalist, Autor, Fernsehmoderator

Menschliches Denken und Handeln sollten immer auch anwaltschaftli­ches treuhänderisches Denken und Handeln für die Natur sein. Die menschliche Überlebenschance steigt, wenn wir lernen: Mensch, Tier und Pflanze sind eine Schicksalsgemeinschaft. Die Realität heute ist aber: Die Mitwelt interessiert uns meist nur, wenn sie menschliche Interes­sen und menschliches Wohlbefinden berührt. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Lebensrechte von Robben, vor Gericht vertreten durch menschliche Anwälte, wenigstens ernst genommen werden. Der öko­logische Rechtsstaat kommt, wenn wir lernen: Die Naturgesetze stehen noch über dem Grundgesetz, Rechte für die Natur sind auch neue Menschenrechte. (TAZ 27.3.93)

 

 

Asoka (268-232 v. Chr.) indischer Kaiser

Wie es seit Jahrhunderten nicht gewesen ist, wuchs nun durch die Un­terweisung, das Nichtschlachten der Tiere und das nicht verletzen der Lebewesen. Das Geschenk der geistigen Einsicht wurde durch mich auf vielerlei Weise gegeben. Tieren aller Art ist durch mich mancher­lei Gunst erwiesen und ihr Leben erhalten worden. Ich will damit auf das allgemeine Wohl wirken und die Schuld an den Geschöpfen abtra­gen helfen. (24/21)

 

 

Berthold Auerbach (1812-82) Schriftsteller

Der untrüglichste Gradmesser für die Herzendbildung eines Volkes und eines Menschen ist, wie sie die Tiere betrachten und behandeln. Die Art und der Grad, wie der Mensch die Pflicht gegen die Tiere er­kennt und übt, bildet einen Maßstab seiner sittlichen Erkenntnis, ja man darf sagen: seines religiösen Gefühls. (9)

 

 

 

Augustinus von Hippo (354-430) Heiliger und Kirchenlehrer

Ich möchte lieber auf allen Weltruhm verzichten, als eine Fliege zu töten.

 

 

 

 

Rudolf Bahro (1935-97) Sozialwissenschaftler, Schriftsteller

Die zahllosen Menschen, die mit dem Begriff Ethik die Verfolgung integrer Ziele verbinden, sollen schon mit der Überschrift [Bio-Ethik] betrogen werden. Denn der Ethik-Begriff wird gebraucht oder viel­mehr missbraucht, um den rücksichtslosen Zugriff eines geld-, macht- und karriereorientierten Forschungsbetriebs auf eigentlich besonders schutzbedürftige Mitglieder der Gesellschaft Tür und Tor zu öffnen. Die Biologen sind ohnehin drauf und dran, die Physiker, die noch n oder weniger in die Freisetzung der Kernenergie hineingeschliddert sind, an Verantwortungslosigkeit zu überbieten. Jeder ernst zu nehmende Wissenschaftler weiß heute, dass er automatisch die Kontrolle über jegliches von ihm erarbeitete Forschungsergebnis verliert, sobald es publiziert ist. Die verheerende zivilisatorische Struktur, der wir uns anvertraut haben, benutzt die Ergebnisse wie es ihre immanenten Antriebe vorschreiben, nicht wie es Anstand und Würde des Menschen verlangen. Anstatt den Spielraum für Menschenversuche zu eröffnen bzw. zu erweitern, hätte eine wirkliche Bio-Ethik auch die zahllosen Tierversuche auszusetzen, die sich Mensch zu seiner Schande leistet. (Schreiben vom 12.1.95)

 

Brigitte Bardot (1934-) französischer Filmstar, Tierschützerin

Jedes Tier, das gerettet wird; jede Frau, die nicht mehr Pelze trägt; jeder, der nicht mehr Pferdefleisch isst; jeder, der sein Haustier nicht mehr umbringt vor den Ferien; jeder, der nicht länger einen Zoo oder einen Zirkus besucht, wo Tiere zum Vergnügen der Zuschauer leiden müssen -jeder und jede ist ein für die Sache gewonnener Mensch. Das ist wenig! Und es ist viel! (KI 60/1)

 

 

Matto H. BarfußMatthias Huber“ (1970-) Künstler, Gründer des Komitees „Aufstand der Tiere"

Es ist Aufgabe der Kunst, die Lebensqualität aller Lebewesen der Erde zu sichern. (Katalogvorwort)

 

 

Basilius der Große (329-379) Kirchenvater, Erzbischof von Caesarea

Der Leib, der mit Fleischspeisen beschwert wird, wird von Krankhei­ten heimgesucht, eine mäßige Lebensweise macht ihn gesünder und stärker und schneidet dem Übel die Wurzel ab. Die Dünste der Fleisch­speisen verdunkeln das Licht des Geistes. Man kann schwerlich die Tugend lieben, wenn man sich an Fleischgerichten und Festmahlen er­freut. Unser Tisch muss zum Denkmal der Tafel wahrer Christen die­nen. (15/20)

 

 

Jeremy Bentham (1748-1832) engl. Philosoph

Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte einfordert, die ihm nur von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden konnten. Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der Hand seines Peinigers auszuliefern. Es mag der Tag kommen, an dem erkannt wird, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins gleichermaßen ungeeignete Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu übereignen. Was sonst sollte die unüberwindliche Grenze ausmachen? Ist es die Fähig­keit des Verstandes oder die Fähigkeit der Rede? Aber ein ausgewach­senes Pferd oder ein ausgewachsener Hund ist unvergleichlich verstän­diger und mitteilsamer als ein Kind von einem Tag oder einer Woche oder selbst einem Monat. Aber angenommen, sie wären es nicht, was würde es ausmachen? Die Frage ist nicht: Können sie verständig denken? Noch: Können sie sprechen? Sondern: Können sie leiden? Darü­ber aber gibt es wohl keinen Streit, und das Wissen um diese Leidens­fähigkeit muss daher die Hauptsache sein bei jeder Betrachtung der Tierseele durch den Menschen. (7/211)

 

Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew (1874-1948) russischer Philosoph

Ich kann nicht an das Reich Gottes denken, ohne meiner Katze Moury einen Platz darin anzuweisen. (33)

 

 

 

Dagmar Berghoff (1943-) Tagesschau-Sprecherin

Welche Rechte haben wir Menschen eigentlich, jene Geschöpfe zu quälen, die so viel ältere Rechte an der Erde haben als wir selbst? ... Es ist höchste Zeit - oder ist es gar zu spät? -, dass wir den Tieren ihre Rechte wiedergeben. Und dass wir alle, die wir so gerne von Men­schenrechten reden, für die Rechte der Tiere genauso engagiert eintre­ten. (Quick 44/90, S. 88)

 

 

Thomas Bernhard (1931-89) österreichischer Schriftsteller

Zum Stierkampf: Das ist der Urtrieb im Menschen, der geht ja durch alle Schichten und alle Menschen - das Töten. Da ist es halt noch völ­lig offenbar. Die zivilisierte Menschheit macht es halt auf versteckte Art, bringt sie anständig um. Das ist die primitive Art, die Blutrünstigste, kann man im wahrsten Sinn des Wortes sagen. Das Ganze ist unter dem Titel der Ehre. Es ist eine Ehre für den Stier, dass er da unter ei­nem schauerlichen Gemetzel sterben darf. Das ist wie jedes Theater auch total verlogen.

Abgesehen davon, dass es gemein ist. Aber hochelegant, obwohl die hochelegante Sache im Grunde eine Infernalische ist. Grauenhaft. Entsetzlich. Lauter Schlächter, das Letzte an Menschen überhaupt, was es gibt. Ist das nicht schrecklich? (Fernseh­film „Die Ursache bin ich selbst", 3sat 5.11.1998)

 

 

Joseph Bernhart (1881-1969) katholischer Theologe

In der Barockzeit konnte es geschehen, dass die Auffassung des Tieres als eine Maschine ohne Seele tief in das Denken eindrang. Der menschliche Verstand ging da seltsame Wege.

 

 

 

Fritz Betzwieser (1929-1993) Münchner Stadtpfarrer Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen

Wir zerstören die Schöpfung - und uns wahrscheinlich mit. Mit Tier­versuchen begann es - der Zweck heiligt die Mittel -, dann kamen die Menschenversuche, das Wort von dem „Untermenschen" - Millionen haben wir davon getötet. Jetzt müssen wir wieder lernen, Ehrfurcht vor der Kreatur und der Schöpfung zu haben.

Gott hat die Tiere nicht geschaffen, damit sie in unseren Versuchs­labors auf furchtbare Weise zu Tode kommen. Wir machen uns mit­schuldig, wenn wir schweigen, wenn wir nichts tun. Uns wurde die Schöpfung anvertraut, dass wir sie bewahren.

Setzen wir uns ein für den Schutz der ganzen Schöpfung, besonders für den Schutz der „unbeweinten Kreatur".

Ich wurde gefragt: „Hat das Tier eine Seele?" Nun sitze ich neben mei­ner Katze, die mich beobachtet, die schnurrt, weil sie sich wohlfühlt, die dieselbe Luft atmet wie ich, und die dann müde wird und schläft, wie ich. Der französische Philosoph Descartes fällt mir ein, der vor et­wa 350 Jahren das unselige Wort geprägt hat, das Tier sei ein Automat. Kann ein Automat sich freuen, traurig sein, angst haben, treu sein, empfindsam sein? Von einem Automaten habe ich nie Zuneigung er­fahren. Es ist von keinem Automaten bekannt, dass er an das Grab sei­nes „Besitzers" ging und dort aus Gram gestorben ist. Von Hunden wissen wir dies. ... Wenn man die Seele als Prinzip, als Ursache des Lebens, der Lebendigen bezeichnet, dann hat meine Minka eine Seele, die sie von dem Augenblick an, als sich Ei und Same vereinigt haben, geformt und gestaltet hat. Und einmal - ich habe Angst vor diesem Augenblick - wird dieses Prinzip des Lebens, das wir Seele nennen, diesen kleinen, schönen Katzenkörper verlassen, und dieser wird dann - wie meinen Körper auch - von Würmern zerfressen werden und ver­faulen. Platon, der griechische Philosoph, nahm schon die Unsterblich­keit der Tiere an. Meine Minka ist ein Philosoph: Sie staunt, sie hat Muße, und sie kann spielen. Ich habe es fast verlernt. (KI 44/31)

Und die Wissenschaftler möchte ich immer fragen: Wenn morgen von einem anderen Stern intelligentere Wesen kämen, die mächtiger wären - hätten die das Recht, mit uns Versuche zu machen? (Ein Herz für Tiere 4/85)

 

Bibel

Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Ver­gänglichkeit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wis­sen, dass alle Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstigt. (Paulus, Römerbrief 8, 21)

Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; aber das Herz der Gottlosen ist unbarmherzig. (Sprüche Salomos 12, 10)

Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: Wie dies stirbt, so stirbt auch er, und sie haben alle einen Odem, und der Mensch hat nichts voraus vor dem Vieh; denn es ist alles Eitel. (Prediger Salomo 3, 19)

 

 

Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867-1939) Schweizer Arzt

Wir sind die Herren über alle Kreatur, wir erschlagen mitleidlos tag­täglich Millionen von Tieren, um ihr Fleisch zu essen, nicht ahnend, dass die Rache der Erschlagenen ebenso mitleidlos über uns kommen wird. (30/103)

 

 

 

 

Ute Blaich (1939-2004) Journalistin, Autorin

Todesklage einer Brandgans: Was sind das für Zeiten, wo die Meere Giftgruben sind und Nimrods Genossen die Lust am Töten eine „Sportart" nennen? Einer von euch hat gesagt, eure Arbeit habe „Tra­dition". Aber ihr Herren: So viele Schrecken habt ihr, Tradition ge­nannt: den Sklavenhandel, das Hexenverbrennen, das Töten von Men­schen, die nicht als lebenswert galten. Gründe, einander zu morden, habt ihr immer gefunden. Und mehr Gründe noch, alle Kreatur zu tö­ten, die sich bewegt. Jetzt vegetieren wir Vögel an Wassern, die euer Wohlstand verdreckt hat; hausen in Lüften, die eure Schornsteine ver­pesten.

Taifune und Unwetter, Stürme und Hagel haben unsere fliegenden Brüder und Schwestern nicht gehindert, die uralten Reiserouten zu fliegen. Jahrtausendelang. Aber den raffinierten Tötungsmaschinen, die menschliche Hirne ausgeheckt haben, können wir nicht standhal­ten. Wo sind die neuen sanften Länder, in denen man uns nicht fortge­setzt nachstellt, uns vergiftet, verkrüppelt, abknallt und uns in stinken­den Lachen sterben lässt?

Ihr Herren, es geht zu Ende mit mir, mit uns allen. Wann werdet ihr die Massaker beenden? Wenn der Letzte von uns tot ist? Oder erst dann, wenn der Letzte von euch gestorben ist. Aus Mangel - an uns? (KI 39/26)

Es heißt, der indische Elefant weine manchmal. Sir E. Tennant sagt in seiner Beschreibung von Elefanten, deren Gefangennahme und Fesse­lung er in Ceylon miterlebt hatte, einige „lagen bewegungslos auf der Erde, und dass sie litten, sah man lediglich an den Tränen, die ihre Wangen benetzten." (61/313) Für die Griechen war das Töten eines Delfins gleichbedeutend mit dem Mord an einem Menschen und wurde auch entsprechend bestraft. (61/313)

 

Christa Blanke-Weckbach (1948-) Theologin, Autorin, ist eine deutsche Tierschützerin. Sie ist gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Blanke Gründerin der europäischen Tierschutzorganisation Animals’ Angels www.animals-angels.de

Wir alle ... sind verstrickt in das Unrecht, das den Völkern in Afrika und Lateinamerika angetan wird. Und noch viel mehr profitieren wir vom Unrecht gegenüber den Tieren. Nahrung, Kleidung, Medikamen­te, Freizeitvergnügen sind genauso blutbesudelt wie das Geld in den Tresoren der Deutschen Bank. Nahrung, Kleidung, Medikamente ge­hen uns noch viel unmittelbarer an als Kapital und Zinsen. Wir essen das Elend der Tiere. Wir kleiden uns mit dem Elend der Tiere. Wir las­sen uns gesund machen durch das Elend der Tiere. Mühsam haben wir Christen gelernt, dass ein Schwarzafrikaner nicht der krausköpfige Neger ist, der mit dem Kopf nickt, wenn der Mis­sionsgroschen in die Büchse geworfen wird. Und nun auch noch Rech­te für Tiere? Mein Schnitzel, mein Omelett, mein Pelzmantel, meine Kosmetika, meine Medikamente, mein Safariparkvergnügen ... das wollen sie nicht missen. Die deutschen Christen. (34/40-41)

 

Fritz Blanke (1900-67) Schweizer Theologe prägte 1959 den Begriff „Mitgeschöpflichkeit"

Alles, was da lebt, ist von demselben Schöpfer hervorgebracht und von seiner Kraft durchwaltet. Wir sind, ob Mensch oder Nicht-Mensch, Glieder einer großen Familie. Diese Mitgeschöpflichkeit verpflichtet und legt uns Verantwortung auf für alle Glieder dieser Familie. Wir haben uns daher anteilnehmend um sie zu kümmern und uns ihnen in brüderlicher Gesinnung zuzuwenden.

Es lässt sich nicht übersehen, wie sehr der Mensch als Gebieter der Natur ausgeartet ist. Er entwickelte sich zu ihrem reinen Nutznießer, und seine Frage ist nur, wie kann ich die Natur zu meinen Gunsten aus­beuten, nicht aber, was bin ich ihr schuldig. Die Schöpfung, in die Hand des Menschen gegeben, hat damit schweren Schaden erlitten. Die Idee der Herrschaft des Menschen über die Erde muss daher auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückgeführt werden, wonach er, zum Verwalter, Helfer, Fürsorger, Pfleger und Hüter der Natur berufen ist. Zu diesem Umdenken beizutragen, ist eine der vordringlichsten Auf­gaben der Zeit. Wir haben die Natur mit Humanität zu behandeln, denn wir sind nicht nur unseren Mitmenschen, sondern auch unseren ande­ren Mitgeschöpfen Dank, Rücksicht und Liebe schuldig. (24/190)

 

Norberte Bobbio (1909-2004) italienischer Rechtsphilosoph

Und was soll man zu der neuen Haltung gegenüber den Tieren sagen? Immer häufigere, immer umfangreichere Diskussionen über die Berechtigung der Jagd, die Grenzen der Tierversuche, den Schutz von selten gewordenen Tierarten, den Vegetarismus, was sonst sind sie, wenn nicht erste Anzeichen für eine mögliche Ausweitung des Gleichheitsprinzips weit über die Grenzen des Menschengeschlechts hinaus. Eine Ausweitung, die auf dem Bewusstsein beruht, dass die Tiere zumindest in der Fähigkeit zu leiden uns Menschen gleich sind?! Es versteht sich, dass man, will man den Sinn dieser großartigen histo­rischen Bewegung erfassen, den Kopf über die alltäglichen Scharmützel erheben und höher hinauf und weiter in die Ferne blicken muss. (35/93-94)

 

 

Heinrich Böll (1917-85) Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1972

Böll lebte in friedlicher Koexistenz zusammen mit einer Katze und einem Hund: „Ich liebe es, abends das Fell unseres Hundes zu kraulen, während die Katze auf meinem Schoß sitzt.". B. erklärte einmal, dass hundert vom Krieg verschonte Abteibauten nicht den Verlust eines ein­zigen geliebten Lebewesens aufwiegen. (55/61-62)

 

 

 

John Bright (1811-89) engl. Politiker

Wenn ich Lehrer einer Schule wäre, so würde ein sehr wichtiger Teil meiner Aufgabe darin bestehen, jedem Knaben und Mädchen die Pflicht einzuprägen, gegen alle Tiere freundlich zu sein.

 

 

 

 

Wilhelm Brockhaus (1907-1983) Professor für Didaktik

Studium der Biologie, Chemie, Physik, Geografie und Philosophie. Lehrtätigkeit an verschiedenen Volks-, Mittel- und Oberschulen. 1955-1973 Professor für Erd- und Heimatkunde in Wuppertal. In der Jugend Begegnung mit Nelsons Schriften, seit damals intensiver Einsatz für den ethischen Vegetarismus.

Es ist merkwürdig, wie selten die Frage nach dem Recht zur Tiertötung gestellt und nach den Grenzen dieses Rechts gefragt worden ist. Die große Philosophie der Schulen schweigt, die Konfessionen, die Kir­chen, die Parteien unseres Zivilisationsbereiches schweigen. Höchs­tens beiläufig gedenkt man auch einmal der Tiere.

 

 

Gautama Buddha (560-480 v. Chr.) indischer Religionsstifter

Alles entsteht aus dem Nichts, und aus dieser Gemeinsamkeit des Ursprungs ergibt sich die Verpflichtung zur Brüderlichkeit gegenüber allen Geschöpfen.

Alle Wesen sehnen sich nach Glücklichsein, darum um fange mit dei­ner Liebe alle Wesen.

Der Seuchen gab es früher drei: Begierde, Hunger, Greisentum; seit aber Tiere geschlachtet wurden, entstanden 98 neue Seuchen. (30/84)

 

 

Gisela Elisabeth Bulla (1932-) Autorin, 1. Vorsitzende der Partei Mensch Um­welt Tierschutz - Die Tierschutzpartei (1995-2000)

Der Mensch ist nur ein Teil der Natur. Wenn er sie und seine Mitge­schöpfe rücksichtslos zerstört, vernichtet er blindwütig seine eigene Existenzgrundlage. Tier- und Naturschutz gehören untrennbar zusam­men, der Anthropozentrismus ist das Grundübel unserer Epoche. Unserer Partei geht es darum, ... die Rechte der Tiere zu vertreten, das Recht auf Unverletzbarkeit der einzelnen Tierperson, auf Entfaltung ihrer von der Natur vorgegebenen Möglichkeiten, auf freie Partnerwahl und ein ungestörtes Privat- bzw. Familienleben, auf Le­bensfreude, wie schon Dostojewski es forderte („nehmt den Tieren die Freude nicht!").

Sicher hat Tierschutz auch etwas mit Mitleid zu tun, als Einstieg. Aber sehr bald taucht dann die Frage auf: Warum geht es diesen Tieren so schlecht, dass ich Mitleid mit ihnen haben muss? Und dann landet man beim Anthropozentrismus mit all seinen üblen Folgeerscheinungen. (Interview in Ökologie 1/1997, S. 11)

Die Rättin ist ein Buch, für das Günter Grass den Nobelpreis verdient hätte. Doch wenn man bedenkt, wer so alles den Nobelpreis bekommt und was die so alles mit Ratten anstellen, damit sie ihn bekommen, sollte man dem Grass vielleicht eher gratulieren, wenn er ihn nicht be­kommt. Sonst muss er am Ende so einem noch die Hand geben beim großen Empfang in Stockholm, und damit wäre seine Rättin gewiss nicht einverstanden. Die würde es ihm glatt verbieten, und von ihr ließe er es sich vielleicht sogar verbieten. Und außerdem würde ihm ja selber grausen vor so einer Hand. (56/147)

Bastet ist eine altägyptische Göttin mit dem Körper einer Frau und dem Kopf einer Katze, Tochter des Sonnengottes Ra. In ihrem Tempel in Bubastis wurden zahlreiche kostbare Katzenstatuen als Weihgeschenke aufgestellt. Die ursprüngliche Mondgöttin Bastet beschützte vor allem die Frauen, schenkte ihnen Kinder und half ihnen bei der Ge­burt. Im Tempelbezirk lebten ihre heiligen Katzen, zu den Anlagen ge­hörte ein großer Katzenfriedhof. Wer irgend dazu in der Lage war, ließ seine mumifizierte Katze dort beisetzen. (55/51)

Lieblingskatze ist eigentlich der falsche Ausdruck. Wir sollten besser von Lieblingsmenschen sprechen, denn die Katze ist es, die sich den Menschen aussucht, dessen Lieblingskatze sie werden möchte. Wenn eine Katze dir deutlich zeigt, dass sie dich liebt und immer bei dir sein will, dann achte nicht darauf, wie sie aussieht und ob es ein Kater oder eine Kätzin ist, du kannst sicher sein, es ist die Richtige für dich. ... Manche Menschen wünschen sich eine ganz bestimmte Katze, - sie soll so oder so aussehen - so oder so alt sein - eifrig oder nie Mäuse fangen und was weiß ich noch alles. Das ist falsch, verstehst du? Die Katze weiß viel besser, zu wem sie passt. Manche verlieben sich ganz spon­tan in eine bestimmte Katze und glauben, nur mit der könnten sie glücklich werden. Auch falsch. Es kommt alles auf die Katze selber an. Man muss ihr die Wahl überlassen, denn aus ihr spricht die Weisheit der Göttin Bastet. (57/174)

 

 

Luis Bunuel (1900-83) spanischer Filmregisseur

Ich habe einen Horror vor Tierversuchen. Als Student musste ich eines Tages einen Frosch kreuzigen und ihn lebend mit einer Rasierklinge sezieren, um das Funktionieren des Herzens beobachten zu können. Das war eine - übrigens vollkommen nutzlose - Erfahrung, die mich für mein Leben geprägt hat und die ich heute noch Mühe habe, mir zu verzeihen. Ich kann nur wärmstens einem meiner Neffen zustimmen, einem großen amerikanischen Neurologen auf dem Weg zum Nobel­preis, der wegen der Tierversuche seine Forschungen eingestellt hat. In gewissen Fällen muss man zur Wissenschaft Scheiße sagen. (1/17)

 

 

Wilhelm Busch (1832-1908) Maler, Zeichner, Dichter

Ich sehe die Glieder der Kette in eins: Kinder, Eltern, Völker, Tiere, Pflanzen und Steine. Und alle sehe ich sie von einer Kraft erfüllt ... Der allgegenwärtige Drang zum Leben ist überall derselbe, der Einzige; im Himmel und auf Erden; in Felsen, Wasser, Sternen, Schweinen wie in unserer Brust. Er schafft und füllt und drängt, was ist. Im Ober­stübchen sitzt nur der Intellekt und schaut dem Treiben zu. Der Wille aber, das bin ich ... Darum gibt es Mitleid, darum gibt's Gerechtigkeit. (18)

Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur Menschenfres­serei, sondern jede Art des Fleischgenusses als Kannibalismus gilt. (18)

Mit allen Kreaturen bin ich in schönster Seelenharmonie. Wir sind verwandt, ich fühl es innig, und eben darum lieb ich sie. (18)

Das Messer blitzt, die Schweine schrein, Man muss sie halt benutzen, Denn jeder denkt „Wozu das Schwein,

Wenn wir es nicht verputzen?" Und jeder schmunzelt, jeder nagt Nach Art der Kannibalen, Bis man dereinst „Pfui Teufel!" sagt

Zum Schinken aus Westfalen. (Wilhelm Busch. „Schein und Sein". 18)

 

 

Elias Canetti (1905-94) britischer Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1981

Die Tiere ahnen es nicht, dass wir sie benennen. Oder sie ahnen es doch, und dann ist es darum, dass sie uns fürchten.

In der Geschichte ist viel zu wenig von Tieren die Rede.

Es ist nicht auszudenken, wie gefährlich die Welt ohne Tiere sein wird.

Das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann. Ich stelle mir vor, wie die Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da aus sich über eine ganze Stadt ergießt; wie Männer, Frauen, Kinder, Greise erbarmungslos zu Tode getrampelt werden; wie die Tiere Straßen und Fahrzeuge überrennen, Tore und Türen einbrechen, in ihrer Wut sich bis in die höchsten Stockwerke der Häuser hinauf ergießen, wie die Waggons in dem Untergrund von Tausenden von wild gewordenen Ochsen zerquetscht werden und Schafe mit plötzlich scharfen Zähnen uns zerreißen. -

Ich wäre schon erleichtert über einen einzigen Stier, der diese Helden, die Stierkämpfer jämmerlich in die Flucht schlägt und eine ganze blut­gierige Arena dazu. Aber ein Ausbruch der minderen, sanften Opfer, der Schafe, der Kühe, wäre mir lieber. Ich mag es nicht wahrhaben, dass das nie geschehen kann; dass wir vor ihnen, gerade ihnen allen, nie zittern werden. (2; 7/168)

Es ist nicht gut, dass die Tiere so billig sind.

Haben die Tiere weniger Angst, weil sie ohne Worte leben? Tiere sind schon darum merkwürdiger als wir, weil sie ebenso viel erleben, es aber nicht sagen können. Ein sprechendes Tier wäre nicht mehr als ein Mensch.

Es gibt nichts, was Mensch und Tier mehr gemeinsam haben, als Liebe.

Aufatmen unter Tieren: Sie wissen nicht, was ihnen bevorsteht. (2)

Das schönste Standbild des Menschen wäre ein Pferd, wenn es ihn abgeworfen hätte. (2)

Mit zunehmender Erkenntnis werden die Tiere den Menschen immer näher sein. Wenn sie dann wieder so nahe sind wie in den ältesten Mythen, wird es kaum mehr Tiere geben. (1/219; 2)

Die Füße allein wären genug, für ein ganzes Leben, die Füße der Un­bekannten. Seit ich den Gang eines Gepards sah, ist dieser Rausch des Gehens über mich gekommen. Alles leiblich Schöne erlebt man erst an Tieren. Wenn es keine Tiere gäbe, wäre niemand mehr schön. (2)

Rentier schießt Mann. „Ein Rentier namens Rudolf, das den Schlitten von drei Jägern zog, schoss einen von ihnen ins Bein. Rudolf verfing sich mit seinen Hörnern im Gewehr und zog den Hahn." Wann werden alle Tiere schießen lernen? Wann wird es für jeden Jäger gefährlich werden, zu schießen? Wann werden Tiere wie Rebellen Gewehre stehlen, beiseiteschaffen und sich im Schießen üben? Horntiere hätten es besonders gut, aber auch mit Zehen und mit Zähnen ließe sich auf Jäger schießen. Und wenn unschuldige Menschen dabei zu Schaden kämen? Aber wie viel unschuldige Tiere ...! (1/95; 2)

Wofür die unsäglichen Opfer, das Blut der Tiere, die Qual und Schuld - dafür, dass auch wir sterben? Elend, der weiß. Wie elend müsste Gott sein, allwissend. (2)

Die Schuld als Karma - unsäglicher Hochmut des Menschen: An den Tieren, in denen sie Aufenthalt nehme, bestrafe sich die Niedertracht seiner Seele. Wie wagt er es, Tiere mit seiner Seele zu bestrafen? Ha­ben sie sie denn etwa eingeladen? Kann es ihnen erwünscht sein, durch sie herabgesetzt zu werden? Sie wollen die Seele des Menschen nicht, sie verabscheuen sie, sie ist ihnen zu gedunsen und zu hässlich. Sie ziehen ihre anmutige Armut vor, und weit lieber als von Menschen las­sen sie sich von Tieren fressen. (2)

Ich bin zu den Tieren gegangen und bin an ihnen wieder erwacht. - Es macht nichts, dass sie ebenso gern essen wie Leute, denn sie reden nicht darüber. Ich glaube, es wird das Letzte, das Allerletzte in meinem Leben sein, das mir noch Eindruck macht: Tiere. Ich habe nur über sie gestaunt. Ich habe sie nie erfasst. Ich habe gewusst: Das bin ich, und doch war es jedes Mal etwas anderes. (6)

 

 

Ernesto Cardenal (1925-) nicaraguanischer Dichter

Die Bienen geben uns Honig, und die Seidenraupen kleiden uns. Der eigentliche Sinn der Pflanzen und Tiere ist aber nicht, den Menschen zu kleiden und zu nähren oder ihm indirekt durch andere Tiere zu nüt­zen, sondern ihm durch die lange Kette der Entwicklung das Leben selbst übermittelt zu haben. Die Natur ist ein Teil des Menschen und dazu ausersehen, gleichzeitig mit uns an der Auferstehung teilzuneh­men. Die vor 500 Millionen Jahren versteinerten Trilobiten starben nie wirklich aus, sondern gaben unserem Körper ihr Leben weiter und leben also praktisch noch in uns und erwarten mit uns die Auferstehung. (7/241)

 

 

Erwin Chargaff (1905-2002) österreichischer US-Biochemiker, Mitentdecker der DNA

Als Aids aufgekommen ist, habe ich mir gesagt: Gott ist endlich ein­geschritten ... Vielleicht ist das jetzt der Mechanismus, mit dem der Homo sapiens aussterben wird in hundert Jahren. Wenn kein Tier es kriegt und alle Menschen es haben, dann wird das Universum eben eingeschränkt. (DIE ZEIT 3.7.87, S. 38)

 

 

 

St. Johannes Chrysostomus (344-407) Kirchenlehrer, Heiliger

Wir folgen dem Weg der Wölfe und den Gewohnheiten der Tiger: Oder vielmehr sind wir noch schlimmerer Art. Jene hat die Natur auf die Fleischnahrung angewiesen, uns aber begnadeter Gott mit vernünftiger Rede und dem Sinn für Gerechtigkeit. Und dennoch sind wir schlim­mer als die wilden Tiere. (30/91)

 

 

 

Georges Clemenceau (1841-1929) französischer Staatsmann

Zu meinen größten Zukunftsidealen gehört die Erhebung der Tiere zum fünften Stand. Oder gehört es sich nicht, dass wir unsere Tiere, die treuesten Helfer des Menschen, mit demselben Lebensrecht ausstatten, das wir für uns verlangen?

 

 

 

J. M. Coetzee (1940-) südafrikanischer Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 2003

Rings um uns herrscht ein System der Entwürdigung, der Grausamkeit und des Tötens, das sich mit allem messen kann, wozu das Dritte Reich fähig war, ja es noch in den Schatten stellt, weil unser System kein Ende kennt, sich selbst regeneriert, unaufhörlich Kaninchen, Ratten, Geflügel, Vieh für das Messer des Schlächters auf die Welt bringt. (36/15)

 

 

 

Noel Coward (1899-1973) engl. Schauspieler, Dramatiker

Ich liebe alle Tiere so sehr, dass mich schon der Anblick eines Wasser­büffels zu Tränen rührt. (37)

 

 

 

 

Dalai-Lama (1935-) Oberhaupt des Lamaismus

Selbstverständlich stehen wir auf einer höheren Stufe als die Tiere auf­grund unserer Intelligenz und Geisteskraft. Das ist keine Frage. Falls der Rang von Bedeutung ist. Aber im Hinblick auf das Recht zu leben, befinden wir uns natürlich auf derselben Stufe wie die Tiere. Hier sind wir den Tieren gleich. Wir alle sind Lebewesen in dieser körperlichen Manifestation auf dieser Erde zu dieser Zeit und haben alle das gleiche Recht zu leben. Es ist unrecht, einen anderen Menschen zu töten, und es ist ebenso unrecht, ein Tier zu töten. (Tierzeitung. Karlsruhe, Nr. 3/86)

 

 

Dante Alighieri (1265-1321) italienischer Dichter

Tierquälerei! Ein Frevel ist's am Geist der Liebe, der das Tier geschaf­fen hat.

 

 

 

 

Charles Darwin (1809-82) engl. Biologe

Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück; sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen wie wir.

Was ihre mentalen Fähigkeiten angeht, so besteht zwischen den Men­schen und den höher entwickelten Säugetieren kein fundamentaler Un­terschied. (60)

 

 

Demokrit (um 460-380 v. Chr.) griechischer Philosoph

Wie viel klüger ist doch das Tier als der Mensch: Wenn dieses etwas bedarf, weiß es, wie viel es bedarf; der Mensch aber, der etwas Bedarf, erkennt es nicht.

Die wichtigsten Fähigkeiten haben die Menschen von den Tieren ge­lernt: von der Spinne das Weben und Flicken, von der Schwalbe der Hausbau und von den Singvögeln, dem Schwan und der Nachtigall den Gesang auf dem Wege der Nachahmung.

 

 

Eva Demski (1944-) Schriftstellerin

So paradox es klingen mag: Ich plädiere für weniger Tiere - nicht für weniger Arten, sondern für weniger sinnlose Tierproduktion. Die Zucht von Unterhaltungstieren, Vögeln, Hunden und Katzen unter zum Teil widerwärtigen Bedingungen und mit Behinderungen, die für die verkommene Menschenästhetik exotisch aussehen, sollte einge­schränkt und verboten werden. Aber vor dem Verbot zögere ich schon, denn es läge in der Macht von uns allen, dass Verbote nicht nötig wären. Was nicht mehr gekauft wird, wird nämlich in kurzer Zeit auch nicht mehr produziert. (KI 40/18)

Der Hund lernt vom Menschen, wie man sagt. Der Mensch, wenn er Verstand hat, lernt von der Katze. (Nathan)

 

 

Karlheinz Deschner (1924-2014) Schriftsteller, Kirchenkritiker

Gegenüber dem Tier ist der Mensch Gewohnheitsverbrecher. Mora­lische Bedenken gegen Kalbsbraten? Vonseiten der Erzieher nicht. Vonseiten der Jurisprudenz nicht. Vonseiten der Moraltheologie nicht. Von tausend anderen moralischen Seiten nicht. Von der des Kalbes vielleicht? (16)

Für mich ist ein Tier, alles in allem, wie ein Mensch. Mein ganzes Leben war ich mit Tieren zusammen. Ich habe mit ihnen in einem Zimmer gelebt, habe gearbeitet in einem Zimmer mit ihnen, ich war bei ihnen, als sie gestorben sind. Ich habe gesehen, dass Tiere nicht anders empfinden als wir, dass sie Trauer kennen wie wir und Freude, dass sie viele Arten haben, ihre Zuneigung zu zeigen, dass sie uns inni­ger, aufrichtiger zugetan sein können als die meisten Menschen.

Und nicht von ungefähr sagt Maria von Ebner-Eschenbach: Von hundert Menschen mag ich einen, von hundert Hunden neunundneunzig.

Ich bin überzeugt, dass Tiere genauso gern leben wie wir. Und allein diese Überzeugung genügt mir, um alle Tiere auch leben zu lassen. Andere Gründe, dafür oder dagegen, interessieren mich gar nicht. Wer meint, Tiere darf man töten, weil sie den Tod nicht kennen, weil sie keine Angst haben vor dem Sterben, hat keine Ahnung von Tieren, oder er lügt. Und wer sich gar auf sein bisschen Verstand beruft, den er dem Tier voraushat, was ich nicht bestreite, der hat für mich wenig Verstand. Und vor allem hat er zu wenig Gefühl, um hier mitreden zu dürfen, anständigerweise.

Und wer Tiere isst - hat er die Scheußlichkeit sich erst einmal bewusst gemacht -, steht unter dem Tier, das steht für mich fest. Und ich frage mich, ob eine Menschheit, die Trilliarden Tiere tötet, nicht eben das verdient, was sie dem Tier antut? Ob eine Gesellschaft, die so lange schon Schlachthäuser und Schlachtfelder verkraftet, allmählich nicht selber schlachtreif ist? (KI 62/31)

Denn wie Hitlers Tötung der Juden die terrible Konsequenz ihrer fast zweitausendjährigen blutrünstigen Verfolgung durch die Kirchen ist, so ist die jeder Beschreibung spottende moderne Vermarktung des Tieres nichts als die technisch forcierte und perfektionierte Fortsetzung eines nie abreißenden Massenmordes durch alle christlichen Zeiten, das Resultat letztlich des Anfangsschreis: „Machet sie euch untertan" - das umfassendste Unterjochungs- und Todesverdikt der Geschichte, infernalischer Auftakt der Deformierung eines Sterns zum Schlachthaus. Seit zwei Jahrtausenden brüstet sich die Christenheit das Tieropfer von Anfang an abgeschafft zu haben; stimmt. Und doch hat sie mehr Tiere geopfert als jede andere Religion - nur nicht mehr Gott, sondern dem eigenen Bauch. (DIE ZEIT Nr. 35, 22.8.97, S. 41

 

 

Denis Diderot (1713-84) französischer Schriftsteller, Philosoph

Gibt es nicht Nahrungsmittel, ohne dass man Blut gebraucht? Heißt nicht, die Menschen zur Grausamkeit ermutigen, wenn man ihnen gestattet, den Tieren das Messer in das Herz zu stoßen? (13/14)

 

 

Gaby Dohm (1943-) österr. Schauspielerin

Ich habe gesehen, wie Nerze gehalten werden. Mir hat es fast den Magen umgedreht. (KI 40/23)

 

 

Fjodor Dostojewski (1821-81) russischer Dichter

Liebet die Tiere! Gott hat ihnen die Uranfänge des Denkens und eine ungetrübte Freude gegeben. Die stört ihnen nicht, quält sie nicht und nehmt ihnen nicht die Freude. (1/154)

 

 

 

Eugen Drewermann (1940-) Theologe, Psychotherapeut, Autor

Spätestens, wenn es den Menschen betrifft, freilich zumeist auch kein Jota früher, beginnen die ethischen Skrupel gegenüber der Gentechno­logie. (11)

Ein weiterer Punkt, der an sich offenkundig ist, aber nur zu gern bestritten wird, ergibt sich aus der Mitleidlosigkeit der christlichen Anthropozentrik gegenüber allen Mitgeschöpfen. Jahrhunderte, bevor wir praktisch imstande waren, mit Hilfe von Medizin und Technik das natürliche Maß an Leid, das wir vernünftigerweise zu ertragen hätten, ohne jede Rücksicht an die Tiere und die Pflanzen ringsum abzugeben, hatte das Christentum geistig bereits die Grundlagen zu jener Skrupellosigkeit geschaffen, die einzig nur den Menschen sieht und sehen lässt.

Vom Neuen Testament bis in die Neuzeit macht sich lächerlich, wer im christlichen Abendland sich des Leids der Tiere annimmt. Was also brauchen wir noch Zeugen, um die These zu erhärten, dass der Schutz der Kreatur vor dem Menschen bislang nicht nur keinen Teil der christ­lichen Frömmigkeit gebildet hat, sondern geradewegs als eine Zumutung, als eine Beleidigung der absoluten Würde des Menschen ausgelegt wurde. (11)

Man mag es demnach drehen und wenden, wie man will - nicht ein­mal in den Legenden, nicht einmal im Traum, hat das Christentum ein Verhältnis zu den Tieren einzunehmen vermocht, das eine Art Weltbruderschaft und Pietät im Umgang mit den Kreaturen als Teil einer wahren Frömmigkeit begriffen hätte. Und so ist es geblieben bis heute. (11)

Sie werden innerhalb dieser Verantwortungsethik - die wohlgemerkt noch das Beste ist, was das Christentum heute zum Problem des Umweltschutzes zu sagen hat - nie Anderes beweisen können, als dass wir die Rotschwänzchen oder die Buchfinken schützen müssen, zum Wohl des Menschen.

Immerhin mag man denken, dass wir bei allem, was wir mit uns selbst anstellen, den Preis dafür auch selbst entrichten müssen; die Verschie­bung des Leids bzw. die Umformungen des Leids bleiben hier in der Sphäre ein und derselben Spezies gebunden, und wenigstens geht auf diese Weise alles, was immer auch geschieht, gewissermaßen mit rech­ten Dingen zu. Gerade das aber kann man nicht sagen bei all den For­men, in denen wir Menschen das Quantum an Leid, das die Natur uns auferlegt hat, bedenkenlos an die Tiere abzugeben suchen. Natürlich scheint es zunächst ganz selbstverständlich, dass Medikamente, ehe sie an Menschen „erprobt" werden, zunächst eine lange Testphase in Tier­versuchen durchlaufen sollen, - das Gesetz will es so. Aber die Zwei­fel an der Legitimation unseres Tuns beginnen bereits an der Stelle, wo wir so tun, als wenn die Tiere keine Gefühle besäßen. In Wahrheit sind die Loci für die Schmerzempfindung in einem Säugetiergehirn genau dieselben wie in dem Gehirn eines Menschen, und so wird man schlie­ßen müssen, dass höher entwickelte Tiere genauso Schmerz empfinden wie Menschen, ja, womöglich sogar noch mehr. Wir Menschen können uns in Gedanken von dem „tierischen" Schmerzgefühl ein Stück weit distanzieren, und vor allem: Wir wissen zumeist in etwa um die Ur­sachen, manchmal sogar um den Sinn eines Schmerzes. Ein Tier leidet nur stumm vor sich hin. Es kann nicht begreifen, warum, und es gibt keine Sprache der Welt, es ihm zu erklären. (11)

Ich glaube, dass, was wir den Tieren, den Pflanzen zufügen, ist nur möglich durch die unglaubliche, demonstrierte Unbarmherzigkeit, die sich ergibt, weil wir überhaupt nicht mehr sinnlich sehen, was wir tun. Die Leute, die sich morgens hinsetzen und ihr Frühstück essen, haben keine Ahnung, wie man die Tiere gequält hat, aus denen man die Nah­rungsmittel gewonnen hat, was an den Stadträndern los ist, in den Schlachtfabriken, was in den Mastfabriken, was in den Tierversuchs­anstalten. All das berührt unser Gefühl nicht, weil wir es nicht erleben. Nähme man uns an die Hand und führte uns durch die ganzen Ap­paraturen, in denen man technisch und barbarisch roh mit Tieren umgeht, mit lebenden Geschöpfen - nicht anders, als wie man im Bergbau unter Tage Kohle macht, so macht man jetzt Nahrungsmittel, Fleisch, Getreide -, werden wir kaum anders können, als dass wir immer wieder sagen müssten: Dieser Umgang zerstört nicht nur drau­ßen in der Natur, was lebendig ist, sondern auch in unserer Seele, was im Grunde poetisch fühlend, symbolisch empfindend Vermittlung stif­ten könnte.

Es ist überhaupt nicht vorstellbar, wie wir in diesem Szenario in Raum und Zeit irgendeine zentrierte Wichtigkeit des Kosmos übertragen bekommen sollten. Erlösungsbedürftig sind die Menschen. Die Tiere aber sollten wir endlich aufhören zu erlösen. Wir sollten sie in Ruhe lassen. Und das müssten wir lernen von den asiatischen Religionen. Es gibt schließlich auf diesem kleinen Planeten keinen Ort, wo sie nicht vor uns da waren. Und vielleicht sind sie in den Maßen der Evolution weiser als wir Menschen.

Es ist der Kern von allem, was wir heute lernen müssen - oder niemals mehr lernen werden: dass das Überleben von Pflanzen und Tieren wichtiger ist als eine weitere Vermehrung der Menschheit. Die expan­sive Phase der menschlichen Geschichte ist endgültig an ihr Ende ge­langt; und eine zweite, lebensintensive Phase wird es nur geben, wenn wir lernen, weise zu werden. (11)

Nachdem es das Christentum versäumt hatte, mit der Natur auf natür­liche Weise so erfüllt zu leben, dass man in das Los von Alter, Krank­heit und Tod sich widerspruchsfrei zu fügen vermöchte, war es nun wahrlich kein Wunder, dass man in der Konsequenz der christlichen Anthropozentrik und des christlichen Mitleids daranging, das Quan­tum an Leid, das die Natur der menschlichen Gattung auferlegt hat, von den Menschen fernzuhalten und nach Möglichkeit auf die Mitge­schöpfe zu verschieben. Keine noch so ungeheuerliche und massen­hafte Tierquälerei ist uns Heutigen auch nur der geringste Skrupel wert, wenn es gilt, ein Menschenleben zu, retten'. In jedem prakti­schen Einzelfall ist der Mensch das Maß aller Dinge, und zu spät begreifen wir, dass die eigene Unnatur uns selber auf diesem Planeten parasitär gemacht hat, obwohl sie in ihrer Konsequenz am Ende, nach der Zerstörung alles Nicht-Menschlichen, sich auch gegen den Men­schen selber wird richten müssen.

Gedenke auch unserer älteren Schwestern und Brüder, der Tiere. Ver­biete dem Menschen, Tiere zu töten, um sie zu essen. Denn auch sie sind fühlende Wesen, auch in ihnen wohnt die Sehnsucht nach Leben; unsere Weggefährten sind sie auf dem gemeinsamen Weg zur Unsterb­lichkeit. Solange noch Menschen Tiere töten, werden sie auch Kriege führen. Solange Menschen Tiere essen, werden sie ihre unschuldigen Opfer zu Tode quälen: zu Hunderttausenden in den Labors und Massenzuchtanstalten, zu Millionen in den Schlachthöfen der Städte, zu Myriaden in den Weltmeeren. Ihr Blutstrom darf nicht länger mehr als Nahrung dienen, ihr Leib nicht länger mehr als Rohstoff, ihr Leben nicht länger mehr als Lebensmittel für uns Menschen. Verbiete uns, Herr, das tägliche Fleisch. Das tägliche Brot gib uns heute. (Vortrag am 18.8.1991 in Zürich mit dem Dalai-Lama)

Immer größere Katastrophen beschleunigen den Lernprozess? - Diese Hoffnung habe ich keinesfalls. Die Frage ist umgekehrt, wie viele Katastrophen brauchen wir noch, um endlich vernünftig zu werden? Wir haben aus der BSE-Krise nicht gelernt, mit Tieren anders umzu­gehen. Wir haben es im Gegenteil für verantwortlich definiert, mehr als vier Millionen Rinder allein auf den Fluren Englands und Schott­lands zu töten und zu verbrennen. Es waren biblische Holocauste, Ganzkörperverbrennungen, um Opfer darzubringen für einen blutrün­stigen, maßlosen Götzen - den Markt und das Kapital. Wir haben rei­ne Pflanzenfresser vollgestopft mit dem Futtermehl aus den Kadavern ihrer eigenen Artgenossen, wie wenn es Kannibalen wären. Das alles tun wir, weil es angeblich billiger ist. Es ist aber nicht billiger, es wird immer teurer, wie wir jetzt gerade zu sehen bekommen. Wir lügen schon alleine in der Preisgestaltung, indem wir den Leuten sagen, auf diese Weise produzieren wir das Fleisch billiger, auf diese Weise ver­kürzen wir die Verkehrswege, auf diese Weise haben wir noch viel bil­ligere Autos und noch viel billigeres Benzin. Am Ende sind die Kosten überhaupt nicht mehr bezahlbar, weil die Natur sich nicht reparieren lässt, sie bildet ein Gesamtsystem. Und die Folgekosten, indem wir immer wieder partikular-egoistisch Teile aus dieser Natur, die lebendig ist, herausschneiden und töten, legen uns am Ende Opfer auf, die gigantisch sind. (Tagesspiegel 25.8.2002, S. 57)

 

Vitus B. Dröscher (1925-2010) Schriftsteller

Elefanten haben eine viel humanere Einstellung ihren Mitlebewesen gegenüber als Wilderer und Schießtouristen.

 

 

 

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) österreichische Schriftstellerin

Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.

 

 

 

 

Axel Eggebrecht (1899-1991) Schriftsteller, Rundfunkredakteur

Die Katze ist eine anarchische Aristokratin mit gesundem proletari­schen Elan vital. Sie hat etwas von allen Extremen menschlicher Ideale in ihrem Wesen, sie hat die natürliche Formvollendung, die uns verloren ging und die wir in allen unseren Extremen wieder suchen. (39)

 

 

 

Albert Einstein (1879-1955) Wissenschaftler, Nobelpreis für Physik 1921

Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung. Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äußerst positiv beeinflus­sen können.

 

 

 

Ralph Waldo Emerson (1803-82) US-Schriftsteller und Politiker

Sie haben soeben zu Mittag gegessen; und wie sorgfältig auch immer das Schlachthaus in einer taktvollen Entfernung von einigen oder vie­len Kilometern verborgen sein mag: Sie sind mitschuldig.

 

 

 

Empedokles (490-430 v. Chr.) griechischer Philosoph

Wollt ihr nicht lassen vom grässlichen Morden? Ach, fühlt ihr denn nicht, wie ihr einander zerfleischt im finsteren Wahne? Wehe mir, dass mich nicht vorher ein erbarmungsloser Tag sterben ließ, bevor ich den grausamen Gedanken fasste, meine Lippen an grässlichem Fräße, zu weiden! (30/85)

 

 

 

Lord Thomas Erskine, 1.Baron (1755-1823) schottischer Politiker und Jurist

Es gibt keine wahrhaft gute Erziehung ohne Mitleid mit den Tieren.

 

 

Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) Philosoph

Eine vollständige Ethik wird auch die Pflichten gegenüber den Tieren in anderer Weise und aus anderen Gründen, als es bisher geschehen, in den Umfang ihrer Untersuchung aufnehmen. Und in der vollkomme­nen ethischen Gemeinschaft, in welcher die Idee der Menschheit ver­wirklicht

ist, wird auch die Tierwelt ihre erhöhte Stelle einnehmen durch zweckmäßige Pflege und Erziehung, und kein unnötig Leiden­des wird mehr sein. (9)

 

 

Otto Wilhelm Fischer (1915-2004) Shauspieler, Filmstar, Professor für Philosophie

Warum ich nicht Brüder esse - einfach aus Familiensinn, das ist alles. Irgendwo muss Scham beginnen. (16/31)

Wir sind in einem impertinenten Zustand des Fressens und Gefres­senwerdens. Und das Ganze stört uns gar nicht, wenn wir dann uns kultivieren und die nächsten Verwandten von uns, die doch die Säu­getiere sind, auffressen. Ja, mehr noch, wir locken sie in Gehege, in Gulags, und schneiden ihnen zu hohen christlichen Feiertagen die Kehlen durch und singen dazu „O du Selige".

Tiere fühlen mehr als wir. Sie wissen nicht mehr, aber sie fühlen mehr. Und wenn Sie also ein Geschöpf lieben, dann erzählt es Ihnen, ohne; dass es den Mund aufmacht und ein Wort spricht, alles über sich. Sie müssen nur seine Sprache lernen.

Wie gehen Sie mit Tieren um? - Ich suche ihre Freundschaft und versuche, von ihnen zu lernen, weil sie höhere Geschöpfe sind. Ich glau­be, sie sind, statt Rache zu nehmen an uns, heilig geworden. Sonst könnte es gar nicht sein, dass sie uns diesen Gulag-Tod, den wir ihnen bereiten, jeden Tag zu Millionen, nicht übel nehmen, sondern uns anschauen mit Augen, die der Homer nennt: „die kuhäugige Göttin"! Wenn Sie einer Kuh in die Augen schauen, schauen

Sie in den tiefsten See, den man sich vorstellen kann. Sie sind ein Aufschrei für uns, wir Menschen werden. (Interview mit Jürgen Fliege am 22.8.2C ARD)

 

Ulrike Folkerts (1961-) Schauspielerin, Tatort-Kommissarin

Pelze gehören für mich ins Steinzeitalter und haben heutzutage abso­lut ausgedient. Alle Tiere fühlen Schmerz - ganz gleich, ob Fuchs, Nerz oder Katze. Können Sie sich etwa vorstellen, Ihre Katze zum Mantel zu verarbeiten?

 

 

 

Franziskus, Franz von Assisi (1181-1226) Orden s Stifter, heiliger Tag: 4. Oktober

Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen sollen, allemal, wenn es vonnöten ist. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiche Rechte auf Schutz.

Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir. Alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir - also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöp­fers - unsere Brüder.

Gott, du voll Liebe und Güte, der du die Welt so schön gemacht hast und alle Kreatur, die geht und fleucht, angewiesen hast, dass sie dei­nen Ruhm verkünde, ich danke dir bis an mein Ende, dass du mich un­ter sie gestellt hast.

 

 

Sigmund Freud (1856-1939) österreichischer Psychoanalytiker

Der Priester wird die Wesensgleichheit von Mensch und Tier nie zuge­ben, da er auf die unsterbliche Seele nicht verzichten kann, die er braucht, um die Moralforderung zu begründen. (19)

Ich ziehe die Gesellschaft der Tiere der Menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivi­lisierten Menschen.

 

 

Erich Fried (1921-88) Dichter

Zu guter Letzt

Als Kind wusste ich: Jeder Schmetterling, den ich rette und jede Spinne und jede Mücke jeder Ohrwurm und jeder Regenwurm wird kommen und weinen, wenn ich begraben werde.

Einmal von mir gerettet muss keines mehr sterben. Alle werden sie kommen zu meinem Begräbnis.

Als ich dann groß wurde, erkannte ich: Das ist Unsinn keines wird kommen ich überlebe sie alle.

Jetzt im Alter frage ich: Wenn ich sie aber rette, bis ganz zuletzt kommen doch vielleicht zwei oder drei?

 

 

Friedrich der Große (1712-86) König von Preußen,

war ab 1740 König in und ab 1772 König von Preußen sowie Kurfürst von Brandenburg.

Die Jagd ist nicht die eines denkenden Wesens würdige Beschäftigung. Es steht zu befürchten, dass die Menschen, die sie ausüben, ebenso unmenschlich gegen Menschen werden, wie sie es gegen Tiere sind, oder dass die grausame Sitte, mit Gleichgültigkeit Schmerzen zu verursa­chen, ihr Mitgefühl für das Unglück ihrer Nebenmenschen abstumpft. (KI 43/9)

Wer gleichgültig gegen ein treues Tier ist, wird auch für seinesgleichen kein Herz haben. ... Ich glaube, ein Mensch, der gegen ein treues Tier gleichgültig sein kann, wird gegen seinesgleichen nicht dankbarer sein, und wenn man vor die Wahl gestellt wird, ist es besser, zu empfindsam als zu hart zu sein. (19)

 

 

Max Frisch (1911-91) Schweizer Schriftsteller

Wahrscheinlich sind es die Fische, die uns überleben, und die Vögel.

 

 

Friedrich Fröbel (1782-1852) Pädagoge

Am Tiere zuerst übt sich das Kind in Barmherzigkeit oder Grausam­keit, und erwachsen ist es dann hilfsbereit oder unbarmherzig auch ge­gen seine Mitmenschen.

 

 

 

Zsa Zsa Gabor (1918-2005) Hollywood-Diva

Pelztragen ist Tierquälerei. Ich habe meine 70 000 Mark teure Pelzkol­lektion öffentlich versteigern lassen und den Erlös dem städtischen Tierschutzverein übersandt. (KI 40/23)

 

 

 

 

Peter Gabriel (1950-) britischer Pop-Sänger und Komponist

Es gibt Leute, die dafür plädieren, das biologische Klassensystem um­zustellen und Affen zu den Hominiden zu zählen. Wenn meine musika­lischen Experimente auch sonst zu nichts führen mögen, so habe ich zumindest dabei erkannt, dass diese Wesen selbstbestimmt leben und entscheiden. Zurzeit aber werden sie wie Ware behandelt. Objekte, die besessen werden von Zoos und Forschungseinrichtungen - so wie frü­her Sklaven. Es wird Zeit, dass sie Verfassungsrechte bekommen. Wir sollten mehr über die anderen Wesen lernen, mit denen wir diesen Pla­neten teilen, bevor wir ihn zerstören. (DIE ZEIT 17.12.03, S. 66)

 

 

Mahatma Gandhi (1869-1948) Führer der indischen Unabhängigkeitsbe­wegung

Vivisektion ist nach meiner Auffassung das Schwärzeste von allen schwarzen Verbrechen, deren sich der Mensch heute gegenüber Gott und seiner Schöpfung schuldig macht. Lieber auf das Leben verzich­ten, als es mit der Qual fühlender Geschöpfe zu erkaufen. (15/23)

Die Größe einer Nation lässt sich daran ermessen, wie sie ihre Tiere behandelt. (20)

Indem wir Fleisch genießen, sind wir alle Komplizen der an Tieren verübten Grausamkeiten beim Transport, auf den Märkten und in den Schlachthäusern, und wer weiß, ob dieses gemarterte Fleisch, das wir uns einverleiben, uns nicht seinerseits zu neuen Brutalitäten und Grau­samkeiten fähig macht.

Alles, was lebt, ist dein Nächster.

Ich fühle zutiefst, dass geistiges Wachstum in einem gewissen Stadium uns gebietet, damit aufzuhören, unsere Mitgeschöpfe zur Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse zu schlachten. Für mich ist das Leben eines Lamms nicht weniger wertvoll als das Leben eines Menschen. Und ich würde niemals um des menschlichen Körpers willen einem Lamm das Leben nehmen wollen. Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit. (23/19)

 

 

Joseph von Görres (1776-1848) katholischer Romantiker, Schriftsteller

Wer über das gewöhnliche Leben hinaus will, der scheut blutige Nah­rung und wählt nicht den Tod zu seinem Speisemeister. (13/14)

 

 

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Dichter

Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt; mag noch so vornehm drein er schauen, man sollte niemals ihm vertrauen.

Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen.

Als ich einmal eine Spinne erschlagen, dacht' ich, ob ich das wohl gesollt? Hat Gott ihr doch wie mir gewollt einen Anteil an diesen Tagen! (6/288)

 

 

Witold Gombrowicz (1904-69) polnischer Schriftsteller

Warum umfasst die kommunistische Gerechtigkeit ebenso wie die Katholische die Tiere nicht? Die Menschlichkeit dieser Doktrin endet beim Menschen. Sie verbietet die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, stimmt aber der Ausbeutung der Tiere zu, was nicht sehr logisch ist, nicht in Ordnung ist. Denn wenn eine Religion die Tie­re als Seelenlose an den Rand drängt, so kann es doch für den Mate­rialismus keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen leidender Ma­terie und menschlicher Materie geben.

 

 

Maxim Gorki (1868-1936) russischer Schriftsteller

Nach manchem Gespräch mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

 

 

 

Prof. Erich Grässer (1927-) Universitätsprofessor, neutestamentliche Theologe und Politiker (Die Tierschutzpartei)

Die heilige Kirche, der wir auf Erden angehören, interessiert sich nicht für die Tiere. Wahrscheinlich wäre das anders, wenn nicht auch noch die Klage Axel Munthes zuträfe, dass wir im Neuen Testament vergeb­lich nach einem Herrenwort zur Verteidigung unserer stummen Mitge­schöpfe suchen. Ein wie viel besseres Los wäre ihnen in den letzten 2000 Jahren gefallen, wenn die biblische Sicht der Tiere als Geschöpfe Gottes, ja als Miterben der Erlösung, durch ein entschiedenes Jesus­wort, ein Gleichnis oder einen Bericht stärker im Bewusstsein der Christenheit verankert worden wäre. (Kirche und Tierschutz - eine Anklage)

Wer Tiere als Mitgeschöpfe ansieht - und die Präambel unseres Tier­schutzgesetzes tut das -, der muss sie auch so behandeln. Und der Gesetzgeber muss darauf achten, dass er nicht solche Ausführungs­bestimmungen zum Tierschutzgesetz erlässt, die dessen Präambel zur Schwindeletikette verkommen lassen. Das Bekenntnis zur Mitgeschöpflichkeit bedeutet für den Bereich der Genmanipulation und des Tierversuchs, dass sie in jedem Falle ein Eingriff in ein fremdes, näm­lich göttliches Hoheitsrecht sind. Deshalb muss die Mentalität fallen, dass es nichts Besonderes sei, mit Tieren zu experimentieren. Diese Mentalität ist unsittlich. Denn der Zweck des Daseins der Tiere ist nicht, dass sie Messinstrumente oder Sündenböcke oder Ersatz­teillager der Menschen oder ein Mittel zur Profitmaximierung einer Wegwerfgesellschaft sind. Tiere haben ihren eigenen Zweck und ihre Daseinsberechtigung im Ganzen der Schöpfung. Ihr Eigenwert darf niemals im Nutzwert für die menschliche Gesellschaft aufgehen, wenn anders der Selbstanspruch dieser Gesellschaft, eine sittliche Rechtsgemeinschaft zu sein, nicht zur Heuchelei werden soll. (Der Vegetarier Nr. 5, Sept./Okt. 1991)

 

Dick Gregory (1932-) US-Autor, Philosoph, Comedian

Wenn man das Töten zum Zwecke des Fleischessens rechtfertigen kann, dann kann man auch die Bedingungen in einem Ghetto rechtfer­tigen. Ich kann beides nicht rechtfertigen. (60)

 

 

Werner Hartinger (1925-2000) Facharzt für Unfallchirurgie, Autor, ehem. 1. Vors. der Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche"

Es ist schlichtweg unzutreffend zu behaupten, dass die Organtrans­plantation nur durch Tierversuche ermöglicht worden wäre und des­halb durch diese Experimente viele Patienten hätten gerettet werden können. Richtig ist, dass die operative Technik einer Organtransplan­tation jedem guten Chirurgen keinerlei operative Schwierigkeiten be­reitet und eine Übungstätigkeit am Tier hierzu weder erforderlich ist, noch als humanmedizinische Notwendigkeit bezeichnet werden kann. Die Schwierigkeiten resultieren ausschließlich aus der Unverträglich­keit des heterogenen Transplantates in einem fremden Organismus. Hier können auch keine Tierversuche weiterhelfen oder neue Erkennt­nisse bringen, da deren Ergebnisse nicht auf die menschliche Situation übertragen werden können. Die Einführung der Nierentransplantation für den Menschen soll um Jahrzehnte verzögert worden sein, da diese bei Experimenten an Hunden nie vertragen wurden und ständig eine Abstoßung oder der Tod eines Tieres eintrat. Diese Ergebnisse hatte man zunächst auch für den Menschen vermutet, was sich dann später aber als falsch herausstellte.

Es ist unverständlich, dass von Interessenkreisen ohne Berücksichti­gung der zahlreichen anderslautenden Beurteilungen immer wieder die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Tierexperimente behaup­tet und gleichzeitig verschwiegen wird, dass man sich gegenüber den Haftpflichtansprüchen infolge von Nebenbeschädigungen durch die im Tierexperiment umfangreich erprobten Medikamente und chemischen Substanzen damit verteidigt, dass eben die Tierversuchsergebnisse nicht auf den menschlichen Organismus übertragen werden könnten.

Zu keinem Zeitpunkt meiner Ausbildung war ich gezwungen, oder sa­gen wir veranlasst, an einem Tier eine Operationstechnik zu üben. Ich habe meine Sicherheit und Fertigkeit durch jahrelange unzählige As­sistenzen bei verschiedenen qualifizierten Chirurgen erlernt, wie dies für eine klassische Ausbildung des Operateurs üblich und unerlässlich ist. Ich identifiziere mich uneingeschränkt mit denjenigen Chirurgen, die ebenso wie ich für eine Abschaffung der Tierversuche eintreten. Die Behauptung, dass bei einem Verbot der Tierversuche es zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung und Erkenntnis käme, ist nicht vertretbar und ganz offensichtlich eine interessengebundene Auffassung ...

 

 

Gert Haucke (1929-2008) Schauspieler, Autor

Ich frage mich, wer an diesem Zustand des am Rande der Selbstzer­störung dahintaumelnden Planeten schuld ist. Eins möchte ich mal sagen: ganz gewiss kein einziges Tier. Ich frage mich, welche Hybris dazugehört zu glauben, dass der Mensch - der in einer wahnsinnigen, vollkommen irren und durch nichts aufzuhaltenden Selbstzerstörung an dem Ast gesägt hat, auf dem er sitzt - woher er das Recht nimmt, auch nur ein einziges Lebewesen für sich leiden und sterben zu lassen. Was ist denn so Wunderbares am Homo sapiens? Ich bin der Meinung: Es ist ein Irrtum der Evolution. (KI 42/10)

 

 

Václav Havel (1936-2011) ehem. tschechischer Präsident, Friedenspreis des dt. Buch­handels 1989

Es ist der Hochmut der Menschen, die glauben, die ganze Welt und die Natur begriffen zu haben. Sie meinen, mit unserem Planeten auf belie­bige Weise umgehen zu können, als wären sie Herren der Schöpfung und die Klügsten im Weltall. Mir scheint, dass diese hochmütige Haltung die Ursache aller drohenden Katastrophen ist.

 

 

Friedrich Hebbel (1813-63) Dichter

Mit welch einer Blut- und Qualschuld hat die Menschheit sich durch ihre Sünden an der Tierwelt befleckt!

 

 

 

Dieter Thomas Heck (1937-) Sänger, Fernsehmoderator

Also ich bin sicher, dass auch jedes Tier eine Seele hat, oder das, was wir als Seele bezeichnen. Ich glaube auch, dass die Kirche einen ganz entscheidenden Fehler macht, indem sie das Tier als Seelenloses etwas hinstellt. Ich glaube, viele Tierquälereien wären nicht da, wenn von oben, von der Kirche, vom Glauben her - was ein sehr wichtiger Punkt ist -, wenn vom Glauben her man dem Menschen sagen würde: Ein Tier spürt genau wie auch ein Mensch. Ein Tier kann schreien vor Schmerzen - das wissen wir alle. Und darum ist der Tierschutz so wichtig. Man muss generell sagen: Ein Tier hat auch eine Seele. (Zeit für Tiere, ORB 10.10.1993)

Wenn ich dann aber höre, dass einige Politiker und Agrarlobbyisten das Ende der Käfighaltung rückgängig machen wollen, packt mich die Wut. Das können wir, gerade nachdem der Tierschutz jetzt endlich im Grundgesetz verankert ist, nicht hinnehmen. Hier sind auch die Kon­sumenten aufgefordert, ein deutliches Zeichen zu setzen und Käfig-Eier zu boykottieren, (du und das Tier 6/2003, S. 21)

 

 

Elke Heidenreich (1943-) Schriftstellerin, Moderatorin

Was ist das für eine Manie, Giraffen zu fangen, von Afrika nach Wup­pertal zu bringen, sie da auf eine umzäunte Wiese zu stellen und gegen Eintritt zu beweisen, dass sie wirklich einen langen Hals haben? Und vielleicht macht ja auch mal ein Tierschutzbeauftragter mit seiner Fa­milie einen Sonntagsausflug in einen Freizeitpark mit qualvollem Kinderzoo zum Anfassen oder fragt sich, warum ein Elefant im Zirkus ler­nen muss, mit einem Bein auf einer Dose zu stehen. (Brigitte 3/1989)

Welche kulinarischen Genüsse schätzen Sie besonders? - Alle, für die kein Tier sterben musste. (Die Woche 18.3.1993)

 

 

Andre Heller (1946-) österreichischer Künstler, Schriftsteller

Alle Zirkusse, in denen ich involviert war, haben auf Tiere verzichtet. Die Legende, dass ein Zirkus zugrunde geht, wenn er nicht Tiere zeigt, ist eine Lüge. Der chinesische Zirkus, den ich seit vielen Jahren mit veranstalte und wo ich Regie führe, ist ein Zirkus, der ohne Tiere aus­kommt, und die Tiere, die man sieht, sind Menschen. Das heißt: Sind Menschen im Tigerkostüm, Menschen im Löwenkostüm; das ist für die Kinder viel lustiger als die wirklichen Bären, die wirklichen Affen oder die wirklichen Pferde. Auch die reichsten Zirkusse haben eine Tierhaltung, die inakzeptabel ist. Es ist für einen Löwen dann nicht mehr wichtig, ob er zwei Quadratmeter mehr Auslauf hat - was immer er hat, ist zu wenig; es ist auch für die Pferde schlecht, ist für die Affen schlecht. Eigentlich rufe ich zu einem Boykott der Zirkusse auf, die Tiere zeigen. Die meisten Zirkusse haben noch diese Winterschand­nummer, wo sie dann mit den Tieren - in Wien ist das weniger, aber in Deutschland sieht man es sehr oft - in den Straßen betteln. Da steht einer mit einem räudigen Bären auf einem Platz und sagt, er braucht Tierfutter. Man soll diese Zirkusse nicht unterstützen, weil man das Leiden verlängert, (auf einer Pressekonferenz in Wien am 22.11.1991)

 

 

Johann Gottfried Herder (1744-1803) Schriftsteller

Der Menschen ältere Brüder sind die Tiere. Ehe jene da waren, waren diese. Jede Geschichte der Menschheit also, die ihn außer diesem Ver­hältnis (zum Tier) betrachtet, muss mangelhaft und einseitig werden.

 

 

 

Max Herrmann-Neiße (1886-1941) Dichter

Die vielen Katzen, welche um mich sind, Die wie versonnen in den Räumen schreiten, Durch deren Fell oft meine Finger gleiten. Sind lieber mir als Schwester, Freunde, Kind! (40)

 

 

 

Hesiod (700 v. Chr.) griechischer Dichter

Alle Kriege kommen dadurch in die Welt, dass die Menschen die Tiere morden und ihre Leichen verzehren. (30/87)

 

 

 

Hermann Hesse (1877-1962) Dichter, Nobelpreis für Literatur 1946

Die unschuldigen Pflanzen und Tiere sind von Gott in des Menschen Hand gegeben, dass er sie liebe und mit ihnen wie mit schwächeren Geschwistern lebe.

 

 

 

Theodor Heuss (1884-1963) Erster dt. Bundespräsident (1949-59), Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1959

Eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwick­lung ist es, dass das Wort „Tierschutz" überhaupt geschaffen werden musste. (7/139; KI 63/27)

Die Jägerei ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit. (1/88)

Je früher unsere Jugend von sich aus jede Rohheit gegen Tiere als ver­werflich anzusehen lernt, je mehr sie darauf achtet, dass aus Spiel und Umgang mit Tieren nicht Quälerei wird, desto klarer wird auch später ihr Unterscheidungsvermögen werden, was in der Welt der Großen Recht und Unrecht ist. (19)

 

 

Hieronymus von Bethlehem (347-420) Heiliger, Kirchenvater

Der Gebrauch des Weines [also der ganze Alkoholismus] hat mit dem Fleischessen angefangen nach der Sintflut. Der Genuss des Tierflei­sches war bis zur Sintflut unbekannt - aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die übel riechenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft, wie man in der Wüste dem murrenden, sinnlichen Vol­ke Wachteln zuwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit er­füllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang [Genesis 1:29] ver­knüpft, sodass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen. (Adversus lovinianum I, 30; 8/91)

 

 

Wolfgang Hildesheimer (1916-91) Schweizer Schriftsteller

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe nicht! Denn sie haben diese Gnade nicht verdient. Sie haben die Zukunft ihrer Nachkommen auf dem Ge­wissen. Sie sind dabei, deine Schöpfung systematisch zu ruinieren. Sie berauben dich, und sie berauben uns ewige Verlierer, und sie rotten die Tiere aus, deine Geschöpfe! („Requiem", KI 35/13) Herr, gib den Tieren die Kraft, sich gegen uns zu wehren. (KI 30/9)

Tierliebe manifestiert sich nicht darin, dass man einen Hund hält. Sie ist vielmehr ein fundamentales, im Herzen verankertes Gefühl der Zu­sammengehörigkeit und des Mitleids, ja der Verwandtschaft aller Le­bewesen, die sich in die Schöpfung gerecht und ihrer Art gemäß teilen sollen. Sie ist überdies das notwendige Verlangen, die Grundgesetze der Liebe und der Toleranz durchzusetzen. Und hier fällt eine Schuld auf die Intellektuellen, die Schriftsteller zumal. Sie sind mit überwälti­gender Mehrheit tierfremd. Es fehlt ihnen damit eine wesentliche Di­mension in der Wahrnehmung irdischer Phänomene und somit natür­lich auch der Wunsch, sie in ihr eigenes Leben zu integrieren.

Ich versuche, das Wort „Umwelt" zu vermeiden. Nicht nur wird es zum Gemeinplatz, auf dem sich zunehmend auch die Alibi-Sucher tummeln, sondern der Begriff ist auch zu schwach. Es klingt, als hand­le es sich um den wohlbestellten Garten, der unsere menschliche Be­hausung umgibt. Natürlich ist das Wort nicht mehr zu umgehen, aber es bleibt eine Verharmlosung. Denn es handelt sich ja nicht nur um die Umwelt des Menschen, sondern um die Erde schlechthin, die Länder, die Meere und damit - wahrhaftig nicht zuletzt - um das Reich der Tie­re. Gottes andere und schon seit Ende der Sintflut benachteiligten Ge­schöpfe; um den machtlosen Partner des Menschen, um den es von Stunde zu Stunde schlechter bestellt ist und der, wie ich fürchte, in der Nachwelt zur Legende wird - sofern es eine Nachwelt gibt, die Legen­denbildung gestattet.

 

 

E. T. A. Hoffmann (1776-1822) Schriftsteller, Komponist

Wer kann es sagen, wer nur ahnen, wie weit das Geistesvermögen der Tiere geht! - Wenn uns etwas oder vielmehr alles in der Natur unerforschlich bleibt, so sind wir gleich mit Namen bei der Hand und brüs­ten uns mit unserer albernen Schulweisheit, die eben nicht viel weiter reicht als unsere Nase. So haben wir denn auch das ganze geistige Ver­mögen der Tiere, das sich oft auf die wunderbarste Art äußert, mit der Bezeichnung Instinkt abgefertigt. Ich möchte aber nur die einzige Fra­ge beantwortet haben, ob mit der Idee des Instinkts, des blinden, will­kürlichen Triebes, die Fähigkeit zu träumen vereinbar sei. Dass aber z. B. Hunde mit der größten Lebhaftigkeit träumen, weiß jeder ... (18)

 

 

Horaz (65-8 v. Chr.) röm. Dichter

Wage es, weise zu sein! Höre auf, Tiere zu töten! Wer die Stunde des rechten Lebens hinausschiebt, gleicht nur dem Bauern, der darauf war­tet, dass der Fluss versiegt, ehe er ihn überquert.

 

 

Max Horkheimer (1895-1973) Philosoph

Der Schluss, den sie aus den verstümmelten Tierleibern ziehen, passt nicht auf das Tier in Freiheit, sondern auf den Menschen heute. Er be­kundet, indem er sich am Tier vergeht, dass er, und nur er in der ganzen Schöpfung, freiwillig so mechanisch, blind und automatisch funktio­niert, wie die Zuckungen der gefesselten Opfer, die der Fachmann sich zunutze macht. Dem Menschen gehört die Vernunft, die unbarmherzig abläuft; das Tier, aus dem er den blutigen Schluss zieht, hat nur das un­vernünftige Entsetzen, den Trieb zur Flucht, die ihm abgeschnitten ist. (41)

Indem man den tierischen Räuber zur „Bestie" stempelt, schlägt man draußen mit abgefeimter Brutalität, was man drinnen in sich selbst nicht ausrotten kann, das Vor-Zivilisatorische. Es kommt darüber hin­aus in dem bestialischen Hass gegen den Wolf aber noch weiter zum Ausdruck, dass man den eigenen Fraß, dem die Schafe ausschließlich vorbehalten sein sollen, insgeheim als die grauenvolle Praxis empfin­det, die sie wirklich ist ... Der eigene Widerwille gegen den Mord am Beschützten, gegen den Verkauf an den Schlächter, ist in die untersten seelischen Schichten verstoßen und steigt in der Wut gegen den illega­len Fresser, der so viel harmloser ist als der verräterische Hirte selbst, mit blutunterlaufenen Augen herauf. Im Mord am Wolf bringt man das eigene Gewissen zum Schweigen.

Zwischen der Ahnungslosigkeit gegenüber den Schandtaten in totali­tären Staaten und der Gleichgültigkeit gegenüber der am Tier begange­nen Gemeinheit, die auch in den freien existiert, besteht ein Zusam­menhang. Beide leben vom sturen Mittun der Massen bei dem, was oh­nehin geschieht. Wen die Welt dazu gebracht hat, bloß vor sich hinzublicken und der allgemeinen Suggestion zu gehorchen, wer nicht ge­lernt hat, Erfahrungen über den Bereich des eigenen Nutzens hinaus zu machen, der ist inmitten der Freiheit unfrei, und nur von den Umstän­den hängt es ab, wann er der äußeren Unfreiheit verfallen wird. (7/190)

 

 

Max Huber (1874-1960) Schweizer Völkerrechtler

Am schwersten war die Trennung von dem Hunde, von dem ich anneh­men musste, dass er der letzte dieser Freunde ist, weil man das Leben eines solchen Tieres nur unter bestimmten Umständen an ein altes und vermutlich bald endendes Leben binden darf. Ein Tier ist nie ein Spiel­zeug, es ist eine Seele und ein Schicksal.

 

 

 

Wolfgang Huber (1942-) Bischof der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, Ratsvors. der EKD (ab 2003 bis 2009)

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen." Wer nur auf den Menschen achtet und die Tiere darüber vergisst, verhält sich nicht anders als der, der liebedienernd den reichen Ankömmling in der Gemeinde hofiert und den Armen an den Rand drängt. Er ver­stößt gegen das Gesetz der Freiheit, gegen die Barmherzigkeit. Alles, was lebt, ist vom Geist des Schöpfers durchwaltet. Alles Lebendige, Mensch, Tier oder Pflanze, hat am selben Schöpfergeist Anteil. Durch geistlose Brutalität gegenüber anderen Teilen der Schöpfung schnei­den wir uns selbst von dem Leben schaffenden Geist Gottes ab. (in einer Predigt am 25.9.1994; KI 60/31)

 

 

Peter Huchel (1903-81) Dichter

Die Öde wird Geschichte Termiten schreiben sie mit ihren Zangen in den Sand.

..und nicht erforscht wird werden ein Geschlecht eifrig bemüht sich zu vernichten (KI 54/1)

 

 

 

Victor Hugo (1802-85) französischer Schriftsteller

In den Beziehungen der Menschen zu den Tieren, den Blumen, all den Gegenständen der Schöpfung existiert ein umfassendes Feld der Ethik, das man bisher jedoch nur selten wahrgenommen hat. (60)

 

 

 

Alexander von Humboldt (1769-1859) Naturforscher

Dieselbe Strecke Landes, welche als Wiese, d. h. als Viehfutter, zehn Menschen durch das Fleisch der darauf gemästeten Tiere aus Zweiter

Hand ernährt, vermag, mit Hirse, Erbsen, Linsen und Gerste bebaut, Hundert Menschen zu erhalten und zu ernähren. ... Wo ein Jäger lebt,

Können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauern und tausend Gärtner. (15/21-22)

Grausamkeit Tieren gegenüber und wirkliche Bildung und Wissen schließen sich aus.

Grausamkeit gegen die Tiere ist eines der kennzeichnendsten Laster ei­nes niederen und unedlen Volkes. Wo man ihrer gewahr wird, ist es ein sicheres Zeichen der Unwissenheit und Rohheit, welches selbst durch alle Zeichen des Reichtums und der Pracht nicht übertüncht werden kann. Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch bei wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Diese Worte kann heute kein Volk aussprechen, ohne sich selbst als niedrig und unedel zu bezeichnen -und das mit vollstem Recht und im weitesten Umfang. (KI 33/23)

Dem Tier gegenüber sind heute alle Völker mehr oder weniger Bar­baren, es ist unwahr und grotesk, wenn sie ihre vermeintlich hohe Kultur bei jeder Gelegenheit betonen und dabei tagtäglich die scheuß­lichsten Grausamkeiten an Millionen von wehrlosen Geschöpfen bege­hen oder doch gleichgültig zulassen. Können wir uns wundern, dass diese sogenannten Kulturvölker immer mehr einem furchtbaren Weg des Abstiegs entgegengehen?

 

 

Hanns Dieter Hüsch (1925-2005) Kabarettist, Schriftsteller, Schauspieler, Liedermacher usw.

So wie die Tierquäler an den Tieren ihre Geschichte ausprobieren -alles für den Menschen, alles für die Kosmetik, alles für die Wis­senschaft - so probieren die Politiker die Geschichte an den Menschen aus. (Kabarettprogramm 21.8.1987)

Alle, die nicht für die Solidarität der Kreaturen sind, gehören in die Steinzeit. Und in die Jetztzeit, heute und morgen, gehören alle die, die mit Zärtlichkeit und Sanftmut ausgezeichnet sind. (KI 62/1)

 

 

Alberto Iniesta (1923-2016) Kardinalerzbischof von Madrid

Der Stierkampf ist nicht christlich. Gott hat die Tiere nicht geschaffen, damit wir uns vergnügen, indem wir sie grausam leiden lassen. Sie martern die armen Stiere zu Tode, und sie zwingen die Pferde, sich dem Stier zu nähern, obwohl dieser, wenn er sie auf die Hörner nimmt, ihnen die Eingeweide aus dem Bauch reißen kann.

 

 

 

Hans Henny Jahnn (1894-1959) Schriftsteller

Niemals ist die Tierheit als Ganzes rechtloser gewesen als in unserer Zeit. Sie steht in Wahrheit vor der völligen Vernichtung, der Ausrot­tung. Und unsere Religion, die Christliche, hat fast nichts getan, um das Tier als Geschöpf zu achten ... Eine Wissenschaft, die es sich gestat­tet, dass zur Feststellung längst bekannter oder nicht verwertbarer Tat­sachen, immer wieder, täglich, jahrein, jahraus, Tiere zu Tausenden, zu Millionen lebend seziert werden, ungeachtet der Qualen solcher Opfer, eine Wissenschaft, die vor keinem Experiment am Lebendigen zurück­schreckt, hat als Ganzes den Anspruch verwirkt, als rein, als schuldfrei zu gelten ... Sollte die Evolution alles verwerfen und den Menschen nicht? - Das glaube ein anderer. Mit der Vernichtung der Tierheit fällt das Urteil über den Menschen - unwiderruflich. (Das Recht der Tiere. Frankfurter Rundschau 21.12.1991)

Es soll Studenten und Wissenschaftler geben, die, jeder für sich, viele Tausend Tiere lebend seziert haben, ohne sie zu betäuben, einzig, dass sie sie lahmten. Ein Gott hat nicht eingegriffen. Gesetze sind gegen die Frevler nicht gemacht worden. Priester haben von Kanzeln herab nicht dagegen geredet (sie reden immer nur von den unwichtigen Sünden). In den angeblich inspirierten kanonischen Büchern steht kein Verbot von Tierquälerei. (19)

 

 

Francis Jammes (1868-1938) französischer Dichter

Tief im Blicke der Tiere leuchtet ein Licht sanfter Traurigkeit, das mich mit solcher Liebe erfüllt, dass mein Herz sich als ein Hospiz auftut, allem Leiden der Kreatur. (6/12)

 

 

 

Karl Jaspers (1883-1969) Philosoph, Friedenspreis des dt. Buchhan­dels 1959

Die Ohnmächtigen haben die Lust an der Gewalt im Treten anderer, die noch ohnmächtiger sind als sie selbst. Und wenn sie keinen Men­schen quälen oder nach ihrer Willkür behandeln dürfen, so wenigstens einen Hund. (KI 63/6)

 

 

 

Johannes Paul II. (1920-2005) Papst (1978-2005)

Wir müssen uns Gedanken darüber machen, dass wir nicht ungestraft nach Willkür und rein egoistischen wirtschaftlichen Bedürfnissen die Tiere gebrauchen. (KI 13/4)

Auch die Tiere sind vom lebendigen Odem des Heiligen Geistes be­seelt, (im Januar 1990 bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom; KI 41/4)

Wie sollte man in diesem Beispiel nicht eine Lehre erkennen, die un­sere heutige Zeit besonders dringend nötig hat, eine Zeit, in der der Mensch mit besorgniserregender Leichtfertigkeit langsam den Lebens­raum zerstört, den die Weisheit des Schöpfers für ihn erschaffen hat? Das Zeugnis des hl. Franziskus veranlasst die heutigen Menschen, sich nicht wie rücksichtslose Räuber gegenüber der Natur zu verhalten, sondern die Verantwortung für sie zu übernehmen und dafür Sorge zu tragen, dass alles heil und unversehrt bleibt, um auch den Menschen, die nach uns kommen, einen freundlichen und wohnlichen Lebens­raum zu bieten. (28.3.82)

Andere Texte geben zu, dass auch die Tiere einen Lebensatem oder -hauch besitzen und ihn von Gott empfangen haben. Unter diesem As­pekt erscheint der aus den Händen Gottes hervorgegangene Mensch solidarisch mit allen Lebewesen. So macht Psalm 104 keinen Unter­schied zwischen den Menschen und den Tieren, wenn er sich an Gott, den Schöpfer, wendet und sagt: „Sie alle warten auf dich, dass du ih­nen Speise gibst zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein." (V. 27-28)

Der Psalmist fügt hinzu: „Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde. Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde." (V. 29-30) Das Leben der Geschöpfe hängt des­halb vom Wirken des Wehens des Geistes Gottes ab, der nicht nur erschafft, sondern auch ununterbrochen das Antlitz der Erde erhält und erneuert. (10.1.90)

 

 

Hans Jonas (1903-93) Philosoph, Friedenspreis des dt. Buchhandels 1987

Humanisierung der Natur? Im Gegenteil, Entfremdung nicht nur von sich selbst, sondern auch vom Menschen. Und wie erst, um vom pflanzlichen zum tierischen Beispiel überzugehen, bei den Brut- und Eierfabriken, die heute die Großmärkte versorgen und wogegen der bäuerliche Hühnerhof mit seinem Gockel fast wie ein Tierschutzpark anmutet! Die letzte Erniedrigung sinnen- und bewegungsbegabter, fühlender und lebenseifriger Organismen zu umweltberaubten, lebens­lang eingesperrten, künstlich beleuchteten, automatisch gefütterten Lege- und Fleischmaschinen hat mit Natur kaum noch etwas gemein, und von „Aufgeschlossenheit" und „Nähe" vis ä vis dem Menschen kann gar keine Rede sein. Ähnlich die Mastgefängnisse für Rind­fleischerzeugung und so weiter ... (42/372)

Der neue sittliche Imperativ: Prüfe jede Handlung, ob sie mit der Dau­erhaftigkeit irdischen Lebens vereinbar ist. (ZEIT-Magazin 10.6.1994)

Einst war es die Religion, die uns mit dem Richterspruch am Ende der Tage drohte. Heute ist es unser gequälter Planet selbst, der die Ankunft dieses Tages voraussagt. Diese letzte Offenbarung kommt nicht vom Berg Sinai, nicht von jenem Berg der Predigt, auch nicht vom Bo-Baum Buddhas - es ist die Anklage der stummen Kreatur, die uns mahnt, unsere ehrgeizige Allmacht zu zähmen, damit wir nicht alle­samt zugrunde gehen in einer Wüste, die sich einst als Schöpfung prä­sentierte. (30.1.1993, zwei Wochen vor seinem Tode; KI 53/1)

 

 

Carl Gustav Jung (1875-1961) Schweizer Psychologe

Man muss in erster Linie als Revolution von oben herab der Wissen­schaft und ihren Vertretern Moral aufnötigen durch gewisse transzen­dente Wahrheiten, man muss in physiologischen Instituten, wo man absichtlich die moralische Urteilskraft der Studenten schwächt durch schändliche, barbarische Experimente, durch grausame, jeder Mensch­lichkeit hohnsprechende Tierquälereien, in solchen Instituten, sage ich, muss man lehren, dass keiner Wahrheit, die auf unsittlichem Wege er­forscht wurde, eine moralische Existenzberechtigung zukommt.

 

 

Robert Jungk (1913-94) Schriftsteller, Zukunftsforscher

Ethik gegenüber dem Menschen und Rohheit gegenüber den Tieren sind zwei Verhaltensweisen, die sich nicht vereinbaren lassen, denn Grausamkeit gegen Tiere geht nahtlos in Grausamkeit gegen Men­schen über. (1/85)

 

 

 

Franz Kafka (1883-1924) Schriftsteller

(Beim Betrachten von Fischen in einem Aquarium)

Nun kann ich euch in Frieden betrachten; ich esse euch nicht mehr.

 

 

 

Immanuel Kant (1724-1804) Philosoph

Unter allen Lebensweisen ist das Jagdleben ohne Zweifel der gesitte­ten Verfassung am meisten zuwider; das Noachische Blutverbot scheint uranfänglich nichts anderes als das Verbot des Jägerlebens ge­wesen zu sein.

Der Mensch sollte den Tieren gegenüber Güte zeigen, denn wer grau­sam zu ihnen ist, wird den Menschen gegenüber ebenso unempfindlich sein.

Die martervollen physischen Versuche zum bloßen Behuf der Speku­lation, wenn auch ohne sie der Zweck erreicht werden könnte, [sind] zu verabscheuen. (7/210)

Die gewaltsame und zugleich grausame Behandlung der Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich selbst entgegengesetzt, weil dadurch das Mitleid am Menschen abgestumpft und eine der Moralität sehr dienliche Anlage geschwächt und nach und nach ausgetilgt wird. (Metaphysik der Sitten, 2. Teil, § 17)

 

 

Helmut F. Kaplan (1952-) österreichischer Autor, Philosoph

Wenn wir also die Tiere befreien bzw. dafür kämpfen, so tun wir dies ohne Not, ohne Druck, ohne Angst, ansonsten eines Tages von den Tie­ren «angeklagt» oder «bestraft» zu werden. Wir handeln aus «reinen», selbstlosen, moralischen Motiven. (17/181)

Wir brauchen für Tiere keine neue Moral. Wir müssen lediglich aufhö­ren, Tiere willkürlich aus der vorhandenen Moral auszuschließen.

Ich bin seit 1963 Vegetarier. Und dem endgültigen Entschluss, kein Fleisch mehr zu essen, ging natürlich eine Entwicklung voraus: das Wissen um das unendliche Leiden der Tiere, die Erkenntnis, dass die­ses Leiden ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen ist, und vor allem Trauer und Zorn über die eigene Ohnmacht - kurz: alles, was der Tier­rechtsbewegung ihre gegenwärtige und historische Kraft verleiht. (17)

 

 

Manfred Karremann (1961-) Fernsehjournalist, Dokumentarfilmer

Die Transporte dürfen nicht Alltag werden, wie etwa die Legebatte­rien. Die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer, als ich sie in den Filmen zeige. (Nov. 1994 in einer Diskussion zu Tiertransporten; KI 61/3

 

 

Yaak Karsunke (1934-) Schriftsteller

Nänie auf ein paar nager

selbst meine freunde

verwenden ihren namen als Schimpfwort

:diese lausigen ratten:

die unterwühler

die fundemente-zerfresser

die sich durchbeißen müssen

das subversive gesindel

das vernünftig von bord geht

bevor der kahn absäuft

ach ihr lausigen ratten

von der pest auf die Straße geschickt

auf zierlichen pfoten

um da als erste zu sterben

mit blut aus der schnauze

& todesschweiß-nassem feil

ich wünschte ich könnte euch retten

vor krankheit vor köder

& vor dem falschen vergleich. (1)

Nastassja Kinski (1961-) Schauspielerin

Ich schäme mich für meinen Wolfsmantel. Ich war sehr jung, sehr unbewusst. Wenn ich heute daran denke, zwölf Wölfe für meinen Mantel - das ist einfach Mord! Wenn wir Menschen so etwas zulassen, sind wir kriminell. Ich will nie wieder einen Pelz tragen. (KI 40/23)

 

 

Klabund (Alfred Henschke) (1890-1928) Dichter

Hinter dem Wagen stand ein kleiner Käfig mit zwei halb verhungerten Wölfen. Sie kamen, als sie Franziskus sahen, an das Gitter und be­trachteten ihn mit großen grünen Augen. Franziskus traten Tränen in die Augen: Meine Brüder, meine wilden Brüder, und gefangen hinter Stäben! Und der eine Wolf erhob seine Stimme: Bruder, der du wider Willen oder Wissen freundlich uns besuchst, denke oft an uns Ge­fangene! Auch wir wandelten durch Wald und Weite, Feld und Frei­heit, einst wie du! Hatten Liebe, hatten Leben. Unsere stählern festen Sehnen trugen flink uns über Moos und Stein. Keinem Feind gelang mit uns der Kampf. Unsere Kinder jubelten, wenn wir das Futter brachten. Sonne war in unseren Augen. Unsere Augen waren Sonnen in der Nacht. Aber uns bezwang das Schicksal, mächtig aus des Men­schen Hand gemacht. Viel Erbärmliches ist, doch nichts Erbärm­licheres als der Mensch. Unser Hunger ist ihre Sättigung. Unsere Qual ihre Lust. Unser Tod ist ihr Leben. Unsere Liebe ihr Hohn.

 

 

Adolf Freiherr von Knigge (1751-96) Schriftsteller

Wenn sie doch nur bedenken wollten, ... dass Grausamkeit gegen un­vernünftige Wesen unmerklich zur Härte und Grausamkeit gegen un­sere vernünftigen Nebengeschöpfe führt. (7/212)

 

 

 

Gertrud Kolmar (1894-1943) Dichterin

Das Tier

Komm her. Und siehe meinen Tod und siehe dieses ewige Ach,

Die letzte Welle, die verläuft, durchzitternd meinen Flaus,

Und wisse, dass mein Fuß bekrallt, und dass er flüchtig war und schwach,

Und frag nicht, ob ich Hase sei, das Eichhorn, eine Maus.

Denn dies ist gleich. Wohl bin ich dir nur immer böse oder gut; Der Willkürherrscher heißest du, der das Gesetz erdenkt, Der das nach seinen Gliedern misst wie seinen Mantel, seinen Hut Und in den Mauern seiner Stadt den Fremdling drückt und kränkt.

Die Menschen, die du einst zerfetzt: An ihren Gräbern liegst du stumm; Sie wurden leidend Heilige, die goldnes Mal verschloss. Du trägst der toten Mutter Haut und hängst sie deinem Kinde um, schenkst Spielzeug, das der Blutgen Stirn Gemarterter entspross.

Denn lebend sind wir Vieh und Wild; wir fallen: Beute, Fleisch und

Fraß- kein Meerestau, kein Erdenkorn, das rückhaltlos ihr gönnt.

Mit Höll und Himmel schlaft ihr ein; wenn wir verrecken, sind wir

Aas, Ihr aber klagt den Gram, dass ihr uns nicht mehr morden könnt.

Einst gab ich meine Bilder her, zu denen du gebetet hast, bis du den Menschengott erkannt, der nicht mehr Tiergott blieb, Und meinen Nachwuchs ausgemerzt und meinen Quell in Stein gefasst Und eines Höchsten Satz genannt, was deine Gierde schrieb.

Du hast die Hoffnung und den Stolz, das Jenseits, hast noch Lohn zum Leid,

Der, unantastbar da zu sein, in deine Seele flieht;

Ich aber dulde tausendfach, im Federhemd, im Schuppenkleid,

Und bin der Teppich, wenn du weinst, darauf dein Jammer kniet.

(6; Gertrud Kolmar. Das lyrische Werk. Kösel Verlag, München 1960)

Flehn

0 Gott. Mein Gott. Warum hast du mich hingelegt.

In dieses Netz mit Tausend, Abertausend Leibern,

Mit Silberkindern, -männern, -weibern,

Hast unsichtbar die Schnüre unter uns bewegt?

Warum, ach, zogst du uns empor in Qual, in Luft? Ist sie dir näher, dass wir sie nicht tragen, dass wir aufrührerisch mit Schwänzen schlagen die mitleidlosen hänfnen Wände unsrer Gruft?

Und knüpftest du die Maschen also eng,

Dass nur der Ärmste, Kleinste sie durchschlüpfen möge,

Und gießt uns aus in würgend schwarze Tröge,

In grauenvollem atemschnappenden Gemeng?

So haben alle, alle wir geirrt, dass wir in unserm drunten dir zu dienen meinten und dich zu sehn in Tropfen, die uns Klippen weinten, Aus Algennest, aus grünen Fäden dich entwirrt?

Ach, wäre ich dein Mensch! Ich bin dein Tier.

Du gabst mir keine Hände, sie zu falten.

Ich muss dich mit den Kiemendeckeln halten.

Lass nicht dies Messer - Weh! Es reißt dich los von mir! (6)

 

Maria Körber (1930-) Schauspielerin

Ich habe auch schon bei mehreren Aktionen, die auf das Thema „Tier­versuche" aufmerksam machen sollten, kräftig mitgeholfen. Wann im­mer ich es einrichten kann, werde ich Ihnen und unserer Sache helfend zur Seite stehen. Angefangen haben wir 1952 - da waren wir nur weni­ge, heute sind wir ja Gott sei Dank schon viele, die versuchen, den Tie­ren zu helfen - aber immer noch nicht genug. (KI 54/6)

 

 

 

Cleo Maria Kretschmer (1951-) Schauspielerin

Das dringendste Tierschutzproblem ist der Mensch. Denn nur weil er die Tiere benutzt, wie es ihm gefällt und nicht als Mitgeschöpfe be­handelt, leiden und sterben diese Wesen in Labors, auf Schlachthöfen, bei Tiertransporten oder auch in den Privathaushalten. Tiere gehören in ihre natürliche Umgebung. ... Ich habe eine Katze namens Knutschi. Zudem „habe" ich zwei Wildkatzen, viele Vögel, Igel und andere Tiere. Sie holen sich bei mir Futter, bleiben aber frei. Sie entscheiden sich für mich, nicht umgekehrt. Jeder Mensch hat einen Schutzengel. Daher sollten wir alle Schutz­engel für Tiere werden, (du und das Tier 4/2003, S. 37)

 

 

 

Olivia-Eva Kroth (1949-) Schriftstellerin

Ich bitte alle Tiere tausendfach um Verzeihung und hoffe, dass einige Wesen mich hören können. Es gibt Menschen, die versuchen, den Tieren zu helfen. Ich hoffe, die Seelen der gequälten Tiere können fühlen, dass sie nicht ganz verloren sind auf dieser Erde. (43/259)

 

 

 

Christiane Krüger (1945-) Schauspielerin

Ich bin auch gegen jegliche Tierversuche! (KI 54/12)

 

 

 

Martin Kruse (1929-) ist ein evangelischer Theologe und ehemaliger Bischof (1976-94)

Von keinem anderen Geschöpf Gottes, von keinem Tier kann man sagen, es verhalte sich untierisch. Aber von uns kann es heißen, wir sind nicht menschlich, wir sind unmenschliche Menschen.

 

 

 

Ruth-Maria Kubitschek (1931-) Schauspielerin

Fleischlos hält mich fit - ich fühle mich seither viel wohler. Ich bin überzeugte Tierschützerin. (Bild am Sonntag 16.8.92)

Ich bin froh, dass man endlich auch über das Problem Pelze nachdenkt. (KI 40/23)

 

 

 

Milan Kundera (1929-) tschechischer Schriftsteller

Am Anfang der Genesis steht geschrieben, dass Gott den Menschen geschaffen hat, damit er über Gefieder, Fische und Getier herrsche. Die Genesis ist allerdings von einem Menschen geschrieben und nicht von einem Pferd oder Schwein. Es gibt keine Gewissheit, dass Gott dem Menschen die Herrschaft über die anderen Lebewesen tatsächlich an­vertraut hat. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Mensch sich Gott aus­gedacht hat, um die Herrschaft, die er an sich gerissen hat über Kuh und Schwein und Pferd, heiligzusprechen. Jawohl, das Recht, einen Hirsch oder eine Kuh zu töten, ist das Einzige, worin die ganze Menschheit einhellig übereinstimmt, sogar während der blutigsten Kriege. (38)

Die wahre moralische Prüfung der Menschheit (die so tief in unserem Innern verankert ist, dass sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zu einem so grundlegenden Ver­sagen gekommen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen. (38)

 

 

Günter Kunert (1929-) Schriftsteller

Das Meer ohne Wasser

Das Meer ohne Wasser verwandelt

Robben in Kadaver. Im Meer

ohne Wasser verbergen sich

die zarten Skelette

in des Schlammes Finsternis

wo allmächtiger Müll schläft und träumt

wie bunt und lustig

es einst war. In einem Meer

aus dem Sekret der Zivilisation

in der Brühe

aus dem Kondensat unserer Kultur

in jener Flüssigkeit

für die kein Name

schlecht genug ist

erfahren die Robben

das Schicksal von Menschen

denen das Schicksal

von Robben bevorsteht.

(Jahrbuch Ökologie 1992. Hg. von G. Altner, Beck'sche Reihe 458)

 

Heinz Rudolf Kunze (1956-) Liedermacher

Für euch bin ich gestorben und muss in jedem Käfig wieder auferstehn, mein Auge hat geleuchtet und keiner hat in dem Moment hineingesehn.

Für mich ist täglich Treblinka, Soweto und My Lai

für mich ist täglich Golgatha und nie der Krieg vorbei.

Für euch bin ich gestorben und über euch hängt immer dieser Brandgeruch.

Ihr nennt es Weltgeschichte, ihr seid bis heute selber nur ein Tierversuch.

Jetzt schnapp ich nach dem Abfall vom reichen Tisch des Herrn da irgendwo weit oben auf dem Kadaverstern.

(Kadaverstern, von der Platte WUNDERKINDER)

 

 

Manfred Kyber (1880-1933) Schriftsteller

Die Tierversuche sind die größte und gemeinste Kulturschande der Ge­genwart, sie sind moralisch und intellektuell dem Irrwahn der Hexen­prozesse völlig gleichzustellen. Kein Volk, das sie duldet, hat ein Recht darauf, sich ein Kulturvolk zu nennen. (19)

Das Töten an sich verroht, ebenso die Gleichgültigkeit den Qualen der Tiere gegenüber, und der Fleischgenuss selbst macht plumper und ro­her, ganz abgesehen davon, dass Fleischgenuss meist mit Alkoholver­brauch verbunden zu sein pflegt. Alkohol und Fleischgenuss ziehen den Menschen herab und machen ihn unempfänglich für die feineren Daseinsschwingungen im Kosmischen und in sich selbst. (44/42)

Die Menschen glauben meist, zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund. Es ist nur eine Stufe im Rade des Lebens. Denn alle sind wir Kinder einer Einheit. (19)

Der Massenmord der Tiere zum Fleischgenuss ist heute nichts als ein um einen Grad geänderter Kannibalismus. Die ganze Welt stöhnt unter Wirren, Krankheiten und Misswirtschaft, - aber kann der Mensch ver­langen, dass es ihm gut geht, wenn er selbst die Natur entheiligt und tagtäglich die scheußlichsten Grausamkeiten an Millionen von wehr­losen Geschöpfen ausübt? (30/102)

Tierschutz ist keine Liebhaberei, sondern eine ernste sittliche Pflicht im Interesse des Volkes, des Staates und der Menschlichkeit. Um die Natur zu erkennen, muss man ihre Geschöpfe verstehen. Um ein Geschöpf zu verstehen, muss man in ihm den Bruder sehen. Die furchtbaren Barbareien, die überall und tagtäglich an den Tieren begangen werden, sind nicht nur ein schweres Unrecht an diesen Ge­schöpfen selbst, sie bedeuten auch einen Niedergang unseres Men­schentums, den in letzter Stunde aufzuhalten eine der wichtigsten For­derungen des Tages ist.

Ist es nicht eine Schande, dass es in manchen sogenannten Kulturstaa­ten, und leider auch bei uns, noch immer geduldet wird, dass alle mög­lichen Tiere, die Freiheit und ein anderes Leben und Klima gewöhnt sind, wie Bären und Affen oder Löwen und Tiger in Zirkussen und Wandermenagerien herumgeschleppt werden, um unter Misshandlun­gen Kunststücke für einen Pöbel zu lernen, der so natur fern ist, sich darüber zu amüsieren? Man denke ferner an die Gräuel der Vivisek­tion, die in ihren grotesk-grauenhaften Tierversuchen wohl das Scheußlichste darstellt, was ein menschliches Hirn ersonnen hat. Aber hier wie überall macht sich eine wahre Herde kleiner und kleinster Intelligenzen wichtig, die uns weismachen will, dass der Zweck die Mittel heilige. Man überlegt nicht, dass sich damit jede Interessen­gruppe dieses vermeintliche Recht anmaßen könnte und dass wir damit in ein Chaos des Verbrechens hineintreiben werden, aus dem eine Ret­tung nicht mehr möglich ist.

Es ist mir eine Genugtuung festzustellen, dass sich immer mehr Men­schen finden, die den Mut zur Wahrheit aufbringen, und die, neben der

Bekämpfung der Tiermisshandlungen, es sich zur Aufgabe stellen, jene Gesinnung von Naturnähe und Geschwisterschaft dem Tier gegenüber zu verbreiten, die uns allein zu einem neuen vergeistigten Menschen­tum führen wird. Wir haben Männer genug in unserem Lager, die so deutlich die Wahrheit zu sagen, und zu vertreten verstehen, dass selbst dem Blöden und Anmaßenden das Lachen vergeht. Der Stand der Na­turferne, der geistigen Verödung und der Tiermisshandlungen bei uns ist fraglos entsetzlich. Das ist leider nur zu wahr.

Der Kampf gegen die Vivisektion, das schwärzeste Verbrechen der Menschheit, wie es Mahatma Gandhi nennt, nimmt einen Umfang an, der hoffentlich bald diesen, dem Hexenwahn intellektuell und mora­lisch ebenbürtigen Verbrechen am Tier und an der Menschenwürde ein Ende bereiten wird. Bekannte geistige Namen sind unter den er­bittertsten Gegnern dieses scheinwissenschaftlichen Unfugs zu finden und auch unter den Fachgelehrten regt sich ein Widerstand, der Tier­experimente nicht nur für unmoralisch, sondern auch für eine ver­hängnisvolle Quelle des Irrtums zur Erkenntnis des Lebens und der Heilkunde bezeichnet. Nicht nur die kulturwilligen Menschen aller Stände haben genug an diesem Grauen und an diesen Trugschlüssen, auch unter der Ärzteschaft selbst hat sich eine Vereinigung vivisektionsgegnerischer Ärzte gebildet, die das Tierexperiment als unmora­lisch und als wissenschaftsfeindlich ablehnt und bekämpft. Der Tierschutz als Kulturforderung ist heute keine zaghafte Bitte um Mitleid mehr für gepeinigte Geschöpfe, er ist ein offener Kampf gegen das geistesöde und seelisch verarmte Maschinentum unserer Zeit und damit ein Kampf nicht nur für die Tiere und für ihr Recht auf ein erträgliches, lebenswertes Dasein, sondern auch für ein neues vergot­tetes Menschentum, dass in Mensch und Tier nicht mehr Maschinen sieht, sondern lebendige, geschwisterliche Glieder einer großen Le­benseinheit, einer Entwicklungsgemeinschaft im Rade des Daseins. (Mensch und Tier - Tierschutz als Kulturforderung. Süddeutsche Mo­natshefte, Heft 12, Sept. 1928)

Die Welt ist voll von stummen Bitten, die nicht gehört werden. Es sind Menschen, die sie nicht hören. Es scheint unmöglich, diese stummen Bitten zu zählen. So viele sind es. Aber sie werden alle gezählt. Sie werden gebucht im Buche des Lebens. Groß und fragend sehen die Augen des Gautama Buddha auf die europäische Kultur. (45)

 

Selma Lagerlöf (1858-1940) schwedische Dichterin, Nobelpreis für Lite­ratur 1909

Ein wahres Gefühl für die Leiden der Tiere ist immer ein Zeichen ho­her Zivilisation.

 

 

 

Alphonse de Lamartine (1790-1869) französischer Dichter

Zwischen der Grausamkeit gegen Tiere und der gegen Menschen liegt der Unterschied nur in der Verschiedenheit des Opfers. Schließt man das Tier in den Kreis der Pflichten und des Mitleids ein, wie sie uns geboten sind, so arbeitet man an der Verbesserung des Menschen­geschlechts selbst. (9)

 

 

Lao-Tse (3. Jh. v. Chr.) chinesischer Begründer des Taoismus

Seid gut zu den Menschen, zu den Pflanzen und zu den Tieren! Hetzt weder Menschen noch Tiere, noch fügt ihnen ein Leid zu.

 

 

 

Else Lasker-Schüler (1869-1945) Dichterin

Die Gaststätten alle sind lieblich bekränzt. Aber, dass man den Mut besitzt, vor der Unschuld der anmutigen Blume das Tier zu verspeisen! Ach, dass man sich an den Mord der Tiere so gewöhnt hat! Und viele Menschen, die vor uns im Testamente lebten, noch dazu glaubten, der liebe Gott erfreue sich an den Tieropfern! Abraham ließ ab vom Tier und speiste keines mehr, nachdem er den Schmerz des Tötens gefühlt, an Isaak, seinem eigenen Fleische, das ihm in letzter Minute erlassen zu schlachten. Denn Gott sandte seinen Engel dem gehorsamen Knecht und schenkte seinem jungen Kalbe das Leben. (Das Hebräerland)

 

 

Johann Kaspar Lavater (1741-1801) Schweizer Schriftsteller

Wer gibt uns das Recht, zu entbehrlicher Befriedigung einer gelehrten Neugier auch nur eine einzige Mücke zu martern?

 

 

 

 

Paul Léautaud (1872-1956) französischer Schriftsteller

Heute in Paris-Midi die Geschichte des Professors Brumpt von der medizinischen Fakultät, der sich beim Sezieren eines Meerschwein­chens das «Purpurfieber aus den Rocky Mountains» geholt haben soll. Großes Trara. Das Institut Pasteur zu seiner Behandlung aufgeboten. Noch weiß man nicht, ob er durchkommen wird. Möglicherweise kommt er nicht durch. Ich habe mich bereits zwischen ihm und dem Meerschweinchen entschieden: Ich bin für das Meerschweinchen. (Literarisches Tagebuch. Rowohlt, Reinbek 1966, S. 132)

 

 

 

Siegfried Lenz (1926-2014) Schriftsteller, Friedenspreis des dt. Buch­handels 1988

Verantwortung, sagt Hans Jonas, heißt, dass uns etwas anvertraut ist. Natur gehört dazu. Was wir ihr antun, tun wir uns selbst an. In Tierver­suchen liegt eine Verachtung der Schöpfung; hört auf damit.

Wir leben im Frieden und sind dennoch der Gewalt ausgeliefert, einer privilegierten, von den Ämtern gesegneten Gewalt, die unsere Welt immer unbewohnbarer macht. Gegen unseren Willen nimmt man uns Seen und Meere, lässt unsere Flüsse sterben, skelettiert die Wälder. Wer sich dagegen auflehnt, sagt ein Gericht, handelt moralisch glaub­würdig, ist jedoch juristisch im Unrecht. So weit haben wir es gebracht. Wer sich noch eine gewisse Loyalität zur Schöpfung bewahrt hat, kann juristisch im Unrecht sein. Da muss man sich doch nach der Beschaffenheit der Gesetze fragen, die es der Gewalt erlauben, gegen alle die zu handeln, die an der Zerstörung der Umwelt nicht verdienen. (KI 37/12, 32)

 

 

Claude Lévi-Strauss (1908-2009) frz. Philosoph, Ethnologe

Ich hätte mich gern einmal richtig mit einem Tier verständigt. Das ist ein unerreichtes Ziel. Es ist schmerzhaft für mich zu wissen, dass ich nie wirklich herausfinden kann, wie die Materie beschaffen ist oder die Struktur des Universums. Das hätte es für mich bedeutet, mit einem Vogel sprechen zu können. Aber da ist die Grenze, die nicht über­schritten werden kann.

Man hat mir oft vorgeworfen, ich sei Anti-Humanist. Ich bin es nicht. Aber ich rebelliere gegen jenen schamlosen Humanismus, einerseits jüdisch-christlicher Herkunft, andrerseits Produkt der Renaissance und des Cartesianismus: der Mensch als absoluter Herr der ganzen Schöp­fung. Das ist ein unmenschlicher Humanismus.

Alle Tragödien unserer Geschichte - Kolonialismus, Faschismus, Vernichtungslager - sind kein Widerspruch zu jenem Humanismus, den wir da seit Jahrhunderten praktizieren, sondern eine logische Ver­längerung. Das ist doch ein und dasselbe: Der Mensch markiert eine unmenschliche Grenze zwischen sich und den übrigen Lebewesen -und landet bei unmenschlichen Grenzen innerhalb des Menschengeschlechts. Er separiert bestimmte, allein menschliche Menschenarten von anderen, untermenschlichen Menschenarten. Diese unterwirft er dann derselben Herabwürdigung, die er längst zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Lebensformen praktiziert. Das ist die wirkliche Erbsünde. Sie treibt die Menschheit in die Selbstzerstörung. (1)

 

 

Georg Christoph Lichtenberg (1742-99) Schriftsteller

Dass der Mensch das edelste aller Geschöpfe sei, lässt sich schon da­raus ersehen, dass ihm noch kein anderes Geschöpf widersprochen hat. d/10)

 

 

 

 

Abraham Lincoln (1809-65) US-Präsident

Ich bin für Tierrechte ebenso wie für Menschenrechte. Das ist es, was einen vollkommenen Menschen ausmacht. (60)

 

 

 

 

Udo Lindenberg (1946-) Rockmusiker

Ich mag seit einem Jahr oder so keine Ledersachen mehr. Aus Tier­schutzgründen mag ich einfach nichts mehr tragen, wofür Tiere abge­schlachtet werden. Na ja, außerdem habe ich ja nie echte Lederhosen getragen, meine waren alle aus Gummi. (KI 40/23)

 

 

 

Astrid Lindgren (1907-2002) schwedische Schriftstellerin

Jedes Schwein hat das Recht auf ein glückliches Schweineleben.

(KI 35/27)

 

 

Charlotte Link (1975-) Schriftstellerin

Wenn ein Zauberer Sie für einen Tag in ein Tier verwandeln könnte, welches Tier wollten Sie dann sein? - Gar keines. Ich würde ja entwe­der aufgegessen oder im Tierversuch verbraucht! (Für Sie 22/87. S. 123)

 

 

 

Andrew Linzey (1952-) anglikanischer Theologe, erhielt 1996 den ersten Lehrstuhl der Welt für Ethik, Theologie und Tiere.

Selbst wenn der Mensch die Krone der Schöpfung ist, bedeutet das nicht, dass alles um seinetwillen geschaffen wurde. Gott ist der Herr aller Geschöpfe, denen in gleicher Weise seine Liebe und Fürsorge gilt. (24/193)

Tiere sind eine Gabe Gottes. Daraus folgt, dass wir uns an Gott verge­hen, wenn wir ihr Dasein missachten. Tiere haben ein Recht auf ihr natürliches Leben und es ist ein Verbrechen, sie zu versklaven und zu unserem Nutzen zu missbrauchen. Es ist ein deutliches Zeichen unse­rer Sündhaftigkeit, wenn wir nicht erkennen, welcher Segen in der Schöpfung Gottes liegt. (24/197)

Hinsichtlich der Sache der Tierrechte geht es einzig um die Frage, ob ein Empfindungsvermögen vorliegt. (60)

 

 

Franz Liszt (1811-86) Komponist

Die sittliche Überzeugung unserer Zeit verabscheut die Vivisektion als eine Praxis, die mit dem öffentlichen Moralgefühl einer zivilisierten Nation in schreiendstem Widerspruche steht. Sie sieht in jenen raffi­niert grausamen Experimenten an zahllosen, mit einem Seelen­vermögen, Bewusstsein und Schmerzempfindung begabten Wesen ein offenbares Verbrechen gegen die über allem Nutzen stehenden Gebote christlicher und menschlicher Barmherzigkeit und einen Schimpf für die Wissenschaft selbst. (KI 32/7; 28/19)

 

 

Eisenhart von Loeper (1941-) Rechtsanwalt, Vorsitzender der Men­schen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V. (seit 1987), Sprecher der Juristen für Tierrechte

Die These von „Tierrechten" mag ungewohnt, für manche revolutionär klingen, sie ist aber eine unverzichtbare Folge der Rechtspflichten des Menschen, dem Leben in seiner Entwicklung, Vielfalt und Schönheit und im Besonderen den fühlenden Tieren gerecht zu werden. Erinnert sei nur an folgende Stationen menschlicher Bewusstwerdung: Das älteste uns bekannte Gesetzeswerk, der Codex Hammurabi des gleichnamigen Königs von Babylonien (1728-1686 v. Chr.) unter­schied bereits „Tiere, Personen und Sachen" und verbot den Tierhal­tern, ihre Tiere übermäßig arbeiten zu lassen. Vor etwa 2000 Jahren wurde im Corpus Juris Civile des oströmischen Kaisers Justinian aus­drücklich erklärt, dass „das Naturrecht jenes Recht ist, welches die Na­tur allen Lebewesen gegeben hat und welches nicht nur dem Menschen eigen ist." Die Tatsache, dass Tiere den Menschen als Anwalt und Treuhänder ihrer Interessen benötigen, ist nicht neu. So wurde bereits 1674 das offizielle Amt eines „Schwanenwarts" in Hamburg einge führt, das bis heute existiert.

Wie sehr die Wurzeln der Tierrechte in der umfassenden Leitidee de; Rechts liegen, wird an Folgendem erkennbar: Vor über 200 Jahren for derten die Vordenker der Menschenrechte, der französische Philosoph Jean Jacques Rousseau und der englische Utilitarist Jeremy Benthan ein Recht der Tiere, vor Schmerzen und Leiden bewahrt zu werden Die einzige unüberschreitbare Linie, hilflose Wesen vor der Laune de; Peinigers zu schützen, so Bentham, sei nicht die Frage, ob die Lebe­wesen verständig denken und sprechen, sondern ob sie leiden können Er sah „den Tag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyranne vorenthalten werden konnten" (Bentham in seinem Werk The Prin ciples of Marals and Legislations, Kap. 17, Abs. 1). Ähnlich verlang­te Rousseau im Jahre 1755, Tiere müssten am „natürlichen Gesetz' teilhaben: „Denn es ist klar, dass sie, die Einsicht und der Freiheit bar dieses Gesetz nicht erkennen können; da sie aber durch die Empfin­dungsfähigkeit, mit der sie begabt sind, etwas von unserer Natur besit­zen, wird man schließen, dass sie auch am Naturrecht teilhaben müs­sen und dass der Mensch ihnen gegenüber irgendeiner Art von Pflich­ten unterworfen ist ..." (Vorwort im „Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter der Menschen"). Greifen wir zurück auf die Freiheitsideen der Französischen Revolu­tion „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Erweitern wir die Menschenrechtsidee, ihrem naturrechtlichen Ursprung und den Vordenker der Menschenrechte folgend, auf die fühlende außermenschliche Krea­tur. Dieser Gedanke war ein vorwärtstreibender Motor dafür, dass dei Tierrechts- und Tierschutzbewegung trotz heftiger politischer Wider­stände im Jahre 2002 die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundge­setz gelungen ist. Der damit errungene Bedeutungszuwachs muss al­lerdings noch in verschiedenen Bereichen mit Leben erfüllt und mi: Hilfe der Tierschutz-Verbandsklage gerichtlich einklagbar gemach werden.

Wesentlich ist die Orientierung am Gerechtigkeitsgedanken, über die menschliche Sphäre hinausgehend Gleiches gleich und Ungleiches sei­ner eignen Art entsprechend verschieden zu behandeln. Ein wirksamer Schutz der Tiere gebietet die Anerkennung ihrer Vitalen und sozialer Grundbedürfnisse, ihrer Rechte auf Wohlergehen und Würde, der Rechte auf Leben und Unversehrtheit. Das ist ebenso einfach wie im positiven Sinne radikal, bedarf aber deshalb eines Evolutionsprozesses des Menschen. Es geht nachdrücklich darum, dass wir den Tieren ge­recht werden müssen und sie daher nicht länger in herkömmlicher Weise genutzt, verbraucht und getötet werden dürfen. Das verlangt ei­ne vielschichtige Veränderung unseres „Verbraucher"-Verhaltens ge­genüber den Tieren, eine Anerkennung und Beachtung ihrer (älteren) Lebensrechte auf diesem Planeten. (KI 52/22; 62)

 

 

Konrad Lorenz (1903-89) Verhaltensforscher, Nobelpreis für Medi­zin 1973

Wir wissen nicht im Detail, was in einem Tier, selbst in einem wohl­bekannten Tier wie dem Hund, vorgeht; aber wer je einen Hund gehabt hat und daran zweifelt, dass Freud und Leid in seinem Leben eine ähn­liche Rolle spielen wie bei uns, den möchte ich schlechterdings nicht als normal bezeichnen.

Wer einen Hund oder Affen, ja jedes höhere Säugetier wirklich genau kennt und trotzdem nicht davon überzeugt wird, dass dieses Wesen Ähnliches erlebt wie er selbst, ist, seelisch abnorm. Er gehört meines Erachtens in eine geschlossene psychiatrische Klinik, da seine Schwä­che ihn zu einem gemeingefährlichen Wesen macht. (1/73; KI 32/11)

Die schlichte Tatsache, dass mein Hund mich mehr liebt als ich ihn, ist einfach nicht weg zuleugnen und erfüllt mich immer mit einer gewis­sen Beschämung. Der Hund ist jederzeit bereit, für mich sein Leben zu lassen. Hätte mich ein Löwe oder ein Tiger bedroht - Ali, Bulli, Tito, Stasi, und wie sie alle heißen, sie alle hätten ohne einen Augenblick zu zögern den aussichtslosen Kampf aufgenommen, um mein Leben auch nur für einige Sekunden zu schützen. Und ich? (1)

Zum Zweck des finanziellen Gewinns ist sie (die Massentierhaltung) zweifelsohne eines der dunkelsten, schandhaftesten Kapitel der menschlichen Kultur. Wenn Sie jemals vor einer Tiermastanstalt ge­standen und gehört haben, wie Hunderte von Kälbern schreien, wenn Sie den Notruf des Kalbes verstehen, dann haben Sie genug von dem Menschen, der daraus Gewinn zieht.

 

 

Loriot (Victor von Bülow) (1923-2011) Autor, Karikaturist, Regisseur

Ich glaube, dass wir unwiderruflich verloren sind. Möglicherweise ist es ja so gewollt. Der Mensch hat seine Schuldigkeit getan, der geht jetzt unter. Danach kommen andere Dinge. Ich bewundere unter den Tieren den Esel. Ein Esel kämpft so lange um sein Wohlergehen, bis er erkennt, dass er chancenlos ist. Dann wird er vollkommen ruhig, bleibt stehen und tut nichts mehr. (DIE ZEIT 7.2.92)

 

 

 

Martin Luther (1483-1546) Reformator

Gott ist in der kleinsten Kreatur, als in einem Blättlein oder Gräschen.

Jede Kreatur ist ein Wort Gottes - Gott spricht zu uns durch alle Krea­turen.

Ich glaube, dass ... jede Kreatur eine unsterbliche Seele hat.

Unser Herrgott hat des Öfteren seine schönsten und größten Gaben dem gemeinsten Tier gegeben. Nur die Menschen suchen sie dort nicht.

Wenn ein Mensch sich bekehrt, merken es sogar die Tiere!

 

 

Jose Lutzenberger (1926-2002) brasilischer Umweltminister, alternativer Nobelpreis 1988

Ihr Europäer trägt mit euren Steuergeldern dazu bei, dass die Welt ver­wüstet wird und es zu den unvermeidlichen Klimaverschiebungen kommt. Bald werdet Ihr noch einmal bezahlen - diesmal mit eurer Haut. (Chancen 12/88, S. 71)

 

 

 

Rosa Luxemburg (1871-1919) Politikerin

Meine Mutter, die nebst Schiller die Bibel für der höchsten Weisheit Quell hielt, glaubte steif und fest, dass König Salomo die Sprache der Vögel verstand. Ich lächelte damals mit meiner ganzen Überlegenheit meiner 14 Jahre und einer modernen naturwissenschaftlichen Bildung über diese mütterliche Naivität. Jetzt bin ich selbst wie König Salomo: Ich verstehe auch die Sprache der Vögel und der Tiere. Natürlich nicht, als ob sie menschliche Worte gebrauchten, sondern ich verstehe die verschiedenen Nuancen und Empfindungen, die sie in ihre Laute le­gen. Nur dem rohen Ohr eines gleichgültigen Menschen ist ein Vogel­sang immer ein und dasselbe. Wenn man die Tiere liebt und für sie Ver­ständnis hat, findet man große Mannigfaltigkeit, eine ganze Sprache ...

Was ich lese? Hauptsächlich Naturwissenschaftliches: Pflanzengeografie und Tiergeografie. Gestern las ich gerade über die Ursache des Verschwindens der Singvögel in Deutschland ... Mir war es so sehr weh, als ich das las. Nicht um den Gesang für die Menschen ist es mir, sondern das Bild des stillen unaufhaltsamen Untergangs dieser wehrlo­sen kleinen Geschöpfe schmerzt mich so, dass ich weinen musste. Es erinnerte mich an ein russisches Buch von Prof. Sieber über den Unter­gang der Rothäute in Nordamerika, das ich noch in Zürich gelesen ha­be: Sie werden genau so Schritt für Schritt durch die Kulturmenschen von ihrem Boden verdrängt und einem stillen grausamen Untergang preisgegeben. ...

Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel, oder ein anderes Tier in Menschengestalt; inner­lich fühle ich mich in so einem Stückchen Garten wie hier oder im Feld unter Hummeln und Gras viel mehr in meiner Heimat - als auf einem Parteitag. Ihnen kann ich wohl das alles sagen: Sie werden nicht gleich Verrat am Sozialismus wittern. Sie wissen, ich werde trotzdem hof­fentlich auf dem Posten sterben: in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus. Aber mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den „Genossen". Und nicht etwa, weil ich in der Natur, wie so viele innerlich bankerotte Politiker, ein Refugium, ein Ausruhen finde. (25)

(Nachdem R. L. im Gefängnishof die Misshandlung von Zugbüffeln und die Bemühungen eines Lerchenpaares um ein zu früh aus dem Nest geflogenes Junges beobachtet hat:) Wenn dies schrille klagende Piepen unter meinem Fenster beginnt und ich die Unruhe und Sorge der beiden kleinen Eltern sehe, bekomme ich buchstäblich einen Herzkrampf. Dabei kann ich nichts helfen, denn die Haubenlerchen sind sehr scheu, und wenn man ihnen Brot hinwirft, fliegen sie weg, nicht so wie die Tauben und Spatzen, die mir schon wie Hunde nachlaufen. Ich sage es mir vergeblich, dass es lächerlich ist, dass ich ja nicht für alle hungrigen Haubenlerchen der Welt verantwortlich bin und nicht um alle geschlagenen Büffel weinen, kann. Das hilft mir nichts, und ich bin förmlich krank, wenn ich solches höre und sehe. (25)

 

 

Maurice Maeterlinck (1862-1949) französischer-belgischer Dichter, Nobel­preis 1911

Wenn die Gewissheit, dass der Mensch auch ohne Tierfleisch leben kann, eines Tages allgemein würde, so würde das nicht nur eine große wirtschaftliche Umwälzung zur Folge haben, denn ein Rind braucht 100 Pfund Futter, um 1 Pfund Fleisch zu liefern, sondern auch eine große moralische Verbesserung, die wahrscheinlich ebenso von Be­lang und wahrscheinlich aufrichtiger und dauernder sein wird, als wenn der Erlöser noch einmal auf Erden erschiene, um die Irrtümer und Vergesslichkeiten seines ersten Erdenwallens abzustellen. (30/97)

 

 

Gustav Mahler (1860-1911) österreichischer Komponist und Dirigent

Ich bin seit einem Monat vollkommener Vegetarianer. Die moralische Wirkung dieser Lebensweise ist ... eine Immense. Du kannst dir den­ken, wie ich davon durchdrungen bin, wenn ich eine Regeneration des Menschengeschlechts davon erwarte. Bekehre dich zur naturgemäßen Lebensweise, ... und du wirst die Früchte gar bald selbst erkennen. (M. mit zwanzig Jahren an seinen Freund; KI 32/7)

 

 

Elisabeth Mann-Borgese (1918-2002) Tochter von Thomas Mann, Ozeanologin, Mitglied des Club of Rome

Ich denke, alles, was wir in uns haben - nicht nur das Physische, was Darwin entdeckt hat -, sondern die Intelligenz und sogar ethische Ver­antwortung und Kunst, ist irgendwie in den Tieren schon vorgezeich­net, (in „B. trifft ...", WDR 29.10.99)

 

 

Henry Edward Manning (1808-92) engl. Kardinal

Ich benutze diese Gelegenheit, um meinen Entschluss zu erneuern, so­lange ich lebe an der Beendigung dieses abscheulichen Tuns mitzuhel­fen, das ich für unmoralisch an sich halte. Ich glaube, dass die Zeit ge­kommen ist, und ich wünschte nur, wir hätten auch die Macht dazu, die Vivisektion insgesamt gesetzlich zu verbieten.

 

 

 

Sir James Paul McCartney (1942-) britischer Popmusiker, ehem. Beatles Sänger und Gitarrist

Ich glaube an den friedlichen Protest, und keine Tiere zu essen ist ein gewaltfreier Protest. Wir sind Fast-Vegetarier geworden, als wir ein­mal auf einem schottischen Bauernhof unseren Sonntagsbraten aßen und dabei fröhlich spielenden Lämmern zusahen. Auf einmal wurde uns bewusst, dass wir gerade eines dieser Lämmer verspeisten. Danach aßen wir nur noch ab und zu Wurst. Später, in einem Urlaub auf Bar­bados, fuhren wir einem Laster mit prächtigen Hühnern hinterher. Plötzlich verschwand er in einer Hühnerverarbeitungsfabrik. Seitdem essen wir nichts mehr, was man vorher töten muss. (Soya Zitig Nr. 18 Okt.-Dez. 1991)

Man darf nicht essen, was ein Gesicht hat. (Schutz für Mensch, Tier und Umwelt. Feb./März 1994, S. 15)

 

 

Marlies Menge (1934-2009 ?) Journalistin

Aus meinem Notizbuch: Auf meinem Schreibtisch liegt das Statut des neuen Berliner Tierschutzvereins. Bisher gab es ihn nicht. Im real exis­tierenden Sozialismus werden keine Tiere gequält, hieß es. Margarete Laske, die Vorsitzende des neuen Vereins, weiß es besser. Sie erzählt von einem jungen Mann, der einen Hund angezündet, ihn in die Waschmaschine gesteckt und schließlich aus dem Fenster geworfen hat; von ausgesetzten Katzen, von in drangvoller Enge gehaltenem Schlachtvieh. (DIE ZEIT 25.5.90)

 

 

Yehudi Menuhin (1916-99) US-Geiger, Dirigent, Friedenspreis des dt. Buchhandels

Die Zukunft wird einen Holocaust bringen, früher oder später wird er notwendig, weil die Menschheit sich so ungeheuer vermehrt. Ich hof­fe nur, der letzte Seehund und der letzte Wal werden bis dahin noch nicht ausgerottet sein.

 

 

Reinhard Mey (1942-) Liedermacher

Die Würde des Schweins ist unantastbar (Liedtitel)

 

 

 

Ulrich Meyer (1955-) Produzent, TV-Moderator

Eigentlich wollten Sie Neurochirurg werden. Warum haben Sie nach drei Jahren das Medizinstudium abgebrochen? - Lebendige Frösche, die auf Eis lagen, sollten im Physiologieseminar zerschnitten werden. Da bin ich raus- und nie mehr reingegangen. Außer mir gingen noch vier andere Männer - nicht eine Frau. (Interview mit der SZ 3.1.95)

 

 

 

John Stuart Mill (1806-73) engl. Philosoph

Die Gründe für eine gesetzliche Einmischung zugunsten der Kinder lassen sich mit gleicher Kraft auf die Tiere, die unglücklichen Sklaven und Opfer des rohesten Teiles der Menschen, anwenden. Es ist die irr­tümlichste Auffassung freiheitlicher Grundsätze, wenn die Regierung von einer exemplarischen Bestrafung der Grausamkeit gegen diese verteidigungslosen Wesen zurückschreckt, bloß weil sie das als eine Einschränkung der Freiheit betrachtet. (9)

 

 

Michel de Montaigne (1533-92) französischer Philosoph

Ich finde, dass unsere größten Laster ihren Ursprung aus der zartesten Kindheit ableiten. Es ist ein Zeitvertreib für die Mütter zu sehen, wie ein Kind einen Hund oder eine Katze misshandelt. Das aber sind die wahren Wurzeln der Grausamkeit und Tyrannei. Wir stehen weder über noch unter den übrigen Geschöpfen ... Mit gleichen Banden sind wir an die Natur geknüpft wie die übrigen Geschöpfe, in sehr mittel­mäßigem Range, ohne wahre und wesentliche Auszeichnung. Wir geben nur aus wahnwitzigem Stolz und aus Halsstarrigkeit uns selbst den Vorrang vor den anderen Lebewesen. (KI 38/20)

Ich kann nicht ein unschuldiges Tier, das sich nicht wehren kann und von mir kein Leid befürchtet, verfolgen und töten sehen, ohne dass ich mein Herz beklommen fühle. Und wie es gemeiniglich geschieht, dass der Hirsch, wenn er atemlos erschöpft ist und sich nicht mehr zu ret­ten weiß, sich den Verfolgern entgegenwirft und sie durch seine Tränen gleichsam um Erbarmen anfleht, so ist mir die Jagd stets als ein trau­riges Vergnügen erschienen. (30/92)

 

 

Christian Morgenstern (1871-1914) Dichter

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.

Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns Menschen zu vergelten. (1/204)

Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen fühlen, wenn jemand die Wahrheit sagt. Wenn der moderne Mensch die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflan­zenesser ins Ungemessene steigen. (14/137; 30/83)

 

 

Fritz Muliar (1919-2009) österreichischer Schauspieler

Wer Mensch sein will, muss sich seiner Verantwortung für die Tiere bewusst sein. Wir haben die Pflicht, unsere Stimme für die Sprachlo­sen zu erheben. (KI 61/1)

 

 

 

 

Axel Munthe (1857-1949) Schriftsteller

In einer Hinsicht wenigstens kann ich mit reinem Gewissen sagen, dass ich meine Leser nicht getäuscht habe - in meiner Liebe zu den Tieren. Ich habe sie geliebt und mit ihnen gelitten mein Leben lang. Ich habe sie weit mehr geliebt, als ich je meine Mitmenschen geliebt habe. Alles das, was das Beste in mir ist, habe ich ihnen gegeben, und ich gedenke, ihnen bis zuletzt beizustehen und ihr Los zu teilen, was es auch sein mag. Wenn es wahr ist, dass es für sie keinen Friedens­hafen geben wird, wenn ihre Leiden hier zu Ende sind, will ich für meinen Teil um einen Himmel für mich nicht markten. Ohne Furcht werde ich ihnen folgen, wohin sie gehen, und Seite an Seite mit mei­nen Brüdern und Schwestern aus Wald und Feld, aus Luft und Meer mich niederlegen zu barmherzigem Verlöschen in ihrer geheimnisvol­len Unterwelt, gefeit gegen alle Qualen, die Gott oder Menschen ver­hängen mögen, gefeit gegen alle schweren Träume der Ewigkeit. Es wird dunkle Nacht sein ohne Sterne und ohne Hoffnung auf ein Mor­genrot, aber ich bin schon im Dunkel gewesen. Es wird einsam sein, aber es kann nicht viel einsamer sein als im Leben. (46/6)

 

 

Robert Musil (1880-1942) österreichischer Schriftsteller

Zur Geschichte der Schafe: Der Mensch findet heute das Schaf dumm. Aber Gott hat es geliebt. Er hat die Menschen wiederholt mit Schafen verglichen. Sollte Gott ganz Unrecht haben? (6/118)

Wenn Gott Mensch werden konnte, kann er auch Katze werden.

 

 

Ornella Muti (1955-) italienische Schauspielerin

Einen Pelzmantel kann ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinba­ren. Dieser Luxus ist für mich tabu. (KI 40/23)

 

 

Harald Naegeli (1939-) Schweizer Künstler

Als ob es nicht auch eine Forschung und Wissenschaft auf der Basis der Achtung und Liebe gibt oder mindestens geben könnte! Oder bil­det sie sich ein, man könnte nur von der Natur leben und lernen, indem man sie ausbeutet? Das ist ganz simpel eine widerwärtige Herrenmenschen-Ideologie. Aber den Preis bezahlen wir mittlerweile ALLE. (KI 48/29)

 

 

 

Leonard Nelson (1882-1927) Philosoph, Jurist

Ein Arbeiter, der nicht nur ein »verhinderter Kapitalist« sein will, und dem es also ernst ist mit dem Kampf gegen jede Ausbeutung, der beugt sich nicht der verächtlichen Gewohnheit, harmlose Tiere auszubeuten der beteiligt sich nicht an dem täglichen millionenfachen Mord, der an Grausamkeit, Rohheit und Feigheit alle Schrecknisse des Weltkrieges in den Schatten stellt. Das sind Angelegenheiten, Genossen, die entzie­hen sich der Abstimmung ... Entweder man will gegen die Ausbeutung kämpfen, oder man lässt es bleiben. Aber wer als Sozialist über diese Forderungen lacht, der weiß nicht, was er tut. Der beweist, dass er nie im Ernst bedacht hat, was das Wort Sozialismus bedeutet. Es ist der untrüglichste Maßstab für die Redlichkeit des Geistes eine Gesellschaft, wie weit sie die Rechte der Tiere anerkennt. Denn während die Menschen sich nötigenfalls, wo sie als Einzelne zu schwach sind, um ihre Rechte wahrzunehmen, durch Koalition, vermittelst de Sprache, zu allmählicher Erzwingung ihrer Rechte zusammenschließen können, ist die Möglichkeit solcher Selbsthilfe den Tieren versagt und es bleibt daher allein der Gerechtigkeit der Menschen überlassen wie weit diese von sich aus die Rechte der Tiere achten wollen.

 

Günther Nenning (1921-2006) österreichischer Autor, TV-Moderator

Tierquälen ist nicht Sadismus. Das ist eine primitive Vereinfachung der Emotionalen, Irrationalen, Romantischen, Mystischen, hysterischen Tierschützer. Tierquälen ist Sadomasochismus, doppelter Genuss der am Ende ihrer Genussmöglichkeiten gelandeten Menschheit. Als Sadisten grinsen wir über die Leiden der Tierheit. Als Masochisten verschlingen wir die auf diesem Lustweg produzierten krankmachenden Lebensmittel und gesundheitsbedrohlichen Heilmittel. Um unseren Genuss noch zu erhöhen, klebt man auf die unsittlich zu­stande gekommenen Lebensmittel bunte Etiketten, auf denen alles mit „Bio-" und „Natur-" und „Alp-" und „Sonne-" beginnt, und willig fal­len wir auf den Schwindel herein. Milch von Kühen, die nie in ihrem armen Leben eine Wiese gesehen haben, gehen auf der Verpackung über Blumen prangende Alpböden, beschienen von goldenen Sonnen und bejodelt von knackigen Sennerinnen. Hühner, die nie in ihrem ar­men Leben im Freien waren, legen auf der Verpackung ihre Eier in lau­schige Ecken eines gemütlichen Bauernhofes.

Im Zeitalter der Lüge wird die Lüge essbar und trinkbar. Lüge ist be­wusste Unwahrheit. Klar sind wir uns bewusst, dass wir biobeschwindelt werden. Wir sind ja nicht blöd. Wir pfeifen auf die Natur, und die Natur pfeift zurück, sie pfeift uns die Melodie des Todes, unseres To­des. Jeder Dummkopf kann erkennen: Wenn wir jetzt so weitertun wie bisher, sind wir bald hin. Der weise Mensch aber ist kein Dummkopf. Er fährt weiter Auto, häuft weiter Automüll, vergiftet weiter alle vier Elemente und holt sich das Gift zurück, indem er es frisst und trinkt, einatmet und seine Haut mit Krebs bedeckt. Dass die Natur stirbt, ist eine Übertreibung der «Grünen». Sie wird sich wieder erholen, sobald die weise Menschenkrätze, die den Globus überzieht, sich selber ver­tilgt haben wird. Die Natur hat Zeit, wir nicht. Wie finde ich von da zurück zu meinem gewerbsmäßigen Optimis­mus? Ganz einfach. In den Orkus mit dem weisen Menschen, dem Räuberischen, Mörderischen, Geldgierigen, Größenwahnsinnigen, Fleischfressenden! Hoch lebe der dumme Mensch, dessen Seele mitschwingt mit jedem Huhn, Kalb, Schwein und allen übrigen Kronen der Schöp­fung. Diesem dummen Menschen gehört die Zukunft. (DIE WELT­WOCHE Nr. 13,28.3.1991)

 

Isaac Newton (1642-1727) engl. Physiker, Präsident der Royal Society

Für einen guten und edlen Menschen ist nicht nur die Liebe zum Nächsten eine heilige Pflicht, sondern auch die Barmherzigkeit gegen die vernunftlosen Geschöpfe.

 

 

Elly Ney (1882-1968) Pianistin

Der Vegetarismus ist mir seit Jahrzehnten ein inneres Anliegen, und ich halte ihn für die naturgemäße Lebensweise des Menschen. Es ist mir unbegreiflich, dass nicht jeder Tierfreund zugleich Vegetarier ist. (Autobiographie. Aschaffenburg 1957)

 

 

 

Martin Niemöller (1892-1984) Theologe

Ich selber entsinne mich, dass ich während eines Urlaubsaufenthalt 1967 im russischen Wald bei Zavidovo zum ersten Mal eine solche »Hühnerfabrik« gesehen und besucht habe und dass mein erster Eindruck - und er hat sich später nie geändert - der war: Das muss für die armen Tiere ja schlimmer sein, als was wir im Konzentrationslager die Jahre hindurchhaben ausstehen müssen! (7/182-183)

 

 

Friedrich Nietzsche (1844-1900) Philosoph

Die Menschen behaupten immer, die Tiere hätten keine Vernunft und keine Moral. - Glauben Sie, dass unsere Verhaltensweise zum Mitgeschöpf für vernünftig und moralisch bezeichnet werden kann!? Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihre gleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat, - als das wahnwitzige Tier, als das lachende Tier, als das weinende Tier, als das unglückselige Tier.

Wir haben umgelernt. Wir leiten den Menschen nicht mehr vom Geis von der »Gottheit« ab, wir haben ihn unter die Tiere zurückgestellt. Er gilt uns als das stärkste Tier, weil er das Listigste ist: Eine Folge davon ist seine Geistigkeit. Wir wehren uns andererseits gegen eine Eitelkeit, die auch hier wieder laut werden möchte: wie, als ob der Mensch die große Hinterlassenschaft der tierischen Entwicklung gewesen sei. Es ist durchaus keine Krone der Schöpfung: Jedes Wesen ist neben ihm auf der gleichen Stufe der Vollkommenheit.

Alle antike Philosophie war auf Simplizität des Lebens gerichtet und lehrte eine gewisse Bedürfnislosigkeit. In diesem Betracht haben die wenigen philosophischen Vegetarier mehr für die Menschen geleistet als alle neuen Philosophen, und solange die Philosophen nicht den Mut gewinnen, eine ganz veränderte Lebensweise zu suchen und durch ihr Beispiel aufzuzeigen, ist es nichts mit ihnen.

Über Opfer und Aufopferung denken die Opfertiere anders als die Zuschauer.

 

 

Uwe Ochsenknecht (1956-) Schauspieler

Für ein bewegungsfreudiges, auf soziale Kontakte angewiesenes Tier ist es unerträglich, ein Leben lang angekettet und isoliert zusehen zu müssen, wie das Leben an ihm vorbeigeht, (aus einem Brief des Künst­lers und seiner Frau Natascha zum Thema Kettenhunde an die Minis­terpräsidenten der Bundesländer; PETA's Animal Times, Herbst 2003, S. 11)

 

 

Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) röm. Philosoph, Dichter

Das Zeitalter, welches wir das Goldene benannt haben, war gesegnet mit den Früchten der Bäume und mit den Krautern, welche die Erde hervorbringt, und der Mund der Menschen wurde nicht mit Blut be­fleckt. Damals bewegten die Vögel ihre Schwingen sicher in den Lüf­ten und der Hase durchstreifte das freie Feld ohne Furcht. Damals wurde der Fisch nicht das arglose Opfer des Menschen. Jeder Ort war ohne Verrat; keine Ungerechtigkeit herrschte - alles war von Friede er­füllt. In späteren Zeitaltern schmähte und verachtete ein Unheilstifter diese reine einfache Nahrung und versenkte in seinen gefräßigen Wanst Speisen, die von Leichnamen herrühren. Damit öffnete er zu­gleich der Schlechtigkeit den Weg. (47)

 

Hans Paasche (1881-1920) Kapitänleutnant, Pazifist

Das Leid der geschändeten Natur war niemals, seit die Erde besteht, so groß wie jetzt, unter der nichts schonenden Macht des Welthandels, des Verkehrs, der Industrie. Maßlos sind sie im Nehmen, im Verschlep­pen und im Füttern ihrer Maschinen. Was irgend die Erde an lebender Schönheit und Pracht hervorbrachte, muss ihnen dienen. Solange noch eine Gazelle lebt, deren Fell auf dem Weltmarkt Wert hat, ein Wal Eismeer, ein Paradiesvogel im Urbusch entlegener Inseln, solange ruht die geschäftige Betriebsamkeit nicht, gepaart mit menschenunwürdiger Gedankenlosigkeit und Kurzsicht.(58; geschrieben 1912)

 

 

Tatjana Patitz (1966-) Model, Schauspielerin

Meinen Vertrag für die Kosmetikmarke Monteuil habe ich nur unter­schrieben, weil dieser Konzern für seine Produkte keine Tierversuche macht. Und ich weigere mich, Pelze vorzuführen, obwohl man mir im­mer wieder astronomische Summen anbietet. (Spiegel 45/93, S. 119)

 

 

Paul VI. (1897-1978) Papst (1963-1978)

Die Misshandlung von Tieren ist nach christlichem Standpunkt ein verwerflicher Akt der Grausamkeit. Sowohl das Schießen auf lebende Tauben wie jede Sportart, die auf unnötiger Grausamkeit gegen Tiere beruht, müsste verboten werden. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Stierkampf. (7/222)

 

 

Jean (Johann) Paul (1763-1825) Dichter

Gerechter Himmel! Aus wie vielen Marterstunden der Tiere tötet der Mensch eine einzige Festminute der Zunge zusammen.

Bei den Tieren kann ich damit rechnen, dass sie umso besser gegen mich sind, je besser ich gegen sie bin; bei den Menschen nicht, ja oft umgekehrt.

Man darf Tiere, Vögel und Hunde nicht durch freundliches Zureden an sich locken und sie dann greifen; denn es ist den Menschen nicht er­laubt, tierisches Vertrauen zu täuschen.

 

 

Aurelio Peccei (1908-84) italienischer Industrieller, Gründer des Club of Rome

Der beschämendste Aspekt in dieser ganzen Geschichte sind unsere Beziehungen zu den anderen Arten, die uns bislang auf unserem Weg begleitet haben. Zu unserer biologischen Existenz brauchen wir eine ganze Reihe von ihnen. Alle Arten sind aber wichtig, selbst die, deren Nützlichkeit wir noch nicht entdeckt haben; und von Bedeutung ist auch das Ökosystem, das sie in ihrer Gesamtheit bilden, obwohl wir von der tiefen Verbundenheit und dem Charakter der Abhängigkeit noch kaum eine Ahnung haben. Wir sind rücksichtslos und verrückt, dass wir so große, nicht wieder gutzumachende Schäden bei den ande­ren Formen des Lebens anrichten, und einzig ein wahnsinniger, wilder Tyrann wäre in der Lage, Ähnliches zu leisten. (7/194)

 

 

Francesco Petrarca (1304-74) italienischer Dichter, Humanist

Die Menschheit lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen: in Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte. (Dichtungen)

 

 

 

Lislott Pfaff (1931-) schweizerische Schriftstellerin, Übersetzerin

Aus meinem Tagebuch: Sie tanzten auf der Berliner Mauer gestern Nacht, die Menschen aus dem Osten und aus dem Westen. Wann werden die Labortiere aus dem Osten und aus dem Westen auf ihren Käfigen tanzen können? Wann wird die Mauer von Fühllosigkeit zwischen Mensch und Tier endlich durchlässig? (10.11.1989; KI 42/4)

Ethik hinter Maschendraht

Trotz langer Diskussionen mit den Tierexperimentatoren - ihre missionarischen Absichten mir gegenüber waren offensichtlich - blieben alle Fragen offen, sowohl die Wissenschaftlichen als auch die Ethischen. Es gebe eine „adäquate Ethik" und eine „übertriebene Ethik", erklärte mir der für die Makropathologie (das Töten und Sezieren der Tiere nach dem Versuch) verantwortliche Veterinär. „Das Töten und Sezieren ist lediglich ein Ausschnitt aus dem Tierversuch, und ich fühle mich nur für diesen Ausschnitt verantwortlich. Beim Töten des Tieres versuch ich, das Bestmögliche zu tun." Er sei seit zehn Jahren in dieser Business. „Wie soll ich als Familienvater sonst überleben? Können Sie mir eine Alternative vorschlagen?"

Die „Tierfarm im Feld" ist von einem hohen Maschendrahtzaun umgeben. Man habe Bedenken, dass „irgendwelche komischen Leute" kommen und die Tiere herausholen würden, erklärte mir ein dort tätige Veterinär. Wie „ethisch" mag eine Tätigkeit sein, die mit haushohen Maschendraht und elektronischen Sicherheitsanlagen geschützt werden muss? (Horror als Alltag. Ein Bericht aus den Giftlabors der Ciba im Herbst 1992. KI 57/27)

Leber getrüffelt...

Wir waren die Gänse vom Kapitol,

gerühmt, geachtet, verehrt.

Heut' sind wir ein Delikatessensymbol

und nur von Schlemmern begehrt.

Mit Stolz und mit Freude hielten wir Wacht, gerühmt, geachtet, verehrt.

Jetzt schwillt unsre Leber, der Schmerz wird verlacht, der Magen beim Stopfen versehrt.

Einst trugen wir Federn in glänzender Pracht, wir wurden bewundert, verehrt. Wer gibt nun auf unser Schreien acht, wenn die Hand an den Daunen zerrt?

Man öffnet uns zwar brutal den Schnabel, doch im Hals bleibt das Klagen stecken. Was sind wir schließlich auf eurer Gabel? Leber getrüffelt, gestopft ums Verrecken. (KI 60/32)

 

Volker Elis Pilgrim (1942-) Schriftsteller

Wir bilden uns ein, was der Mensch dem Menschen antut, sei das Schlimmste. Nein, Tiertötung und Tierquälerei sind schlimmer als Menschentötung und Menschenquälerei. Was die Menschen einander antun, ist ihre Sache.

Wer Fleisch essen will, sollte ein halbes Jahr in einem Schlachthaus volontieren.

Das Fleisch, das wir essen, ist ein mindestens zwei bis fünf Tage alter Leichnam.

Es gibt am Ende des 20. Jahrhunderts 60.000 menschliche Krankhei­ten, für 8.000 konnten Medikamente entwickelt werden. 1.000 sind heilbar. Der Aufwand an Tierqual lohnt sich nicht. (27)

 

 

Pink (1979-) US-Pop-Sängerin

Ich hoffe, Pelzträger werden eines Tages genau von dem Tier in den Hintern gebissen, dessen Pelz sie tragen. (PETA's Animal Times, Win­ter 2002, S. 7)

 

 

 

Sir Isaac Pitman (1813-97) Erfinder der engl. Stenografie

Ein Grund für den Vegetarismus sollte mehr, als gewöhnlich geschieht, herangezogen werden. Ich meine den Appell an das sittliche Bewusst­sein, dass wir nicht durch Stellvertreter tun lassen dürfen, was wir nicht selbst tun würden. Ich habe kein sittliches Bedenken dagegen, meine Stiefel zu reinigen, meinen Tisch abzustauben oder auch mein Büro auszufegen. Mein Gefühl würde nicht verletzt werden durch Ver­richtung dieser und hundert anderer Handarbeiten. Aber ich könnte keinen Ochsen niederschlagen, kein Schaf, besonders kein Lamm schlachten, keinem Geflügel den Hals umdrehen. Wenn ich das nicht tun kann, ohne meine besten Gefühle zu verletzen, so lehne ich es ab, eine andere Person es für mich tun zu lassen mit Verletzung ihrer Ge­fühle. Wenn kein anderer Grund zugunsten unserer Vereinigung sprä­che, so würde dieser eine genügen, um mich zur Annahme der fleisch­losen Diät zu bestimmen. (1875 in einem Schreiben an die Vegetarian Society, Manchester; 28)

 

 

Pius XII. (1876-1958) Papst (1939-58)

Die ganze Tierwelt offenbart uns ebenso wie die ganze Schöpfung Gottes Macht, seine Weisheit und Güte. Sie verdient deshalb seitens des Menschen Ehrfurcht und Schutz. Jedes rücksichtslose Vorgehen mit Tötung der Tiere, jede Grausamkeit und unnötige Härte steht da­rum im Widerspruch zu einem gesunden menschlichen Empfinden. Die Rolle des Tierreiches im Schöpfungsplan besteht nicht darin, Ge­genstand einer Ausbeutung irgendwelcher Art zu sein!

 

 

Erika Pluhar (1939-) österreichische Schauspielerin, Sängerin, Autorin

Ich kriege eine Stinkwut, wenn ich heute noch Frauen mit einem Pelz herumlaufen sehe. (KI 40/23)

 

 

 

Plutarch (50-125) griechischer Philosoph und Schriftsteller

Du fragst mich, aus welchem Grunde wohl Pythagoras sich des Fleischessens enthalten habe: Ich dagegen möchte wohl wissen, wel­che Leidenschaft, welche Stimmung der Seele oder welcher Grund zu­erst den Menschen verleitet haben möge, Blut mit dem Munde zu be­rühren und das Fleisch eines toten Tieres an seine Lippen zu bringen. Wie er darauf verfiel, Leichname als Zukost oder Speise auf seine Ta­fel zu setzen und Glieder zu verzehren, welche kurz vorher noch brüll­ten, schrien, sich bewegten und sahen. Wie er den Anblick ertrug, das arme Tier schlachten, abhäuten und zerstückeln zu sehen. Wie die Nase den üblen Geruch davon ertragen konnte ... Allerdings lässt sich annehmen, dass die Menschen, welche zuerst Fleisch zu essen wagten durch Mangel und Not dazu bewogen wurden. ... Aber welche Wut treibt denn euch zur Mordlust an, bei dem jetzigen Überfluss an allen Bedürfnissen? Warum lügt ihr, die Erde sei nicht imstande, euch zu ernähren? ... Behauptest du dennoch, du seiest zu solchen Speisen geschaffen, so töte selber, aber eigenhändig, was du verzehren, willst aber ohne ein Schlachtmesser, eine Keule oder ein Beil zu gebrauchen so, wie Wölfe, Bären und Löwen die Tiere töten, die sie fressen. Erwürge einmal einen Stier durch einen Biss, oder zerreiße ein Schwein, ein Lamm, einen Hasen mit dem Rachen und verzehre, wie jene, deine Beute noch halb lebend! Wartest du aber, bis das Tier, das du essen willst, eine Leiche geworden ist, schreckt dich die noch im Fleisch wohnende Seele zurück, weshalb isst du dann, der Natur zuwider, was eine Seele hat? ... Aber auch das entseelte und tote Tier isst Niemand so, wie es ist, sondern muss erst gesotten, gebraten, durch Feuer und Gewürze verwandelt und der Mord durch tausenderlei Brühen versteckt und vermischt werden, damit der getäuschte Geschmack da Widernatürliche ohne Widerwillen annehme. (30/86-87)

Niemals sollen die Menschen so weit sich vergessen und die lebend Kreatur behandeln wie alte Schuhe und abgenützte tote Geräte, die si fortwerfen mögen, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Wir sollen es nicht tun, und uns niemals bei alten lebendigen Wesen nach den Nutzen fragen, den sie nur schwach oder gar nicht mehr haben. Wir sollen sie behalten, und sei es auch nur, um daraus Barmherzigkeit gegen Menschen zu lernen. Ich würde kein altes Pferd und keinen alte Ochsen, der sich einmal für mich geplagt hat, verkaufen können... (19)

Um eines kleinen Bissen Fleisches willen berauben wir eine Seele der Sonne und des Lichtes und jener Spanne an Leben und Zeit, für die sie in die Welt hineingeboren wurde, um sich an ihr zu erfreuen. (19)

 

Adolf Portmann (1897-1982) Schweizer Naturforscher

Früher hätte man gelächelt, wenn man von Stimmung eines Tieres ge­sprochen hätte, heute gehört dieser Ausdruck zu den Alltagsworten der Verhaltensforschung. Ob der Kontakt mit dem Tier gut ist, darüber ent­scheidet das Gemüt, und es ist eine der Grundfunktionen des Leben­digen für das Wirken der Sympathie. Darüber haben die Denker aller Zeiten gesonnen.

Darf man wirklich im Ernst fragen, ob Tiere eine Seele haben - ist die Antwort nicht selbstverständlich - ist es nicht für jeden, der mit Tieren vertraut ist, selbstverständlich, dass diese Wesen beseelt sind, dass sie empfinden, und erleben ähnlich wie wir, dass sie Stimmungen unter­worfen sind wie wir, dass sie Zuneigung und Ablehnung unter sich wie im Umgang mit uns Menschen zeigen? (7/10)

 

William Prescott (1796-1859) US-Historiker

Je würdiger ein Volk ist, umso edler verhält es sich gegen Schwäche­re, ritterlicher gegen Frauen, barmherziger gegen Tiere. (19)

 

 

 

Prinz Max von Sachsen (1870-1951) katholischer Theologieprofessor

Nicht eine milde Form der Schlachtung, sondern ihre Beseitigung soll man anstreben. Je mehr man das Schlachten „human" zu gestalten sucht, desto mehr stärkt man die Sache der Metzgerei selbst. Ein wirk­lich konsequenter Standpunkt des Tierschutzes wird erst dann gewon­nen sein, wenn die Menschheit sich entschlossen haben wird, das Tö­ten und Essen der Tiere aufzugeben. (14/137)

 

 

Pythagoras (570-496 v. Chr.) griechischer Philosoph

Solange der Mensch der rastlose Zerstörer allen Lebens bleibt, das er als niedrig ansieht, wird er nie wissen, was Gesundheit bedeutet, wird er nie wirklich Frieden finden.

Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.

 

Solange der Mensch Tiere schlachtet, werden die Menschen einander töten. Wer Mord und Schmerz sät, kann nicht erwarten, Liebe und Freude zu ernten.

Wer mit dem Messer des Rindes Gurgel trennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt und gefühllos, wer kaltblütig das ganz wie Kind schreiende Böcklein abzuschlachten vermag, und den Vogel verspeist, dem er selbst das Futter gereicht: Wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt? (KI 32/19)

 

Will Quadflieg (1914-2003) Schauspieler, großes Bundesverdienstkreuz (zurückgegeben)

Wenn alle jahrelangen Kämpfe der Tierschützer, die Stimmen von vielen Millionen Tierfreunden die Regierungsvertreter nicht zur Entwicklung eines differenzierten und unzweideutigen Schutzgesetzes für die stumme Kreatur veranlassen konnten, dann sehe ich meine Auszeichnung ihres Wertes beraubt - und muss sie zurückgeben. (Stern 15/86)

Wir müssen die Verantwortung übernehmen für alle Hilflosen, seien Tiere oder Kinder. (KI 51/1)

Tiere sind das letzte Stückchen Paradies in unseren Städten. Wenn der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung ist, hat er auch die Pflicht die Verantwortung für die übrigen Geschöpfe zu übernehmen. (KI 28/21)

Goethe hat im 2. Teil des Faust, am Ende des 2. Teils, geschrieben „wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." Und sei die Meinung erlaubt, dass es noch lange nicht sicher ist, ob Gott der Herr die Wette um die Seele des Menschen gewinnen wird. Nach alldem, was der Teufel, das Teuflische im Menschen, inzwischen de Menschen angetan hat, den Tieren angetan hat, der Natur angetan hat und antut. Ob das Prinzip der Gnade wirklich eintreten kann, denn es bedarf schon einer überdimensionalen göttlichen Gnade, wenn alle das, was der Mensch angestellt hat, erlöst, begnadigt werden darf und soll, (1988 im ORF)

 

Carl Raddatz (1912-2004) Schauspieler

Meine große Liebe gehört der Kreatur Tier. Es ist die nobelste Aufgabe des Menschen, die Tiere zu schützen, sie zu bewahren vor Ausnutzung und Qualen.

Schluss mit den bestialischen Tierversuchen! Ein Schrei geht durch die gemarterte Tierwelt und die mitempfindenden Menschen. (KI 55/7)

 

Dr. Bernhard Rambeck (1946-) Chemiker, Autor

Was hat es nun mit dem [...] Slogan „RRR" - „Reduce, Refine, Replace" auf sich, mit dem die Pharmaindustrie gemeinsam mit der Hochschulforschung ihr angeschlagenes Image aufzupolieren ver­sucht? Mit dem Begriff „RRR" = „vermindern, verfeinern, ersetzen" soll angedeutet werden, dass der Tierversuch prinzipiell eine sinnvolle Forschungsmethode darstellt, die aber aus Rücksicht auf das Tier nur in einem möglichst begrenzten Rahmen eingesetzt werden darf. Des­halb soll nach dieser Philosophie die Zahl der Tierversuche allmählich verringert werden, die Belastung für das einzelne Tier möglichst ge­ring gehalten und Tierexperimente zunehmend durch schmerzfreie Sy­steme ersetzt werden. Dem Laien, der sich noch wenig mit dem Pro­blem Vivisektion befasst hat, erscheint diese Lösung vielleicht ein­leuchtend, für den engagierten Tierversuchsgegner jedoch ist der RRR-Ansatz nicht nur unbefriedigend, sondern absolut nicht akzeptabel! Wer die „RRR"-Lösung empfiehlt, empfiehlt unterschwellig den Tier­versuch als eine nützliche, sinnvolle und wissenschaftliche Methode. Sonst würde er sie nicht zu vermindern, verfeinern und ersetzen su­chen, sondern sie, ohne zu zögern, bedingungslos abschaffen. ... Was bleibt also von der RRR-Philosophie? Obwohl ich vom guten Willen vieler Wissenschaftler überzeugt bin, die sich in der Industrie und an den Hochschulen für ein Abrücken von der traditionellen lebensver­achtenden Ideologie des tierexperimentellen Forschungs-Systems ein­setzen, fürchte ich, dass RRR nur ein neues Aushängeschild für den Laden ist, in dem letztlich alles beim Alten bleibt! (48/236, 240)

Tierversuche sind mit einer ganzheitlichen Sichtweise von Leben, Krankheit und Heilung absolut nicht vereinbar. Sie sind ein barbari­sches Produkt von primitiven Vorstellungen, welche vorgaukeln, der Mensch könne sich auf Kosten von anderen Lebewesen zum eigenen Vorteil immer mehr Wissen über sich und seine Krankheiten aneignen Sie sind ein archaisches Relikt aus Zeiten, in denen sich Herrscher mi Vorkostern vor Giftmördern zu schützen und mit Tieropfern die gölte zu versöhnen hofften. Tierversuche passen zur Heilkunst so wenig wie die Todesstrafe zur Pädagogik. ... ganzheitliche Medizin muss, wem sie die Therapieform der Zukunft werden will, eine menschenwürdig« Form finden. Ihre Entwicklung darf nicht von industrieabhängigen Biotechnikern bestimmt sein, sondern muss von Ärzten, Heilprakti­kern und Heilern, welche demütig mit Mensch und Natur umgehen getragen werden. Tierversuche werden in einer zukünftigen Medizin keinen Platz finden. Sie gehören zu den schauerlichsten Ideen des menschlichen Gehirns. (KI 49/21-22)

Weite Kreise unserer Gesellschaft gehen von der unabdingbaren Not­wendigkeit des Tierversuchs aus. Aber die Notwendigkeit des Tierver­suchs basiert auf Mythen, nicht auf Fakten. Die Mythen über den Tier­versuch werden verbreitet, müssen verbreitet werden, weil sonst ein pseudowissenschaftliches System in sich zusammenstürzen würde. Weil ohne diese Mythen rasch klar würde, dass der Tierversuch der Menschheit nicht nur nicht hilft, sondern im Gegenteil ungeheuren Schaden für Mensch und Tier anrichtet.

Ein Mythos hat keinen Urheber, es gibt niemanden, der diese Mythen erstmals erzählt hat. Ein Mythos bildet sich, verdichtet sich und wird von allen geglaubt und weitergetragen. Auch von uns, bewusst oder unbewusst. Natürlich gibt es Kreise, die von diesen Mythen profitie­ren, die diese Mythologie zu untermauern suchen, die uns am Durch­schauen dieser nebulösen Märchen hindern wollen. Aber niemand kann uns daran hindern, unseren Verstand zu gebrauchen und das tier­experimentelle System zu entlarven als das, was es ist: als brutalen Versuch, auf Kosten von empfindsamen Mit-Lebewesen Gesundheit zu produzieren und zu verkaufen - für gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftliche Vorteile.

Der Mythos von der Notwendigkeit des Tierversuchs hat uns infiltriert wie eine Gehirnwäsche, es bedarf erheblicher persönlicher und gesell­schaftlicher Anstrengungen, uns von diesem Mythos wieder freizuma­chen. Mythen lösen sich wieder auf, und zurück bleibt nur die Frage, wie es jemals möglich sein konnte, dass der Mythos geglaubt wurde.

Was hat die Medizin eigentlich vor der Tierversuchsära gemacht? Der Begründer der klassischen Medizin, Hippokrates, hat nie Tierversuche gemacht, und doch hob er die ärztliche Kunst auf eine auch für heuti­ge Verhältnisse revolutionäre Basis. Uns wird immer wieder vorge­gaukelt, die wahre medizinische Kunst hätte erst mit dem Beginn der Chemotherapie vor rund hundert Jahren begonnen, aber das ist falsch: Es gab zu allen Zeiten ausgezeichnete Ärzte, die wirklich heilen konn­ten, es gab zu allen Zeiten berühmte Akademien, auf denen die Heil­kunst wirklich erfahren werden konnte. Natürlich gab es zu allen Zei­ten auch unfähige Ärzte und Scharlatane, aber gibt es solche etwa heu­te nicht? Die Säulen des klassischen medizinischen Wissens waren nicht Tierversuche, obwohl es diese in geringem Umfang auch schon vor Jahrtausenden gab, sondern die Beobachtung von gesunden und kranken Menschen und Tieren. Auch die als sehr erfolgreich bekannte Erfahrungsheilkunde fremder Kulturen wie etwa der Chinesen oder der Indianer Nord- und Südamerikas kennt den Tierversuch nicht. Aber selbst unser neuzeitliches medizinisches Wissen beruht zu einem erheblichen Teil gar nicht auf Tierversuchen oder wurde erst nachträg­lich an Tieren bestätigt. Medikamente wie Acetylsalicylsäure gegen Fieber oder Phenobarbital als Schlafmittel bzw. Epilepsiemittel, die Entdeckung des Vitamin C gegen Scorbut wurden ohne Tierversuche entwickelt. Die meisten der heute üblichen Operationstechniken wur­den nicht im Tierversuch entwickelt. Der Mythos vom Tierversuch als Basis für medizinisches Wissen löst sich bei genauerer Betrachtung in Luft auf. ...

In diesem Zusammenhang ist es von höchster Bedeutung, dass sich die Motivation der Gegner des tierexperimentellen Systems zunehmend verändert. Während früher das Tier und seine entsetzliche Behandlung im Mittelpunkt standen, tritt heute zunehmend das Bewusstsein in den Vordergrund, dass der Mensch sich selbst am meisten mit der rück­sichtslosen Ausbeutung des Tieres schadet. Genauso wie die Bedin­gungen der Massentierhaltung primär eine entsetzliche Tortur für die Tiere darstellen, in zweiter Linie aber zu einer enormen Zunahme von ernährungsbedingten Erkrankungen führen, genauso wie die Möglich­keiten der Gentechnologie etwa in der Landwirtschaft primär von einer unglaublichen Kaltblütigkeit gegenüber den manipulierten Tieren zeigen, in zweiter Linie aber eine kaum mehr abschätzbare Bedrohung des ökologischen Gleichgewichts und damit der Existenz des Menschen bedeuten, genauso wie jedes Atomkraftwerk primär ein hohes Risiko für die Umwelt darstellt, in zweiter Linie aber vielleicht in Form eines Supergaus den Startschuss für den Weltuntergang abgibt wird heute zunehmend verstanden, das der Tierversuch zwar für die Opfer enormes Leiden bedeutet, aber auf einer anderen Ebene mit all seinen zwangsläufigen Folgen dazu beiträgt, dass sich der Mensch zu nehmend selbst zugrunde richtet.

Ist die Abschaffung der Tierversuche möglich? Ich glaube es nicht nur ich weiß es! Entweder es gelingt dem Menschen, sich ein neues Be­wusstsein für die vielfältigen Verflechtungen und Vernetzungen inner­halb der Natur anzueignen und wegen der enormen Schäden und Ge­fahren freiwillig auf Pandorabüchsen wie Vivisektion, Gentechnolo­gie, Nutzung der Kerntechnologie zu verzichten, oder die Natur schafft den Menschen samt seinen Tierversuchen definitiv und irreversibel ab! Noch hat der Mensch die Wahl! Noch hat er die Möglichkeit, der hem­mungslosen Ausbeutung unseres Planeten mit all seinen Lebewesen Einhalt zu gebieten und die Vivisektion in seinem eigensten Interesse abzuschaffen! (Referat vom 8.10.88, Tagung der internationalen Liga „Ärzte für die Abschaffung der Tierversuche" in Genf; KI 37/16-19)

 

Tom Regan (1938-) US-Philosoph, Autor

Viele Menschen sehen die Tierrechtsbefürworter als hochgradig Ver­rückte an, die dringend einer Einweisung in die geschlossene Anstalt bedürfen. Auf das Wesentliche reduziert, ist das, woran wir glauben, jedoch nichts anderes als das, was der gesunde Menschenverstand dik­tiert.

Man kann sagen, dass verhältnismäßig wenige Menschen Tierrechte befürworten. Warum ist das so? Ein Teil der Antwort findet sich in un­seren grundverschiedenen Ansichten darüber, wie häufig Tiere schlecht behandelt werden. Die Tierrechtsbefürworter glauben, dass es sich hierbei um eine Tragödie von unermesslichem Ausmaß handelt. Diejenigen, die die Tierrechte nicht befürworten, glauben, dass Miss­handlungen so gut wie nie stattfinden. Wenn der Tag kommt, an dem die Öffentlichkeit endlich wirklich -

tend wird, werden die Reihen der Tierrechtsbefürworter beginnen, zu nie da gewesener Größe anzuwachsen. Wenn dieser Tag kommt, wird unsere gemeinsame Hoffnung auf eine Welt, in der die Tiere wirklich human behandelt werden, endlich auf einem realistischen Fundament ruhen. (Info 3-2004, S. 7-9. Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg)

Die Theorie, die der Bewegung für Tierrechte zugrunde liegt, zeigt, dass diese Bewegung ein Teil der Menschenrechtsbewegung ist und dieser nicht feindlich gegenübersteht. Die Theorie, die die Rechte der Tiere rational begründet, liefert auch eine Grundlage für die Men­schenrechte. Demnach sind jene, die an der Bewegung für Tierrechte teilnehmen, Partner im Kampf für die Sicherung der Menschenrechte - die Rechte der Frauen, zum Beispiel, oder der Minderheiten, oder der Arbeiter. (26/44)

 

Wolfgang Reichmann (1932-91) Schauspieler

Die Katze ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Anarchistin. Sie ist gegen jede Herrschaft, außer der der Liebe, und deshalb mein Lieb­lingstier. (55/251)

 

 

Rainer Maria Rilke (1875-1926) Dichter

Der Panther (Im Jardin des Plantes, Paris) Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe So müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe, und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, Ist wie ein Tanz von Kraft um die Mitte, In der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang die Pupille sich lautlos auf. - Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannten Stille - Und hört im Herzen auf zu sein. (1)

Um eines kleinen Bissen Fleisches willen berauben wir eine Seele der Sonne und des Lichtes und jener Spanne an Leben und Zeit, für die sie in die Welt hineingeboren wurde, um sich an ihr zu erfreuen. (19)

 

Luise Rinser (1911-2002) Schriftstellerin

Wenn wir die Schreie der vom Menschen gequälten Tiere mit unseren Ohren hören müssten, wir ertrügen sie nicht. Wir verstopfen unsere Ohren. (12/7)

Der, den wir «Jesus Christus» nennen (er hieß mit richtigem, aramäi­schem Namen Jeschua), kam in den Tempel zu Jerusalem. Da erfasste ihn Zorn, oder vielmehr Entsetzen. Er sah die Opfertiere, zur rituellen Schächtung bestimmt: In den Hals gestochen langsam ausbluten las­sen. Jeschua rief: «Ihr macht das Haus des Gebets zu einer Mör­dergrube.» Er hätte sagen können: Ihr macht es zum Schlachthaus. Er sagte aber: Mördergrube. Ist das nicht deutlich genug? Er spricht von Mord. Vom Tier-Mord. Es graut ihn. Er verurteilt ihn. «Du sollst nicht töten.» Da ist kein Unterschied zwischen Mensch und Tier. Und keiner zwischen «reinen» und «unreinen Tieren». Das Verbot gilt für alle Gegenüber allem. (12/11)

Wir, uns auf die christliche Theologie berufend, behaupten, Tiere fal­len nicht unter das Tötungs-Verbot, denn sie haben keine Seele. Es gab einmal eine Zeit, in der diese Kirche auch von den Frauen glaubte, sie hätten keine Seele oder doch eine viel Niedrigere, als Männer sie haben. Es gab auch eine Zeit, in der man glaubte, «Neger» hätten keine Seele und dürften darum als «Sklaven» wie nicht-lebende Ware ver­kauft und straflos getötet werden. Den Frauen und den «Farbigen» wird heute eine Seele zugestanden. Den Tieren wird sie praktisch im­mer noch abgesprochen. (12/11)

Heute sehen wir nichts mehr vom qualvollen Leben und Sterben des Schlachtviehs. Das geht automatisch vor sich. Eben noch ein Tier, im nächsten Augenblick schon zerteiltes Fleisch: unsre Nahrung. Unsre Art von Kannibalismus. ...

Es ist die Anonymität unserer Tieropfer, die uns taub macht für ihre Schreie. (12/12-14)

Meinen Hund und alle Hunde meines Lebens werde ich wiedersehen, denn sie sind Teil meines Lebens, das heißt: Sie werden mit mir zusam­men erlöst werden, denn sie sind unsterblich. Unsterblich durch das, was uns eint: der Atman. Der göttliche Lebenshauch. (12/17)

Es wird lange dauern, bis die Menschheit begriffen hat, dass nicht nur die Völker der Erde ein Volk sind, sondern dass Menschen, Pflanzen und Tiere zusammen das «Reich Gottes» sind und dass das Schicksal des einen Bereichs auch das Schicksal der ändern ist. Wir nennen es heute: „ökologisches Gleichgewicht“ und denken dabei freilich an Nutzen und Schaden der Menschenwelt. Das ist eine materialistisch­anthropozentrische Einstellung. Sie genügt nicht. Sie führt uns nicht in den Kern des großen kosmologischen Problems: Wer sind Gottes Kin­der, und wer wird erlöst werden am «Ende der Tage»? (12/14)

 

Romain Rolland (1866-1944) französischer Schriftsteller, Nobelpreis für Lite­ratur 1915

Die Grausamkeit gegen Tiere und auch die Teilnahmslosigkeit gegen­über ihren Leiden ist nach meiner Ansicht eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechts. Sie ist die Grundlage der menschlichen Ver­derbtheit. Ich habe niemals an diese Millionen von still und geduldig ertragenen Leiden denken können, ohne von ihnen bedrückt zu wer­den. Wenn der Mensch so viel Leiden schafft, welches Recht hat er dann, sich zu beklagen, wenn er selbst leidet? (1/156; 9)

Künftige Generationen werden den Vandalismus verfluchen, mit dem wir ein kurzes Jahrhundert Raubbau an der Tierwelt getrieben haben, zu deren Vervollkommnung die Natur 50 Millionen Jahre brauchte.

 

Peter Rosegger (1843-1918) österreichischer Schriftsteller

Alles, was dieses Geschlecht den hilflosen Tieren angetan hat - aus Rohheit, aus Torheit, aus Übermut, aus Bosheit - es komme zurück. Aller Vorteil, den der Mensch grausam aus schwächeren Geschöpfen ziehen will, verwandle sich in Unheil, und die furchtbaren Sünden, die an Tieren begangen wurden, die unendlichen, schreienden und stum­men Klagen der gepeinigten Kreatur, sie haben sich verdichtet zu ei­nem Fluch, und das Verhängnis wird sich erfüllen. (KI 37/9; 7/162)

Wer Menschenliebe zu üben versteht, der muss auch Liebe und Mitleid zu den Tieren predigen.

Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du, das Tier hat Freude und Schmerz wie du, das Tier hat einen Hang zum Streben wie du, das Tier hat ein Recht zu leben wie du. (19)

 

Eugen Roth (1895-1976) Schriftsteller (Dichter)

Es denkt der Mensch, zufrieden froh: Ich bin kein Schlächter, blutig roh; doch da der Mensch kein Wurstverächter, so trägt die Mitschuld er am Schlächter. (13)

 

 

Anneliese Rothenberger (1926-2010) Kammersängerin

Ich bin ein strikter Gegner von diesen grausamen Tierversuchen. Wenn ich Bilder dieser bestialisch gequälten Kreaturen sehe, werde ich un­endlich traurig. So vieles ist heute machbar, Milliarden werden in die Forschung gesteckt, und so frage ich: Wie lange dauert es noch, bis ad­äquate Ersatzmethoden gefunden werden, die diese entsetzlichen Quä­lereien überflüssig machen!? (KI 37/12)

 

 

 

 

Denis de Rougemont (1906-85) Französischschweizer Schriftsteller

Tiere empfinden wie wir auch Freude, Liebe, Angst und Leiden, aber sie können das Wort nicht ergreifen. Es ist unsere Pflicht, als Stellver­treter zu wirken und denen, die sie ausnützen, niedermetzeln und fol­tern, zu widerstehen.

 

Jean-Jacques Rousseau (1712-78) Französischschweizer Philosoph, Schrift­steller

Ein Beweis, dass der Geschmack für Fleischkost dem Menschen nicht natürlich ist, liegt auch darin, dass die Kinder eine Abneigung gegen solche Speisen haben und den pflanzlichen Nahrungsmitteln den Vor­zug geben, wie Milchspeisen, Gebäck, Obst und dergleichen. Es ist höchst wichtig, diesen ursprünglichen und natürlichen Geschmack nicht zu verderben, und die Kinder nicht zu Fleischessern zu machen ... Denn wie man auch die Tatsachen erklären möge, so ist es doch gewiss, dass die starken Fleischesser im Allgemeinen grausamer und wil­der sind als andere Menschen. (Emile, 2. Buch)

Alle Tiere sind misstrauisch gegen den Menschen und haben nicht Un­recht. Aber sind sie einmal sicher, dass er ihnen nichts zuleide tun will, so werden sie zutraulich, dass man ein Barbar sein müsste, ihr Vertrau­en zu missbrauchen.

 

Dr. Brigitte Rusche Diplom-Biologin, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbunds, Leiterin der Akademie für Tierschutz

Schon allein die Frage: Alternativen kann ich erst dann verwenden, wenn ich hundertprozentig weiß, dass das Ergebnis richtig ist. Diese Bedingung hat noch nie im Leben jemand an den Tierversuch gestellt. Das ist ja gerade das Problem, das wir mit dem Tierversuch haben, (in der Talkshow Freitag Nacht vom 30.3.1990; KI 42/10)

 

 

Barbara Rütting (1927-) Schauspielerin, Autorin

Ich möchte nicht, dass mein Hund davon profitiert, dass ein anderes Tier gequält wird. (Talkshow Freitag Nacht vom 30.3.1990; KI 42/10)

 

 

Nelly Sachs (1891-1970) Dichterin

O ihr Tiere!

Euer Schicksal dreht sich wie der Sekundenzeiger

mit kleinen Schritten

in der Menschen unerlösten Stunde.

Und nur der Hahnenschrei,

mondaufgezogen,

weiß vielleicht

eure uralte Zeit!

Wie mit Steinen zugedeckt ist uns

eure reißende Sehnsucht

und wissen nicht, was brüllt

im abschied rauchenden Stall,

wenn das Kalb von der Mutter

gerissen wird.

Was schweigt im Element des Leidens

der Fisch zappelnd zwischen Wasser und Land?

Wie viel kriechender und geflügelter Staub

an unseren Schuhsohlen,

die stehn wie offene Gräber am Abend?

0 der kriegszerrissene Leib des Pferdes,

an dem fraglos die Fliegen stechen

und die Ackerblume durch die leere Augenhöhle wächst!

Nicht der sterndeutende Bileam

wusste von eurem Geheimnis,

als seine Eselin

den Engel im Auge behielt! (KI 60/32)

 

Henry Stephens Salt (1851-1939) engl. Schriftsteller

Menschenwürdiges Leben verlangt auch Rücksicht auf die Tiere, verlangt, sie um ihrer selbst willen zu respektieren, sie möglichst ihr eigenes Leben, leben und ihr wahres Selbst verwirklichen zu lassen. (49)

Es macht nicht im Geringsten etwas aus, soweit die Rechte der Tiere in Frage kommen, ob man sein Opfer mit einer Meute kläffender Hunde zu Tode jagt oder es aus seinen heimischen Gewässern mit einem Haken zieht. Die zu entscheidende Frage ist einfach: Ist der Mensch berechtigt, die Tiere zu seinem bloßen Vergnügen oder um Launen zu befriedigen auf irgendeine Weise zu töten oder zu quälen? (49/61)

Eine nicht ganz unberechtigte Klage wird gegen die „Tierfreunde" er hoben, dass sie oft gegen den Kampf um Menschenrechte gleichgültig sind, während sie sich so eifrig mit der Wohlfahrt der Tiere abgeben. Die entgegengesetzte Wirkung ist ebenso wahr, dass viele ernstliche Neugestalter und Menschenfreunde, Männer, die eine echte Leiden­schaft für Freiheit und Fortschritt der Menschheit hegen, gegen die Tierrechte kalten Zweifel oder selbst bittere Feindschaft zeigen. Es ist sicher, dass sie beide demselben Ziel zustreben, und wenn sie tatsäch­lich nicht zusammenwirken können, so sollten sie sich wenigstens ent­halten, einander nutzlos zu hemmen und zu bekämpfen. Die Grundsät­ze der Gerechtigkeit müssen, wenn sie kräftig und dauernd vorwärtskommen sollen, gründlich und folgerichtig angewendet werden. Wenn es Tierrechte gibt, so muss es noch viel eher Menschenrechte geben, und wie ich gezeigt habe, ist es unmöglich zu behaupten, dass eine An­erkennung dieser nicht auch eine Anerkennung jener in sich schließe. (49/91-92)

Zu dem Jäger, der selbst das Erzeugnis eines rauen, wilden Zeitab­schnittes in der menschlichen Entwicklung ist, stimmt es wohl, wenn er die Häute der wilden Geschöpfe, die er besiegt hat, anlegt, aber es folgt nicht daraus, dass, wenn ein Eskimo Pelz oder ein Indianer Fe­dern trägt, sie in gleicher Weise den Bewohnern von London oder New York geziemen; im Gegenteil, eine Handlung, die in einem Falle natür­lich ist, ist oft im anderen ein Zeichen grober Gemeinheit. ... Was wir ohne Zögern verurteilen müssen, ist die blinde, rücksichtslo­se Barbarei, welche ganze Länder, ja ganze Erdteile durchstöbert hat und noch durchstöbert, ohne eine Ahnung zu haben, dass die Vögel und Vierfüßler, die sie so schnell ausrottet, in der Natur einen anderen Zweck haben, als der menschlichen Eitelkeit geopfert zu werden, dass müßige Herren und Damen sich wie gewisse Gestalten in der Fabel mit geborgten Häuten und Federn ausstaffieren. Was kümmern diese Leute sich um all die Schönheit, Zartheit und Klugheit des vielgestaltigen tie­rischen Lebens? Was tut es ihnen, ob diese Geschöpfe vom Menschen bei dem allgemeinen Fortschritt aller lebenden Wesen unterstützt wer­den oder ob ganze Arten umgestaltet und erniedrigt werden, wie der Biber zu einem Hut oder wie der Seehund zu einer Damenjacke zurechtgekocht werden.

Der Pelzhandel ist, was immer er sonst sein mag, soweit er Schmuck­kleidung liefert, für die, welche es gar nicht nötig haben, Pelz zu tra­gen, ein barbarisches und dummes Geschäft. Man könnte sagen, es zerfetzt nicht allein die Häute seiner Opfer, sondern auch das Gewis­sen und den Verstand seiner Kunden. (49/65-66)

Von den frühesten Zeiten an hat es Denker gegeben, welche die Frage, ob die Tiere Rechte haben, mittelbar oder unmittelbar bejahend beant­wortet haben. Die buddhistischen und pythagoräischen Gesetzbücher haben, vielleicht von dem Glauben an eine Wiederfleischwerdung be­herrscht, den Grundsatz aufgenommen, man solle kein unschuldiges Tier töten oder beschädigen. Die menschenfreundlichen Philosophen des Römischen Reiches, unter denen Seneca, Plutarch und Porphyrius die Hervorragendsten waren, nahmen einen noch höheren Standpunkt ein, indem sie Menschlichkeit predigten auf dem umfassenden Grundsatz allgemeinen Wohlwollens:

Da vernünftigen Wesen Gerechtigkeit geschuldet wird," schreibt Porphyrius, „wie ist es möglich, dem Zugeständnis aus dem Wege zu gehen, dass wir auch verpflichtet sind, gegen die Geschöpfe unter uns gerecht zu handeln?"

Es ist eine beklagenswerte Tatsache, dass man während der Kirchenherrschaft des Mittelalters, vom 4. bis zum 16. Jahrhundert, von der Zeit des Porphyrius bis zur Zeit des Montaigne, der Frage von Recht und Unrecht in Bezug auf die niederen Geschöpfe wenig oder keine Aufmerksamkeit schenkte. Dann kam zur Zeit der Reformation dem Wiederaufleben der Gelehrsamkeit auch ein Wiederaufleben Gefühls höherer Menschlichkeit, wie man aus vielen Stellen bei Erasmus und Morus, Shakespeare und Bacon sehen kann; aber erst in Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung und der „Empfindsamkeit; dessen Wortführer Voltaire und Rousseau waren, erlangten die Rechte der Tiere eine bewusstere Anerkennung.

Mit der großen Umwälzung von 1789 beginnt der Zeitabschnitt der in der ganzen Welt verbreitete Geist höheren Menschentums bis dahin nur von einem Menschen in einer Million gefühlt worden war - als Lehrsatz des Philosophen oder als Schauen des Dichters -  sich allmählich als ein wesentlicher Zug der Demokratie zu enthüllen begann.

Eine große und weitreichende Wirkung wurde zu dieser Zeit in England durch die Veröffentlichung solcher umwälzenden Werke wie „Menschenrechte" von Thomas Paine und der „Verteidigung der Frauenrechte" von Mary Wollstonecraft hervorgebracht, und wenn wir nach 100 Jahren zurückblicken, so sehen wir, dass eine weitere Ausdehnung der Lehre von den Rechten von da ab unvermeidlich war (49/1-3)

 

 

Hans Scheibner (1936-) Sänger, Satiriker

Ich meine, wer für die Rechte der Menschen kämpft, der muss auch für die Rechte der Tiere einsetzen, zumal die sich ja nicht selber melden können. (Talkshow Freitag Nacht vom 30.3.1990; KI 42A

 

 

 

Julie Schlosser (1883-1965) Schriftstellerin

 

Wie man lange Zeit das, was die Sklaven und später die Massen des unbekannten Proletariats geschaffen hatten, nahm, ohne zu fragen, für welche Gegengabe der Gesellschaft, die davon lebte, so handelt man heute noch angesichts der Kreatur. (KI 43/29)

Keine andere Situation auf der ganzen Welt zeigt so die Herrschaft des Menschen über die Kreatur und seine Auffassung von sich selbst als dem Herrn, wie das gefesselte Tier auf dem Laboratoriumstisch; bewe­gungslos eingespannt in klug erfundene Apparate, vielleicht betäubt, vielleicht unbetäubt, je nachdem, was erreicht werden soll - dessen Leib geöffnet und untersucht, gereizt und verstümmelt wird, mit Hilfe der feinsten, genial erdachten Methoden. (32/58-59)

Die Idee des Tierrechtes ist nicht neu. Sie taucht Ende des achtzehnten Jahrhunderts bei Jeremias Bentham und John Lawrence auf. Vor weni­gen Jahrzehnten hat Henry Salt eine bedeutsame Schrift Animals' Rights veröffentlicht. Dabei denkt er vor allem an die Tiere mit höhe­ren seelischen Fähigkeiten; prinzipiell handelt es sich um die Kreatur überhaupt, aber praktisch so gut wie immer um Haustiere, Vögel und die höheren Tiere der Wildnis.

Dem Tier Rechte gewähren, heißt, ihm gewisse Lebensansprüche ge­setzlich zusichern, etwa so, wie es für die Unmündigen geschieht. Für das menschliche Verhalten folgt daraus, dass nur Notstand und Not­wehr dazu berechtigt, es dienstbar zu machen oder gar zu töten, - oder eine besondere Not des Tieres selber. (32/153)

Eine Ethik, die den Tieren gerecht werden will, muss sie so deutlich wie möglich sehen. Wir müssen sie betrachten lernen an und für sich, unabhängig von ihren Beziehungen zu uns; gar nicht nur abgesehen von ihrer Nützlichkeit oder ihrem Schaden, ihrer Verwendbarkeit oder Unverwendbarkeit für uns, sondern in viel umfassenderem Sinn ohne den schon fast zum Korrelat gewordenen Menschen im Hintergrund. Auch nicht als Folie für unsere Höherentwicklung, auch nicht als Be­schämung für unsere Mängel, sondern einfach als sie selbst, als eine eigene Entelechie. Menschliche Wertungen haben ihnen gegenüber nicht die geringste Bedeutung. Die Tiere sind, wie sie sein müssen, ganz, echt, geschlossen. Schuldig können sie nicht werden. Sie gehor­chen der Natur - oder Gott - und das ist ihre grandiose Bestätigung und ihr Daseinsrecht. (32/164)

 

 

Dagmar Schmauks (1950-) Professorin für Semiotik

Tun Ihnen die Schweine leid, die als Pistensäue und Sexferkel so ver­unglimpft werden? - Nein, die wissen das ja nicht. Was ich dagegen sehr unfair finde, ist, dass das schlechte Verhalten von Menschen als tierisch beschrieben wird. Dabei gibt es solche Verhaltensweisen im Tierreich gar nicht. (Interview in DIE ZEIT Nr. 38, 9.9.2004, S. 86)

 

 

Reinhold Schneider (1903-58) Schriftsteller

Ist nicht schon das Leiden der Kreatur im Kriege ein unwiderleglicher Einwand gegen den Krieg? Hat nicht die Kreatur ein Recht auf Frieden- und welches Recht sollten wir haben, die Kreatur leiden zu lassen für

Unseren Streit um Macht und Land und Ruhm und die Güter der Erde? (7/154)

Das Leid der Kreatur und das Leid der Menschheit gehören zusam­men, und der Blick des geängstigten Tieres mahnt uns, Mensch zu werden in der Menschheit; er mahnt die Menschheit, eins zu sein in ehrfürchtiger Verwaltung der Schöpfung. (7/158)

Wie Kain nach Abel gefragt wurde, so werden auch wir nach unseren Brüdern, den Tieren gefragt werden. Wo wir das begreifen, könnte ein Christentum aufbrechen, das von wenigen Gelebte, noch immer Unentdeckte.

 

 

Karl Schnelting (1939-2010) Kulturredakteur beim ZDF

Tierschutz ist eine Frage der Kultur, des Selbstverständnisses einer Epoche. Sensibilität gegenüber dem Tier ist letztlich ein Maßstab für Humanität und ein Ausweis dafür, wie sich der Mensch inmitten der übrigen Schöpfung versteht ... Es muss öffentlich sichtbar und disku­tierbar werden, was wir Tieren in der Massentierhaltung, beim Tier­transport, bei der Schlachtung und bei Tierversuchen antun. Die Schmerzgrenze und die Verdrängungsbedürfnisse dürfen dabei nicht zur Richtschnur unserer Wahrnehmung werden. (ZDF-Jahrbuch 1992)

 

 

Gerhard Schöne (1952-) Liedermacher

Und führt man mir im Laden die auserlesenen Düfte vor, dann fällt mir ein, was ich gehört hab von Tierversuchen im Labor.

Mich kann das große Halleluja aus dem Messias nicht berührn, solang man Freunde meiner Freunde noch foltert hinter Polstertürn; ich sehne mich nach tiefer Freude, und doch, sie zieht nicht ein bei mir, solange meine Brüder leiden, ob Mensch, ob Pflanze oder Tier. (Berl. Sonntagsblatt Nr. 10, 13.3.1988, S. 7)

 

 

Arthur Schopenhauer (1788-1860) Philosoph

Die Güte des Herzens besteht in einem tief Gefühlten, Universelle:

Mitleid mit allem, was Leben hat.

Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein. Auch zeigt dieses Mitleid siel als aus derselben Quelle mit der gegen Menschen zu übenden Tugend entsprungen. (22/637)

Heutzutage hält jeder Medikaster sich befugt, in seiner Marterkammer die grausamste Tierquälerei zu treiben, um Probleme zu entscheiden, deren Lösung längst in Büchern steht. (KI 33/26)

Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder bewährt sich als die Echte ferner dadurch, dass sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt, für welche in den ändern europäischen Moralsystemen so unverantwort­lich schlecht gesorgt ist. Die vermeinte Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, oder, wie es in der Sprache jener Moral heißt, dass es gegen die Tiere keine Pflichten gebe, ist geradezu eine empörende Rohheit und Barba­rei des Occidents. (7/146; 22/634)

Grenzenloses Mitleid mit allen lebenden Wesen ist der festeste und sicherste Bürge für sittliches Wohlverhalten ... Wer davon erfüllt ist, wird zuverlässig keinen verletzen, keinen beeinträchtigen, keinem we­he tun, vielmehr mit jedem Nachsicht haben, jedem verzeihen, jedem helfen, soviel er vermag. (21/275)

Die christliche Moral hat ihre Vorschriften ganz auf den Menschen be­schränkt, die gesamte Tierwelt rechtlos gelassen. Man sehe nur, wie unser christlicher Pöbel gegen die Tiere verfährt, sie völlig zwecklos und lachend tötet oder verstümmelt oder martert, seine Pferde im Alter bis aufs äußerste anstrengt, um das letzte Mark aus ihren armen Kno­chen zu arbeiten, bis sie unter seinen Streichen erliegen. Man möchte wahrlich sagen: Die Menschen sind die Teufel der Erde und die Tiere ihre geplagten Seelen. (1/28)

Lassen denn diese Herren vom Skalpell und Tiegel sich gar nicht träu­men, dass sie zunächst Menschen und sodann Chemiker sind? Wie kann man ruhig schlafen, während man unter Schloss und Riegel harmlose, von der Mutter gesäugte Tiere hat, den martervollen, lang­samen Hungertod zu erleiden? Schreckt man da nicht auf im Schlaf?

Kein Tier jemals quält, bloß um zu quälen; aber das tut der Mensch, und dies macht den teuflischen Charakter aus, der weit ärger ist als der bloß Tierische.

Ist denn nur der Mensch ein unmittelbarer Gegenstand moralischer Pflicht und das Tier ein mittelbarer, eine Sache nur? Der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt doch nur im Akzidens, im Intellekt, nicht in der Substanz.

Tiere sind Brüder des Menschen.

Könnten doch alle Lebewesen frei sein von Schmerz!

Das Mitleid ist die Grundlage der Moral.

Ein anderer, nicht wegzuerklärender und seine heillosen Folgen täglich manifestierender Grundfehler des Christentums ist, dass es widerna­türlicherweise den Menschen losgerissen hat von der Tierwelt, welcher er doch wesentlich angehört, und ihn nur ganz allein gelten lassen will, die Tiere geradezu als Sachen betrachtend. Die bedeutende Rolle, wel­che im Brahmanismus und Buddhismus durchweg die Tiere spielen, verglichen mit der totalen Nullität im Christentum, bricht diesem Letzteren den Stab; so sehr man auch an solche Absurdität in Europa ge­wöhnt sein mag. (19)

Erst wenn jene einfache und über allem Zweifel erhabene Wahrheit, dass die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz dasselbe sind wie wir, ins Volk gedrungen sein wird, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehen und demnach nicht der bösen Lau­ne und Grausamkeit jedes rohen Buben preisgegeben sein. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Tiere schuldig. ... Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters, nicht aber eines unschuldigen, treuen Tieres, welches oft der Ernährer seines Herrn ist und nichts hat als spärliches Futter. ...

Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unse­rem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig. Wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein. (9)

 

 

Friedrich Schorlemmer (1944-) Theologe, Publizist, Friedenspreis des Börsenvereins des deutschen Buchhandels 1993

Wo aus Übermut - Sanftmut, aus Wankelmut - ein Wandel-Mut, wo aus Eigensinn - Gemeinsinn, aus Leid - Mitleid, aus Hartherzigkeit -Barmherzigkeit, aus Vergeltung - Vergebung, aus Sorge - Fürsorge, aus Vorherrschaft - Partnerschaft, aus dem Geschöpf - das Mitge­schöpf wird: da erst wird aus dem Menschen ein Mitmensch! (am 10.10.1993 in der Frankfurter Paulskirche; KI 56/1)

 

 

Gerhard Schröder (1944-) niedersächsischer Ministerpräsident (1990-98), Bundeskanzler (1998-2005)

Ich habe keine Beziehung noch Lust zur Jagd. (Neue Presse Hannover 16.7.1990; KI 43/3)

 

 

 

Hiltrud Schröder (1948-) Tier- und Umweltschützerin

Ich find' das schrecklich. Ich könnte so etwas nie anziehen, denn so ein Mantel ist aus ganz vielen Tierfellen zusammengesetzt. Und wenn ich mir vorstelle, jedes Einzelne ist ein lebendiges, fühlendes Wesen gewe­sen, eins das Angst empfindet, und dann wird es zu einem Mantel ver­arbeitet, den man dann stolz irgendwo rumträgt, find' ich das einfach entsetzlich. Ich glaube, diese Zeiten sollten doch möglichst schnell vorübergehen, und es müsste einfach inakzeptabel für jede Frau sein, so etwas anzuziehen. (ORB, Zeit für Tiere)

Ich bin fassungslos darüber, wie alltäglich die Barbarei gegenüber Tie­ren in unserer Zivilisation ist. Und ich bin empört über die Ignoranz, mit der die Politik in Bonn und Brüssel sich weigert, diese Barbarei zu beenden ... Wir brauchen keine neuen Gesetze, die dann wieder syste­matisch missachtet werden. Wir brauchen endlich eine Politik, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen und der Tiere richtet - und nicht nach den Wünschen der Mastbetriebe. Ich kenne die Massentierhal­tung. Ich komme aus einem Bundesland, in dem es so viele Hühner und Schweine gibt wie nirgends sonst in Europa. Und ich habe gelernt, dass wohl nirgends sonst in unserer Gesellschaft Gesetze so skrupellos und so systematisch gebrochen werden wie in den Tierfabriken. Das beginnt bei zu engen Ställen, das setzt sich fort mit verbotenen Hormo­nen und Medikamenten, das geht weiter mit der Verseuchung des Grundwassers durch die Gülle, und das ist bei den Transporten noch lange nicht zu Ende. (KI 58/7)

 

 

Carl-Heinz Schroth (1902-89) Schauspieler, Autor

Wenn ich sehe, wie Menschen mit Tieren umgehen, schäme ich mich, ein Mensch zu sein. (KI 37/12)

Wer nicht ein Tier einmal sehr lieb gehabt hat, der ist ein armer Mensch. (Abschiedsbrief an seinen Hund Lupetto. 59/269; KI 39/5)

 

 

 

Birgit Schrowange (1958-) TV-Moderatorin, Schauspielerin

Vegetarisch ist viel gesünder - Fleisch kommt mir nicht mehr auf den Tisch. (KI 52/3)

 

 

 

Magnus Schwantje (1877-1959) Tierschützer, Pazifist, Autor

Es ist also ein ganz unberechtigter Vorwurf, dass der Vegetarier nicht konsequent seine sittlichen Grundsätze befolge, wenn er nicht auch die Pflanzenvernichtung vermeide, also nicht verhungere, um kein frem­des Leben zu zerstören. Dagegen handeln die Menschen, die das Ver­zehren von Tierleichen deshalb für berechtigt erklären, weil auch die Pflanze ein beseeltes und empfindendes Wesen sei, inkonsequent, wenn sie nicht auch das Menschenfleischessen für berechtigt erklären. (13/64)

Auch wenn wir gar nicht hoffen könnten, dass jemals alle Menschen zur vegetarischen Lebensweise übergehen werden, hätte niemand der wegen das Recht, Fleisch zu essen. Ein Unrecht bleibt auch dann ein Unrecht, wenn alle es verüben. Ich sage ja nicht, dass jeder Mensch der vegetarisch lebt, gerecht sei, sondern, dass jeder der nicht vegetarisch lebt, dadurch ungerecht handelt. Es zeugt von Heuchelei, wen ein Fleischesser mit Verachtung auf die Schlachter hinabblickt; den der Mensch ist nicht nur verantwortlich für die Handlungen, die e selbst ausführt, sondern auch für die Handlungen, die er von ander ausführen lässt. (13/83)

 

 

Alice Schwarzer (1942-) Journalistin, Herausgeberin der Zeitschrift EMMA

Es ist keineswegs Zufall, dass die Tierrechtsbewegung zuletzt kommt, nach den Menschenrechtsbewegungen (sprich Männerrechtsbewegung) der 60er, nach den Frauenrechtsbewegungen der 70er und der Kinderrechtsinitiativen der 80er. Erst jetzt kommen die Tiere. Endlich!

(EMMA 2/89)

 

 

 

Albert Schweitzer (1875-1965) Theologe, Arzt, Musiker, Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1951, Friedensnobelpreis 1952

Wenn ein Tier leidet, sind wir alle schuldig.

Das Aufkommen der Bewegung des Tierschutzes, das in meiner Jugend stattfand, machte mir einen großen Eindruck. Endlich wagten e Menschen, in der Öffentlichkeit aufzutreten und zu verkündigen, dass das Mitleid mit den Tieren etwas Natürliches sei, das zur wahren Menschlichkeit gehöre, und dass man sich dieser Erkenntnis nicht verschließen dürfe. Ich hatte den Eindruck, dass ein neues Licht in dem Dunkel der Ideen aufgegangen sei und stetig zunehmen werde. (3/14)

Am Abend des dritten Tages, als wir uns beim Sonnenuntergang in de Nähe des Dorfes Igendja befanden, mussten wir an einer Insel in den über einen Kilometer breiten Fluss entlang fahren. Auf einer Sandbank, zur Linken, wanderten vier Nilpferde mit ihren Jungen in derselben Richtung wie wir. Da kam ich, in meiner großen Müdigkeit und Verzagtheit, plötzlich auf das Wort „Ehrfurcht vor dem Leben", das ich, soviel ich weiß, nie gehört und nie gelesen hatte. Alsbald begriff ich, dass es die Lösung des Problems, mit dem ich mich abquälte, in sich trug. Es ging mir auf, dass die Ethik, die nur mit unserem Ver­hältnis zu den anderen Menschen zu tun hat, unvollständig ist und da­rum nicht die völlige Energie besitzen kann. (3/20)

Die bisherige Ethik ist unvollkommen, weil sie es nur mit dem Ver­halten der Menschen zum Menschen zu tun zu haben glaubte. In Wirk­lichkeit aber handelt es sich darum, wie der Mensch sich zu allem Le­ben, in seinem Bereich befindlichen Leben, verhält. Ethisch ist er nur, wenn ihm das Leben als solches heilig ist, das der Menschen und das aller Kreatur. (3/22)

Die bisherige Ethik stand dem Problem Mensch und Tier entweder verständnislos oder ratlos gegenüber. Auch wenn sie das Mitleid mit der Kreatur als richtig empfand, konnte sie es nicht unterbringen, weil sie ja eigentlich nur auf das Verhalten des Menschen zum Menschen eingestellt war.

Wann wird es dahin kommen, dass die öffentliche Meinung keine Volksbelustigungen mehr duldet, die in Misshandlung von Tieren be­stehen! (3/159)

Auf die Frage, ob ich pessimistisch oder optimistisch sei, antworte ich, dass mein Erkennen pessimistisch und mein wollen und Hoffen opti­mistisch ist.

Pessimistisch bin ich darin, dass ich das nach unseren Begriffen Sinn­lose des Weltgeschehens in seiner ganzen Schwere erlebe. Nur in ganz seltenen Augenblicken bin ich meines Daseins wirklich froh gewor­den. Ich konnte nicht anders, als alles Weh, das ich um mich herumsah, dauernd mitzuerleben, nicht nur das der Menschen, sondern auch das der Kreatur. Mich diesem Mitleiden zu entziehen, habe ich nie versucht. Es erschien mir selbstverständlich, dass wir alle an der Last von Weh, die auf der Welt liegt, mittragen müssen. (3/162)

Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. (5, Bd. 2, S. 376)

Gut ist der Mensch nur, wenn ihm das Leben schlechthin, das Pflanze und das des Tieres wie das des Menschen heilig ist und er s ihm überall, wo es in Not ist, helfend hingibt. (4/49)

Kein Schauspiel: Ich sehe mich noch immer an einem strahlenden Herbstsonntage auf dem großen Platz von Barcelona. In hellen Gewändern, mit flatternden Spitzenkopftüchern fuhren Frauen und Mädchen alle nach einer Richtung: zur Arena! Um zu sehen, wie wüten Stiere armen Maultieren mit den Hörnern den Bauch aufschlitzen und dann selber unter dem Jubel der Menge endlich zu Tode gequält wurden. Der Dirigent der großen Musikgesellschaft, dessen Gast ich war, redete auf mich ein: „Sie müssen kommen! Sie müssen es einmal gesehen haben, sonst wissen Sie nicht, was Spanien ist! Alle anderen Musiker sind immer dazu gekommen." Und der Mann, ein tieffrommer Künstler, mit dem ich mich noch am Morgen so ernst über Christentum unterhalten hatte, verstand nicht, warum ich mir das nicht verzeihen könnte, und ließ mich dann stehen, um ja den Anfang nicht zu verfehlen. - Und ihr wisst: Arenen für Stierkämpfe werden im südlichen Europa seit zwei Jahrzehnten wieder gebaut, wo sie früher verboten waren. - In einem Jahrhundert sind sie vielleicht in ganz Europa zu finden. (4/50)

Wirklich moralisch ist nur der, der alles Leben rettet, dem er helfen kann, und der sich enthält, aller Kreatur, die lebt, unrecht zu tun.

Also ist unser Nächster nicht nur der Mensch. Unsere Nächsten sind alle Wesen. Deshalb glaube ich, dass der Begriff der Ehrfurcht vor dem Leben unseren Gedanken der Humanität mehr Tiefe, mehr Größe und mehr Wirksamkeit verleiht.

Wie die Hausfrau, die die Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Türe zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstelle, also wachen die europäischen Denker darüber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen. (1/27; 7/141)

Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit.

Wir müssen kämpfen gegen den Geist der naiven Grausamkeit, mit der wir mit den Geschöpfen verfahren. Die Religionen und die Philoso­phie haben sich nicht mit diesem Problem unseres Verhaltens gegen die Geschöpfe beschäftigt, sondern nur mit dem Menschen ge­genüber ... Aber die Kreatur ist auch dem Leiden unterworfen in der­selben Weise wie wir. Die wahre tiefe Menschlichkeit erlaubt uns nicht, ihr Leiden aufzuerlegen. Diese Erkenntnis ist uns spät aufgegan­gen. Wir haben die Pflicht, ihre Anerkennung in der ganzen Welt zu ver­schaffen und müssen es ernst nehmen mit dieser bisher übersehenen Pflicht.

Keiner von uns darf ein Weh, für das er die Verantwortung nicht zu tra­gen bereit ist, geschehen lassen, soweit er es nur hindern kann. Keiner darf sich dabei beruhigen, dass er sich damit in Sachen mischen würde, die ihn nichts angehen. Keiner darf die Augen schließen und das Leiden, dessen Anblick er sich erspart, als nicht geschehen ansehen. Hat unser Mitempfinden es nur mit den Mitmenschen oder nicht auch mit allen Geschöpfen zu tun? Deren Dasein ist wie das unsere. Sie ängstigen sich, wie wir, sie leiden wie wir. Sterben ist ihnen beschieden wie uns.

Ethik besteht darin, dass ich mich verpflichtet fühle, allem Lebenden die gleiche Ehrfurcht entgegenzubringen wie dem eigenen Leben. Naturfreund ist derjenige, der sich mit allem, was in der Natur lebt, innerlich verbunden weiß, an dem Schicksal der Geschöpfe teilnimmt, ihnen, soviel er kann, aus Leid und Not hilft, und es nach Möglichkeit vermeidet, Leben zu schädigen oder zu vernichten.

Ich aber gelobte mir, mich niemals abstumpfen zu lassen und den Vorwurf der Sentimentalität niemals zu fürchten. Diejenigen, die an Tieren Operationen oder Medikamente versuchen oder ihnen Krankheiten einimpfen, um mit den gewonnenen Resul­taten Menschen Hilfe bringen zu können, dürfen sich nie allgemein dabei beruhigen, dass ihr grausames Tun einen wertvollen Zweck ver­folge. In jedem einzelnen Falle müssen sie erwogen haben, ob wirklich Notwendigkeit vorliegt, einem Tier dieses Opfer für die Menschheit aufzuerlegen. Und ängstlich müssen sie darum besorgt sein, das Weh, so viel sie nur können, zu mildern. Wie viel wird in wissenschaftlichen Instituten durch versäumte Narkosen, die man der Zeit- und Mühe­ersparnis halber unterlässt, gefrevelt! Wie viel auch dadurch, dass die Tiere der Qual unterworfen werfen, nur um Studenten allgemein be­kannte Phänomene zu demonstrieren! ... Wer derartige Versuche macht, wird von niemandem aus der Schuld entlassen. (KI 46/18)

Wer mit Tieren experimentiert, sollte sein Gewissen niemals dadurch beruhigen, dass er behauptet, dass diese Grausamkeiten einen lobens­werten Zweck hätten. (KI 51/12)

Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, ge­hen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.

Meine Ansicht ist, dass wir, die für die Schonung der Tiere eintreten, ganz dem Fleischgenuss entsagen und auch gegen ihn reden. So mache ich es selber. Und damit kommen so manche dazu, auf das Problem, das so spät aufgestellt wurde, aufmerksam zu werden. (15/XIX)

Ich gebe mir darüber Rechenschaft, dass die Gewohnheit, Fleisch zu essen, nicht mit erhabenen Gefühlen in Übereinstimmung steht. (14/136)

Heute gilt es als übertrieben, die stete Rücksichtnahme auf alles Le­bendige bis zu seinen niedersten Erscheinungen herab als Forderung einer vernunftgemäßen Ethik auszugeben. Es kommt aber die Zeit, wo man staunen wird, dass die Menschheit so lange brauchte, um gedan­kenlose Schädigung von Leben als mit Ethik unvereinbar einzusehen. Ethik ist ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung für alles, was lebt. (7/148)

Nur wer sich mit allem, was in der Natur lebt, verbunden fühlt und am Schicksal der Geschöpfe teilnimmt, ist ein wahrer Tierfreund.

 

Hanna Schygulla (1943-) Schauspielerin

Die Tiere müssen für menschliche Modefummel Qualen erleiden.

(KI 40/23)

 

 

Sir Walter Scott (1771-1832) schottischer Dichter

Katzen sind ein rätselhaftes Volk, und ihnen geht mehr durch den Sinn, als wir überhaupt ahnen können. Das liegt zweifellos daran, dass sie mit Zauberern und Hexen Umgang pflegen.

 

 

 

Chief Seattle (1786-1866) Häuptling der Suquamp-Indianer

Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch - an Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht, das geschieht auch bald den Menschen. (8/31)

 

 

 

 

Seneca (4 v. Chr.-65 n. Chr.) röm. Philosoph, Dichter

Bei keinem Tier wirst du finden, dass es sich gering schätzt oder auch nur vernachlässigt. Selbst die stummen und dummen Tiere, mögen sie sonst noch so einfältig sein, haben so viel Verstand, wie sie für ihr Le­ben brauchen. (7/122)

Ich scheue mich auch nicht, dir zu gestehen, wie sehr ich den Pythagoras geliebt habe. Sotion legte mir dar, aus welchem Grunde Pythagoras sich des Fleisches enthalten hatte und aus welchem Grunde dies später Sextius tat. Die Gründe der beiden waren verschieden, in beiden Fällen aber waren sie Ausdruck hoher Gesinnung. Sextius glaubte, dem Menschen stände genügend unblutige Nahrung zur Verfügung, und die Grausamkeit könne zur Gewohnheit werden, wenn man Lebe­wesen zum Vergnügen zerfleischen lasse ... Von solchen Worten wurde ich gepackt und begann, mich der Fleischnahrung zu enthalten. Schon nach Jahresfrist fiel mir diese Gewohnheit nicht nur leicht, sondern war mir angenehm. Ich hatte das Gefühl größerer geistiger Beweglich­keit. (30/85-86)

 

 

Anna Sewell (1820-77) engl. Autorin (Black Beauty Autobiographie eines Pferdes)

Es gibt keine Religion ohne Liebe, und die Menschen können so viel über ihre Religion reden, wie sie wollen, wenn diese sie nicht lehrt, so­wohl den anderen Tieren als auch den Menschen gegenüber gut und freundlich zu sein, ist es nichts als Heuchelei. (60)

 

 

George Bernard Shaw (1856-1950) britischer Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1925 (nach einer Einladung zum Bankett)

Ein Bankett! Wie grauenhaft! Sie wollen mich zum Vorwand nehmen, um einen Haufen armer Tiere, Vö­gel und Fische umzubringen. Ich danke bestens. Ja, wenn sie statt eines Fressens ein Fasten veranstalten würden: sagen wir, eine dreitägige Enthaltung vom Leichengenuss zu meinen Ehren, dann ließe sich dar­über reden. Blutopfer sind nicht nach meinem Geschmack. (30)

Jeder Vivisektor ist ein Ausreißer aus der Armee der ehrenhaften For­scher.

Wer nicht davor zurückschreckt, Tierversuche zu machen, der wird auch nicht zögern, darüber Lügen zu verbreiten.

Wenn wir selbst die lebenden Gräber ermordeter Tiere sind, wie kön­nen wir dann auf dieser Welt ideale Bedingungen erwarten? (20)

Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind? Wenn ich einst sterbe und mir all die Tiere, die ich nicht gegessen ha­be, das letzte Geleit geben, wird es ein großer und schöner Trauerzug werden. (30)

Nur Dummköpfe können dazu verleitet werden, die Vivisektion zu praktizieren und sich darin Ruhm zu verschaffen. Wir geben ihnen rie­sige Summen Geldes, damit sie entdecken können, weshalb wir in so alarmierend großer Zahl an Krebs sterben, und wie wir diese Krank­heit verhindern können. Sie nehmen das Geld und kaufen damit unzäh­lige Mäuse, mit denen sie in ihren Forschungslaboratorien herumspie­len. Wenn sie nach Jahren in sich selbst einen Mauseverstand ent­wickelt haben, erklären sie uns, sie hätten herausgefunden, wie man eine Maus mit Krebs infizieren könne; auch hätten sie eine Mikrobe gefunden, die zwar harmlos sei, jedoch unter bestimmten Umständen, die sie nicht genauer definieren könnten, für Krebs charakteristisch zu sein scheine. Wer könnte die Schnauzhaare einer einzigen Maus um eines so elendiglichen Resultates willen zupfen? Wenn diese Experi­mentatoren immer noch glauben, dass es besser ist, mit Mäusen herumzuspielen als den eigenen Verstand zu gebrauchen, kann mich nichts davon überzeugen, dass sie überhaupt einen brauchbaren Ver­stand haben. (Sunday Express 7.8.1927)

Solange die Menschen die wandelnden Gräber der von ihnen ermorde­ten Tiere sind, wird es Kriege geben auf dieser Erde. (KI 55/12)

Vor allem wird der Sport sehr langweilig, wenn er nicht im Töten gip­felt. Tut er das aber, so empfinde ich dabei dasselbe wie beim Morde eines menschlichen Wesens. Eher sogar mehr als weniger. Denn genauso, wie die Ermordung eines Kindes abscheulicher ist als die Er­mordung eines Erwachsenen (wohl deshalb, weil das Kind so hilflos und der soziale Treuebruch deshalb so gewissenlos ist), so ist der Mord an einem Tier ein Missbrauch der Überlegenheit des Menschen den Tieren gegenüber ... (7/171)

Wenn der Mensch den Tiger umbringen will, nennt man das Sport. Wenn der Tiger den Menschen umbringen will, nennt man das Bestia­lität.

Tiere sind meine Freunde und ich esse meine Freunde nicht!

Der Mensch ist erst dann als zivilisiert zu betrachten, wenn er die Kat­ze versteht. (55/278)

Die größte Sünde gegenüber unseren Mitgeschöpfen ist nicht der Hass, sondern die Gleichgültigkeit. Das ist das Wesen der Unmenschlichkeit. (60)

 

Percy Bysshe Shelley (1792-1822) engl. Dichterin

Bei allem, was heilig ist in unseren Hoffnungen für das Menschenge­schlecht, beschwöre ich diejenigen, welche die Wohlfahrt des Men­schen wünschen und die Wahrheit lieben, die vegetarischen Lehren unbefangen zu prüfen. Vegetarismus ist die Lebensweise im Bewusst­sein unserer menschlichen Würde. (30/96)

 

 

 

Alicia Silverstone (1977-) US-Schauspielerin

Ich bin Veganerin. Das heißt, ich bin gegen jede Art von Ausbeutung von Tieren. Ich esse keine Eier, ich trinke keine Milch, mein Essen is total tierfrei. Und ich bin glücklich damit. Es ist die gesündeste Art zi leben, das hat die medizinische Forschung schon seit Langem bewie­sen. Vegetarier leben länger, sie haben seltener Krebs oder Herzpro­bleme. Milch zerstört unseren Körper, und Eier sind furchtbar schäd­lich. Das ist eine wissenschaftliche Tatsache. Wir erfahren es nur nicht, weil die Regierung von der Fleischindustrie und der Milchindustrie bezahlt wird. Es geht nur ums Geld, nicht um die Gesundheit. Milch ist wirklich das Schlimmste, was Sie Ihrem Körper antun können. ... Tiere sind genauso klug und gefühlvoll wie Menschen. Wir behandeln sie nur anders, um des Profits willen. Ihr Leben ist genauso wertvoll wie unseres. Wer zum Teufel sind wir, dass wir entscheiden können, wer stirbt und wer am Leben bleibt? Wie können wir sagen, ein Schwarzer ist weniger wert als ein Weißer, ein Deutscher weniger als ein Amerikaner oder eine Frau weniger als ein Mann? Das alles ist ein­fach krank für mich, diese ganze Mentalität. (DIE ZEIT 9.9.99, S. 20]

 

 

Upton Sinclair (1878-1968) US-Schriftsteller

Es scheint irgend etwas in der Arbeit des Schlachtens zu liegen, dass die Tendenz zur Härte und Bösartigkeit verstärkt. - Es hat sich gezeigt, das Fleisch als Nahrung unnötig ist; und Fleisch ist aufwendiger zu produzieren als pflanzliche Nahrung, weniger angenehm in der Zu­bereitung und Handhabung, und die Gefahr von Verunreinigungen ist höher. (The Jungle, 1906)

 

 

 

Isaac Bashevis Singer (1904-91) US-Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1978

Die Vögel hatten den neuen Tag angekündigt, als wäre es der Morgen nach der Schöpfung. Laue Lüfte trugen den Duft des Waldes heran, und aus den Hotelküchen kamen die Essensgerüche. Herman meinte, den Schrei eines Huhnes zu hören. Irgendwo wurde an diesem liebli­chen Sommermorgen Geflügel geschlachtet; Treblinka war überall. (1)

Ich bin nicht deswegen Vegetarier geworden, um etwas für meine Gesundheit zu tun. Ich habe es für die Gesundheit der Hühner getan.

Wir sind alle Gottes Geschöpfe - dass wir um Gnade und Gerechtig­keit beten, während wir weiter verfahren, das Fleisch der Tiere zu es­sen, die um unsertwillen geschlachtet wurden, ist unvereinbar. Ich würde fortfahren, vegetarisch zu leben, selbst wenn die ganze Welt be­gänne, Fleisch zu essen. Dies ist mein Protest gegen den Zustand der Welt. Atomkraft, Hungersnöte, Grausamkeit - wir müssen Schritte da­gegen unternehmen. Vegetarismus ist mein Schritt. Und ich glaube, es ist ein sehr wichtiger.

Es wird oft gesagt, dass die Menschen schon immer Fleisch gegessen hätten, als ob dies eine Rechtfertigung wäre, dies weiterhin zu tun. Gemäß dieser Logik dürften wir nicht versuchen, Menschen daran zu hindern, andere Menschen umzubringen, da dies auch schon seit jeher getan wurde. (20/203)

Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi. Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka. (17/15, 31, 104)

Fische, die noch vor wenigen Stunden durchs Wasser geschwommen waren, lagen mit glasigen Augen, verletzten Mäulern und blutbefleck­ten Schuppen auf den Bootsdecks. ... Jedesmal, wenn Hermann Zeuge gewesen war, wie Tiere umgebracht wurden, hatte er denselben Ge­danken gehabt: In ihrem Verhalten der Kreatur gegenüber waren alle Menschen Nazis.

 

 

Peter Singer (1946-) austral. Philosoph

Mehr als 2.000 Jahre westliches Denken müssen gebrochen werden, um die Ausbeutung der Tiere in gigantischen Ausmaßen abzuschaffen: Der Kampf gegen die Tyrannei des Menschen über die Tiere ist eben­so wichtig wie alle Kämpfe um moralische und sittliche Belange, die bisher ausgetragen wurden.

All die Argumente, die die Überlegenheit des Menschen zeigen sollen, können diese eindeutige Tatsache nicht widerlegen: im Leiden sind uns alle Tiere gleich. (60)

 

 

Slawisches Henochbuch

Es wird von allen Lebewesen nur des Menschen Seele gerichtet. Keine einzige Tierseele, die der Herr schuf, wird bis zum großen Ge­richt eingesperrt, doch alle diese Seelen verklagen den Menschen. (Kap. 58, 4-6)

 

 

Dorothee Sölle (1929-2003) Theologin, Schriftstellerin

Lass mich Dein Esel sein, Christus. Warum sollen sich Menschen übermäßig von den Tieren unterscheiden? Warum diese Sucht nach Trennung von den Mitgeschöpfen? Ein englisches Weihnachtslied lässt all die Tiere, die mit Christus zu tun haben, zu Wort kommen, die friendly beasts, die Jesus, unsern demütigen Bruder, begleitet haben und ihm halfen: das Kamel, auf dessen Rücken die drei Weisen ihre Gaben transportierten; das Schaf mit dem gekrümmten Hörn, das ihm Wolle für eine Decke gab; die Kuh, die ihn in ihre Krippe ließ. Die Tie­re, Esel und Füllen, sind nicht einfach Instrumente der Weltbeherr­schung, sie sind nicht einfach Objekte der Unterwerfung. Sie haben ei­ne Rolle, sie arbeiten mit an der Verwirklichung des Reiches Gottes. Lass mich Dein Esel sein, Christus. (Das Fenster der Verwundbarkeit. Kreuz-Verlag, S. 303)

 

 

Robert Spaemann (1927-) Professor für Philosophie

Was macht die Würde des Menschen aus, die ihn über die Tiere erhebt? Was macht ihn zum Herrn der Schöpfung? Seine Fähigkeit, Dinge zu unterlassen, weil sie niedrig, widerwärtig und gemein sind, obwohl er sie ungestraft tun kann; seine Fähigkeit, für außermenschliche Wesen eine Fürsorgepflicht zu übernehmen, seine Fähigkeit, das Schwache zu schützen. Tiere sind schwach. Wer sie quält, wird nie befürchten müs­sen, dass ihnen ein Richter entsteht, der den Spieß eines Tages um­dreht. Sie werden nie als Kläger auftreten, nie als Richter, nie als Wäh­ler. Was heute an Millionen von Versuchstieren geschieht, muss aus dem einzigen Grund verboten werden, weil es mit der Selbstachtung einer menschlichen Rechtsgemeinschaft unvereinbar ist. (8/35)

Die Gemeinschaft der fühlenden Wesen geht über die Grenzen der menschlichen Art hinaus, und wir haben nicht das Recht, andere füh­lende Wesen einem Leben auszuliefern, das nur aus Qualen und aus

Angst vor dem Tode besteht. Es ist dies nicht eine Frage des Mitleids. Wir haben nicht das Recht! Wo Schmerz ist, da ist der Beginn von Sub­jektivität, der Beginn einer „Innenseite" des Lebens. Die absichtliche Verwandlung eines solchen Lebens in ein Bündel von Leiden und stummer Verzweiflung ist ein Verbrechen. Was sollte eigentlich sonst ein Verbrechen sein? (8/36-37)

Sind wir wirklich bereit, jeden Preis für unsere Gesundheit zu zahlen, auch den unserer Menschenwürde? Sogar wenn die Tierversuche wirk­lich Nutzen hätten, den ihnen ihre Propagandisten zuschreiben, müss­ten wir uns nicht weigern, diesen Preis zu zahlen?

 

 

Bettina Spier (1960-2008) Schauspielerin

Mir liegt es ebenfalls am Herzen, dass endlich mit der Tierquälerei auf­gehört wird. Auch beim Film und Fernsehen geht es nicht immer lie­bevoll zu, wenn Tiere dabei eine Rolle spielen. (KI 54/16)

 

 

Jürgen Spohn (1934-92) Autor, Grafiker, Prof. an der Hochschule für bildende Künste, Berlin

Ernste Frage

Drei Mäuse besprachen die ernste Frage:

Was tut man gegen die Menschenplage?

Wie war's mit einer Menschenfalle?

Aber damit fangen wir nicht alle

Oder ein Gift in den Kaviar mischen?

So können wir auch nicht alle erwischen

Da sagte die allerklügste Maus:

Die rotten sich demnächst selber aus! (50/32)

 

Ingrid Steeger (1947-) Schauspielerin

Ich trage meinen Pelz nicht mehr. Seit ich im Fernsehen gesehen habe, wie Nerze gehalten werden, kann ich Pelze nicht mehr anfassen. Auf meinem Nerz schläft jetzt mein Dackel. Wie blöd war ich, dass ich mir vor drei Jahren für 18 000 Mark diesen Unfug gekauft habe. (KI 40/23)

 

 

Rudolf Steiner (1861-1925) Gründer der Anthroposophie

Es gibt Tiere, die kein Fleisch fressen, zum Beispiel unsere Kühe. Wenn wir das Experiment machen könnten, eine Ochsenherde mit Fleisch zu füttern, so würden die Ochsen verrückt, (in einem Vortrag vom 13.1.1923 am Goetheanum in Dornach)

Der Schmerz des Tieres ist mit dem des Kindes zu vergleichen. Die Vi­visektion ist zu verurteilen wie eine Mordtat oder eine Tortur an einem Unschuldigen.

Es sind auf nichts basierende Redensarten, welche davon sprechen, dass beim Menschen ein Schmerz größer sein kann als beim Tier. Der Schmerz ist beim Tier ein viel Tieferer und viel mehr Seelen erfüllend, als es beim leiblichen Schmerz des Menschen der Fall sein kann.

(als Entgegnung auf die Frage warum er kein Fleisch isst) Essen Sie gerne Hunde- oder Katzenfleisch? - Ganz gewiss nicht. - Sehen Sie, und mich ekelt auch das Fleisch von anderen Tieren. (Der Vegetarier, 5/1987)

Seiner Nahrung aus der Pflanzenwelt verdankt der Mensch, dass er hinaufblicken kann zu den großen Zusammenhängen der Dinge, die aus den engen Grenzen des persönlichen Seins entspringen ... Überall, wo der Mensch frei und unbekümmert aus den großen Gesichtspunk­ten heraus Leben und Denken regelt, da verdankt er diesen Überblick seiner Nahrungsbeziehung zur Pflanzenwelt... Der Fortschritt wird da­rin bestehen, sich in der tierischen Nahrung zu beschränken auf dasje­nige, was noch nicht von Leidenschaften durchglüht ist, wie Milch. Die Pflanzennahrung wird einen immer weiteren Raum einnehmen in der menschlichen Nahrung. (51/77-78)

 

 

Horst Stern (1922-) Journalist, Schriftsteller

Die Wahrheit ist schlicht und einfach, dass ein Huhn nicht in den Käfig gehört. Es ist ein Lauftier in der Grassteppe, es gehört nicht in den Kä­fig. Die Wahrheit ist, dass ein Rind nicht auf Spaltenboden gehört, weil es ein Weidegänger ist. Die Wahrheit ist, dass ein Schwein nicht in ein enges Metallgitter gepresst werden darf. Die Wahrheit ist, dass ein Kalb nicht in eine mehr oder weniger dunkle Box gehört und dort -weit weg von der Mutterkuh - mit pappiger Milch großgezogen wird. Die Wahrheit ist immer ganz, ganz einfach, aber sie ermüdet. Man hat sie so oft gesagt, und sie hat nichts bewirkt, dass die Wahrheit an sich ermüdet ist. Sie können es immer und immer wieder sagen: Das Huhn gehört da nicht hin, das Kalb gehört da nicht hin. Es nützt nichts, und also hört man eines Tages auf, diese Wahrheit noch zu bekennen, sie noch zu sagen. (TV-Film „Die ermüdete Wahrheit". SDR 25.12.91)

Der humane Umgang mit dem Tier ist ein Teil der menschlichen Wür­de und hat darum Verfassungsrang, also hohe politische Priorität. (8/130)

 

 

Adalbert Stifter (1805-68) Dichter, Maler

Es wird vielen Leuten lächerlich sein, und manchen frommen Christen ärgerlich, dass wir auf einen Hund so viel Rücksicht nehmen.

 

 

Bertha von Suttner (1843-1914) Autorin, Friedensnobelpreis 1905

Von hundert gebildeten und feinfühlenden Menschen würden schon heute wahrscheinlich neunzig nie mehr Fleisch essen, wenn sie selber das Tier erschlagen oder erstechen müssten, das sie verzehren. Wer die Opfer nicht schreien hören, nicht zucken sehen kann, dem es aber, so­bald er außer Seh- und Hörweite ist, gleichgültig ist, dass es schreit und dass es zuckt - der hat wohl Nerven, aber - Herz hat er nicht. (KI 46/18)

Der Tod an sich ist nichts Furchtbares, nichts Höllenhaftes - wohl aber ist dies die Todesangst und die physische Qual. Dass bei der Tötung der Tiere diese beiden dem Opfer tunlichst zu ersparen seien, darüber ist doch kein gesitteter Mensch im Zweifel. Meiner Überzeugung nach wird auch einst die Zeit kommen, wo niemand sich wird, mit Leichen nähren wollen, wo niemand mehr sich zum Schlächterhandwerk bereitfinden wird. Wie viele unter uns gibt es schon jetzt, die niemals Fleisch äßen, wenn sie selber das Messer in die Kehle der betreffenden Tiere stoßen müssten! (52, Bd. 2, S. 28)

Die Wissenschaft entsündigt nicht die Tierfolter.

Wer gegen arme, hilflose Mitgeschöpfe, die unter ihm stehen, erbar­mungslos gewesen ist, hat kein Recht, wenn er in hilflose Lage kommt, zu einem höher stehenden Wesen zu beten: Herr, erbarme dich meiner!

 

 

George Tabori (1914-2007) ungarischer Schriftsteller, Büchner-Preis 1992

Jedenfalls haben wir, ich und meine Freunde, die Schnauze gestrichen voll von diesem ewigen Missbrauch der Tier- (und Pflanzen-) Rechte und nicht nur der verbalen Art. Was ist die Wahrheit? Würde das Schwein Sokrates fragen. Dieses Weihnachtsfest beispielsweise haben wir im Fernsehen mit ansehen können, wie man Trumähne in einen KZ-ähnlichen Pferch presst, wie Mäuse und Ratten und Hunde und Katzen und kleine Affen zum Ruhm der Pharmaindustrie der Folter ausgesetzt werden, wie harpunierte Wale elendiglich verenden, wie Möwen an dreckigem Öl verkleben, den alltäglichen Terror, die Geburt eines Judenjungen in einem schweinischen Stall, während gekochte, gebratene, geröstete Gänse, Hühner, Wachteln, Lämmer, Kälber, Kühe, Schweine und eine Vielfalt von Meerestieren von menschlichen Men­schen verschlungen werden, die ihre tierischen Vorfahren und das evo­lutionäre Gebot nach Gerechtigkeit und Anständigkeit vergessen zu haben scheinen. Wenn Sie sich mit der verrückten Idee vom Überleben des Stärkeren zu entlasten versuchen, dann lehnen Sie sich ruhig zu­rück und warten auf die Invasion von ein paar krabbelnden Kriechern, die sich durch ihr Herz nagen werden. („Protest einer ewig jungen Sau", DIE ZEIT 10.1.1992, S. 46)

 

 

Hippolyte Taine (1828-93) französischer Philosoph, Historiker

Ich habe die Philosophen und die Katzen studiert. Doch die Weisheit der Katzen ist letztlich um ein Weites größer. (55/293)

 

 

Peter Teichmann Tierarzt

Ich habe jeden Tag Tiere - kranke, Schmerz empfindende, Angst ha­bende Tiere - auf dem Tisch. Und ich weiß aufgrund dieser Tatsache, dass ich eben jeden Tag mit leidenden Geschöpfen konfrontiert werde, wie sehr ein Tier infolge Angst vermehrt Schmerz empfindet. Angst wirkt potenzierend im Hinblick auf Schmerz. Und wenn wir überle­gen, dass in den Tierversuchsställen - ganz gleich wo auch immer, ob bei uns im Lande oder hier in Berlin oder sonst wo - Tiere jeden Tag wieder in den Tierversuch genommen werden, was diese Tiere für eine Angst durchleben! (Talkshow Freitag Nacht vom 30.3.1990; KI 42/10)

 

 

Quintus Septimius Tertullian (150-230) röm. Rechtsgelehrter und Redner

Tierkämpfe sind mit dem wahren Glauben an Gott unvereinbar. Alle Wesen sind von Gott geschaffen, auch das Pferd, der Löwe, der Stier, die in der Arena verwendet werden ... Aber die schaffende Vorsehung hat sie nicht zum Zweck der Ermordung ins Dasein gerufen und nicht zur Ausführung von Handlungen, die sie verdammt. Tötung zum Ver­gnügen der Zuschauer ist Gotteslästerung! (32/29)

 

 

 

Dr. Gotthard M. Teutsch (1918-2009) Professor für Soziologie

Ethischer Tierschutz hat nichts zu tun mit jener falschen Tierliebe, die dem niedlichen Hündchen oder Meerschweinchen menschenähnliche Bedürfnisse und Motivationen unterstellt. Das Tier ist nicht um seiner Menschenähnlichkeit willen zu lieben, sondern um seiner selbst willen und auch in seiner Andersartigkeit.

Zwischen der Ahnungslosigkeit gegenüber Folter und Mord in tota­litären Staaten und der Gleichgültigkeit gegenüber der am Tier began­genen Gemeinheit besteht ein Zusammenhang. Beide leben vom stu­ren Mittun der Massen bei dem, was »ohnehin« geschieht. (1/137)

Gerechtigkeit gegen Mensch und Tier ist keine in sich unvereinbare Forderung wie etwa die, in Mensch – Tier - Beziehung wirtschaftli­che und ethische Anliegen in Einklang zu bringen, sondern Gerechtigkeit ist eine Abwägung, die keinem Beteiligten ein Unrecht zumutet ... Die Forderung, auch dem Tier gegenüber gerecht zu werden, impliziert kein Unrecht gegenüber den Menschen.

 

 

Henry David Thoreau (1817-1862) US-Schriftsteller

Ich zweifle nicht, dass es ein Teil des Geschickes des Menschenge­schlechtes ist, dass es bei seiner allmählichen Vervollkommnung auf­hören wird, Tiere zu verzehren, so sicher, wie die wilden Stämme auf­gehört haben, einander zu fressen, als sie mit Gesitteteren in Berüh­rung kamen. (30)

 

 

James Thurber (1894-1961) US-Schriftsteller

Ich verstehe nicht," sagte der Wissenschaftler, „warum ihr Lemminge immer herdenweise zum Meer strebt und euch darin ertränkt." „Wie komisch," rief der Lemming. „Das Einzige, was ich nicht verste­he, ist dies: Warum tut ihr Menschen das eigentlich nicht?" (Interview mit einem Lemming, KI 44/32)

 

 

 

Graf Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) russischer Dichter

Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein kleiner Schritt und da­mit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei.

Das Mitleid bleibt immer dasselbe Gefühl, ob man es für einen Men­schen oder für eine Fliege empfindet. Der dem Mitleid zugängliche Mensch entzieht sich in beiden Fällen dem Egoismus und erweitert da­durch die moralische Befriedigung seines Lebens. (19)

Entsetzlich sind weniger die Leiden und der Tod der Tiere, als der Um­stand, dass der Mensch ohne Not die edelste Regung seiner Seele, das Mitleid für die Mitgeschöpfe, in sich unterdrückt, mit Gewalt sein Herz dagegen verhärtend. Und wie tief ist es eingegraben in das Men­schenherz, das Verbot, die Tiere zu töten. Aber böses Beispiel, Aufstachelung der menschlichen Fressgier, die Behauptung, dass solches Morden von Gott eingesetzt und erlaubt sei, und am meisten bringen die Ge­wohnheit es dahin, dass den Menschen dies natürliche Gefühl völlig abhandenkommt.

Weshalb die Enthaltung von Fleischspeisen als erste Tat eines sittli­chen Lebens betrachtet werden muss, ist von der ganzen Menschheit durch ihre besten Repräsentanten, im Laufe der ganzen, bewussten Le­bensdauer des Menschengeschlechts, vortrefflich geschildert worden. (30/53, 98)

Wenn du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch bes­ser. Bemüh dich, so weit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht - tu, was du mit deinen Kräften zustande bringst - darauf kommt alles an. Die Menschen gehen lieber zugrun­de, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern. (53/85)

Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. (1/207)

Der Mensch kann leben und gesund sein, ohne dass er zu seiner Ernäh­rung Tiere tötet. Wenn er also Fleisch isst, so ist er mitschuldig am Morde von Tieren, nur um seinem Geschmack zu schmeicheln. So zu handeln, ist unmoralisch. Das ist so einfach und unzweifelhaft, dass es unmöglich ist, nicht beizustimmen. Aber weil die Mehrzahl noch am Fleischgenuss hängt, so halten ihn die Menschen für gerechtfertigt und sagen lachend: „Ein Stück Beefsteak ist aber doch eine schöne Sache und ich werde es heute mit Vergnügen zu Mittag essen." (Du sollst nicht töten)

Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Rohheit; der Übergang zum Vegetarismus ist die erste und natürlichste Folge der Aufklärung. Wenn der Mensch ernstlich und aufrichtig den moralischen Weg sucht, so ist das Erste, wovon er sich abwenden muss, die Fleischnahrung: denn abgesehen von der Aufregung der Leidenschaften, die durch die­se Nahrung verursacht wird, ist dieselbe ganz einfach unsittlich, weil sie eine dem sittlichen Gefühl widersprechende Tat, das Morden, er­fordert. (13/14; 14/136)

 

Klaus Töpfer (1938-) Umweltpolitiker

(zur Aussagekraft von Tierversuchen) Wer Tieren eine tausendfache

Dosis verpasst, kann alles beweisen - und nichts. (Auto-Bild 23.1.89)

 

Harry S. Truman (1884-1972) US-Präsident (1945-53)

Ein Mensch, der ein Schwein nicht versteht, dürfte niemals Präsident werden.

 

 

 

Mark Twain (1835-1910) US-Autor

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das schamrot werden kann - oder wenigstens sollte.

Es entspricht ganz der menschlichen Eitelkeit und Unverschämtheit, ein Tier dumm zu nennen, nur weil es seiner schwachen Wahrnehmung als dumm erscheint. (20) Wenn der Mensch mit der Katze gekreuzt werden könnte, würde der Mensch verbessert, die Katze aber verschlechtert.

Der Verfassungsrang des Tierschutzes hat ja eigentlich zum Ziel, dass der Gedanke des Tierschutzes gesetzgeberisch besser verwirklicht werden kann.

 

 

Günter Verheugen (1944-) Politiker

Aber ich bin nicht der Meinung, dass eine freie Forschung nur möglich ist, mit Tierquälerei und eine freie Kunstausübung der Tierquälerei bedarf. Das ist absolut nicht notwendig, das ist barba­risch, das ist unzivilisiert, und deshalb brauchen wir eine rechtliche Grundlage dafür, so etwas effektiv abzuschaffen. ... Also, wir haben jede Menge andere Sorgen. Das soll uns aber nicht davon abhalten, auch für diejenigen etwas zu tun, die in unserer Gesellschaft überhaupt keine Rechte haben und denen in einem angeblich zivilisierten Land an jedem Tag millionenfache Barbarei zugefügt wird. ... Ich selber will bekennen, dass ich ein radikaler Tierversuchsgegner bin, und ich bin auch bereit, für mich als Person die Konsequenzen in Kauf zu neh­men, (pro & contra, ARD 28.10.1993)

 

 

Padre António Vieira (1608-1697) brasilianischer Aktivist für Tierschutzgesetze, führende Kapazität der Welt zum Thema Esel

Eselsgedanken

Seit alters her pflegt man zu sagen, dass der Mensch das Edelste ist, die Krone der Schöpfung.

Wer sagt das? Der Mensch.

Der Mensch wird als vernunftbegabtes Tier definiert, als denkendes Wesen.

Wer glaubt das? Der Mensch.

Es ist eine Tatsache oder vielleicht ein Dogma, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen wurde.

Wer hat so etwas Dummes und Ketzerisches gesagt? Noch einmal: Der Mensch.

Der Esel wird als dumm verhöhnt, als ungeschickt, faul, langsam, störrisch.

Wer sagt das? Der Mensch.

 

 

Leonardo da Vinci (1452-1519) italienischer Maler, Dichter, Universalgenie

Die Tiere leiden und erfüllen mit ihrem Seufzen die Lüfte. Die Wälder fallen der Vernichtung anheim. Die Berge werden ihrer Metalle be­raubt. Aber das menschliche Verhalten ist schnell, jene zu ehren, wel­che durch ihr Tun der Natur wie der Menschheit den größten Schaden zufügen.

Wahrlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausam­keit übertrifft die ihrige. Wir leben vom Tode anderer. Wir sind wan­delnde Grabstätten! Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen wie ich die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder. Du hast den Menschen als König der Tiere be­zeichnet - ich aber würde sagen: König der Raubtiere, unter denen du das größte bist; denn hast du sie nicht getötet, damit sie dir zur Gau­menbefriedigung dienen, wodurch du dich zum Grabe aller Tiere machst? Erzeugt denn die Natur nicht genug Vegetabilien, mit denen du dich sättigen kannst? (14/136)

Der Tag wird kommen, wenn das Töten eines Tieres genauso als Ver­brechen betrachtet werden wird wie das Töten eines Menschen. (1/27)

Es wird die Zeit kommen, in der wir das Essen von Tieren ebenso ver­urteilen, wie wir heute das Essen von Unseresgleichen, die Menschen­fresserei, verurteilen. (13)

 

 

Friedrich Theodor Vischer (1807-87) Schriftsteller, Philosoph

Übrigens hat man, wenn man es zeitenweis bei den Menschen nicht mehr aushält, die Tiere.

 

 

 

Francois de Voltaire (1694-1778) französischer Schriftsteller und Philosoph

Es gibt Barbaren, welche den Hund ergreifen, der den Menschen in so erstaunlichem Maße an Freundschaft übertrifft, ihn auf einen Tisch na­geln und lebendig zerschneiden, um euch den Kreislauf des Blutes zu zeigen. Ihr entdeckt in ihm alle dieselben Empfindungsorgane, die ihr selber besitzt. Antworte mir, Mechanist: Hat die Natur wirklich alle diese Quellen des Gefühls in diesem Tiere angelegt zum Zweck, dass es nicht fühlen soll? Besitzt es Nerven, damit es fühllos gegen Leiden sei? Glaubt ihr wirklich an einen solchen ungereimten Widerspruch in der Natur? (Dictionnaire philosophique)

Man sagt, dass Karl IX. ein Buch über die Jagd geschrieben habe. Wahrscheinlich ist es, dass, wenn dieser Fürst die Kunst, Tiere zu mar­tern und zu töten, weniger ausgebildet und sich nicht in den Wäldern an Blutvergießen gewöhnt hätte, er nicht so leicht seine Zustimmung zur Bartholomäusnacht gegeben haben würde. Die Jagd ist eines der sichersten Mittel, das Gefühl der Menschen für ihre Mitgeschöpfe zu ertöten, und diese Wirkung ist umso verderblicher, als diejenigen, wel­che sich damit beschäftigen, den höheren Ständen angehören und eines Zügels umso mehr bedürfen. (9)

Es ist gewiss, dass dieses scheußliche Blutbad, welches unaufhörlich in unseren Schlachthäusern und Küchen stattfindet, uns nicht mehr als ein Übel erscheint. Im Gegenteil betrachten wir diese Scheußlichkeit, welche oft pestilenzialisch wirkt, als einen Segen des Herrn und dan­ken ihm in unseren Gebeten für diese Mördereien. Kann es denn aber etwas Abscheulicheres geben, als sich beständig von Leichenfleisch ernähren? Und dennoch finde ich unter uns keinen Sittenlehrer, keinen unter unsern geschwätzigen Predigern, selbst keinen unter unsern scheinheiligen Muckern, der den geringsten Einwand erhöbe gegen diese schändliche, uns zur Natur gewordene Gewohnheit. Man muss bis auf den frommen Porphyrius und auf die mitfühlenden Pythagoräer zurückgehen, um jemanden zu finden, der uns wegen unserer blutigen Gefräßigkeit beschämt. (Der Vegetarier, Nr. 3 1988; 8/58-59)

 

 

Richard Wagner (1813-83) Komponist

Vor kurzem fiel mein Blick von der Straße in den Laden eines Geflügelhändlers. Gedankenlos übersah ich die aufgeschichtete, sauber und appetitlich hergerichtete Ware, als, während seitwärts einer damit be­schäftigt war, ein Huhn zu rupfen, ein anderer soeben in einen Käfig griff, ein lebendes Huhn erfasste und ihm den Kopf abriss. Der grässli­che Schrei des Tieres und das klägliche, schwache Jammern während der Bewältigung drang mit Entsetzen in meine Seele. Ich bin diesen schon so oft erlebten Eindruck seitdem nicht wieder los geworden. Es ist scheußlich, auf welchem bodenlosen Abgrund des grausamsten Elends unser im Ganzen genommen doch immer genusssüchtiges Da­sein sich stützt. (30/99)

Ein Tierfreund zu sein, gehört zu den größten seelischen Reichtümern des Lebens.

Zur Moralität welches Menschen werdet ihr mehr Vertrauen haben im Unglück - desjenigen, der die geknebelten Tiere befreit, oder desjeni­gen, der sie knebelt, um sie zu foltern?

Ich weiß nicht, wie der Liebe Gott einmal mein Lebenswerk bewerten wird. In den letzten Wochen habe ich über fünfzig Partiturseiten vom Parsifal geschrieben und drei jungen Hunden das Leben gerettet. War­ten wir ab, was gewichtiger auf die Waagschale drücken wird. Was er­warten wir denn von einer Religion, wenn wir das Mitleid mit den Tie­ren ausschließen? (1/150; 15/XXIII)

War uns der Anblick des den Göttern geopferten Stieres ein Gräuel ge­worden, so wird nun in sauberen von Wasser durchspülten Schlacht­häusern ein tägliches Blutbad der Beachtung aller derer entzogen, die beim Mittagsmahl sich die bis zur Unkenntlichkeit hergerichteten Lei­chenteile ermordeter Haustiere wohlschmecken lassen sollen. Es soll­te uns fortan nur daran gelegen sein, der Religion des Mitleidens, den Bekennern des Nützlichkeitsdogmas zum Trotz, einen kräftigen Boden zu neuer Pflege bei uns gewinnen zu lassen. (14/136)

Der Gedanke an ihr (der Versuchstiere) Leiden dringt mit Schrecken und Ersticken in meine Seele, und in dem erweckten Mitleiden erken­ne ich den stärksten Impuls meines Ichs und auch die wahre Quelle meiner Kunst. (KI 43/21)

Wer möchte nun aber nicht Sozialist werden, wenn ... wir von Staat und Reich mit unserem Vorgehen gegen die Vivisektion und der For­derung der unbedingten Abschaffung abgewiesen würden? (KI 32/7)

 

Sina Waiden Autorin

Wir haben den Tieren ihren Zauber und ihre Würde genommen, von ihren Rechten ganz zu schweigen. (1/31)

http://www.tierbefreier.de/aktuell.html

http://www.mediazeit.de/tierdach/news_seite/email_news/sinawalden_vergleich.shtml

 

 

Alice Walker (1944-) US-Schriftstellerin

Sollte durch irgendein Wunder in all unseren Kämpfen der Erde der nukleare Holocaust erspart bleiben, wird nur Gerechtigkeit gegenüber allen lebenden Wesen die Menschheit retten können. (60)

 

 

 

Martin Walser (1927-) Schriftsteller

Wenn das Grundgesetz die Werte hütet, die uns die wichtigsten sind, dann gehört der Tierschutz ins Grundgesetz. Wir müssen uns nicht hin­ter dem schönen Wort Schöpfung verstecken, wenn wir darauf beste­hen, Tiere vor sinnloser Quälerei in Schutz zu nehmen. Da, wo unser Mitleid aufhört, hört unsere Menschlichkeit auf. (KI 57/32)

 

 

 

Felix Wankel (1902-88) Erfinder des Wankelmotors, Gr. Bundesver­dienstkreuz, stiftete 1972 den Winkel-Tierschutzforschungspreis (für Alternativmethoden)

Ich selbst war zu Beginn des Nazismus im Gefängnis, und der Reichs­statthalter von Baden erklärte: »Wankel bleibt darin bis zum Verrecken und Verfaulen Ich bin überzeugt, dass jeder frühere KZ-Häftling beim Besichtigen einer Batteriehaltung Herrn Prof. Grzimek Recht ge­ben wird und erbittert gegen die Errichter, Ausnützer und Verteidiger dieses Tier-KZ Stellung nimmt. (7/185-186; 17/3)

Weil die Vivisektionisten mehr oder weniger deutlich fühlen, dass der Zug der Entwicklung sie zu überholen beginnt, sind sie immer so rasch und auffällig beunruhigt. Wenn man heute auf Seiten der Vivisektion sogar zu so einer Propaganda greift, wie z. B.: Jede Mutter würde für ihr krankes Kind verlangen, dass Tiere dafür geopfert würden, dann hört man deutlich Hitlers Ärzte: Um einen Kampfflieger zu retten, müssen selbstverständlich wissenschaftliche Versuche an minderrassi­gen Untermenschen durchführbar sein!

Grundsätzlich ist daran zu denken, dass die Menschenfresserei einst weit verbreitet war und Menschenopfer von den damaligen medizini­schen Wissenschaftlern, den Priestern (zum Beispiel in Mexiko), mit der höchsten Notwendigkeit und Heilung versehen wurden. Heute sind Menschenfresserei und Menschenopfer mit dem höchstmöglichen Ab­scheu eingestuft. Auch bezüglich der Tierfresserei beginnt sich der Entwicklungsstand der Menschheit immer deutlicher zu ändern, nachdem so große Vorläufer wie Pythagoras oder Leonardo da Vinci schon sehr früh diese Stufe erreicht hatten.

Wenn jemand Tierschlachtung und Tierversuch noch völlig unbeein­druckt bejaht, dann ist in seiner menschlichen Entwicklung ein Stück­chen Steinzeit noch nicht überwunden. (1/121)

 

 

Karl Julius Weber (1767-1832) Schriftsteller

Unmenschen gibt es, aber keine Untiere.

 

 

Ilja Weiss (1953-) Journalist, 1.Tierschutzbeauftragter Hessens (1991 -1992)

Leonardo da Vinci hoffte einst, es werde der Tag kommen, an dem die Tötung eines Tieres genauso geächtet wird wie die Tötung eines Men­schen. Davon sind wir zwar weiter entfernt als im Mittelalter, aber mit zunehmender Tierquälerei wächst auch der Widerstand gegen die sys­tematische Vergewaltigung wehrloser Lebewesen, die nur das evolu­tionäre Pech hatten, keine Menschen geworden zu sein. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass es schlicht unwürdig und wegen der Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen auch gefährlich ist, mit Gewalt und Willkür tatsächliche oder vermeintliche Vorteile zu erzie­len. Immerhin wurden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bereits aus­gerottet. Infolge der zunehmenden Umweltbelastung sowie der inten­siven Jagd steht mittlerweile jede zweite Gattung auf der roten Liste der vom Aussterben gefährdeten Tiere und Pflanzen. Jedes Tier, an dem Geld zu verdienen ist, wird gnadenlos gejagt, gequält und getötet.

Konrad Lorenz hat einmal gesagt, Tiere seien Gefühlsmenschen mit etwas weniger Verstand. Dieses etwas weniger Verstand - ein graduel­ler, kein qualitativer Unterschied - macht die Tiere einerseits liebens­wert, andererseits aber arg- und daher wehrlos: Die große Folge der kleinen Differenz besteht unter anderem darin, dass Tiere uns Men­schen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Die Schöpfung hat sie uns - ähnlich den Kindern - zur fürsorglichen Obhut und Pflege anver­traut. Doch wir haben aus ihnen neue Untermenschen geschaffen, die nach Belieben misshandelt, missbraucht, ausgebeutet und vernichtet werden - die sogenannten Tierschutzgesetze schützen nicht die Opfer, sondern die Täter. (31/223, 229)

 

 

Ehm Welk (1884-1966) Schriftsteller

Eine vollständige Religion wird die Liebe zum Mitgeschöpf mit um­fassen müssen. Die Ansicht, das Tier habe keine Seele, schwindet in den nördlichen Ländern zum Glück immer mehr, und wenn daraus auch noch nicht die notwendige Folgerung gezogen wird, so ist der Zu­stand doch schon als ein Fortschritt zu begrüßen. Nicht Grausamkeit und Bösartigkeit verursachen den millionenfachen Aufschrei der ge­quälten Kreatur, menschliche Unwissenheit und Gleichgültigkeit rufen ihn hervor. Darum muss der Kampf für das Tier, soll er wirksam sein, gegen diese Feinde im Biedermannsrock geführt werden. (18)

 

 

Walt Whitman (1819-92) US-Dichter

Ich meine, ich könnte mich den Tieren zugesellen und mit ihnen leben, sie sind so ruhig und selbständig. Ich stehe und betrachte sie lange, lange. (6/10)

 

 

 

 

Joseph Victor Widmann (1842-1911) Schweizer Schriftsteller

Jeder Wagen eines Metzgers mit blutigen Schlachtopfern darauf ist mir ein Gräuel und ein Vorwurf zugleich. Auch hege ich die Vorstellung, dass mit Aufhören dieses Kannibalismus die Menschen überhaupt zu einer edleren Kultur gelangen, manche soziale Aufgabe besser und leichter lösen und wohl auch definitiv vom Fluche des Krieges sich be­freien würden.

 

 

 

Ursula Wolf (1951-) Philosophin

Doppelt ist die alltägliche Moral gegenüber Tieren nicht nur in diesem Sinn, dass das Verbot der Leidenszufügung zwar vertreten, aber dann auch nach Belieben wieder außer Kraft gesetzt wird. Sie ist doppelt auch in der Weise, dass sie gegenüber Tieren anders urteilt als mit Be­zug auf Menschen. Wenn nach den üblichen Moralvorstellungen Versuche an Menschen ohne deren Einwilligung unzulässig sind, wie können sie dann plötzlich in Ordnung sein, wo die Opfer Tiere sind? Wenn zum Beispiel immer mehr Verbraucher von Kosmetikfirmen verlangen würden, dass sie in ihrer glücksverheißenden Werbung auch angeben, wie vielen Tieren die Entwicklung des Produkts zum Ver­hängnis wurde, wäre das für diese Firmen mit Sicherheit ein Motiv, die Zahl von Tierversuchen so weit wie möglich zu reduzieren. (54)

 

 

Hans Wollschläger (1935-2007) Schriftsteller, Übersetzer

Nun hat der Tierversuch seine eigene Tradition, und der Zusammen­hang besteht nicht nur darin, dass die Mengele-Konsorten einfach an­wandten, was sie rein berufskonform gelernt hatten, und lediglich das Versuchsmaterial zu wechseln brauchten, nicht aber Technik und Motivation; auch den Menschen versuchen in den KZs gingen wie na­türlicherweise Tierversuche voraus. Er besteht, der Zusammenhang, noch weniger allein darin, dass es hier wie dort Wissenschaftler waren - Ärzte, Pharmazeuten, Biologen -, die zum Menschenversuch über­gingen; auch heute ist der Übergang fließend und diffus: der Men­schenversuch folgt notwendig als Anwendung, und dieser hat desto mehr seine Charakteristik als Erstversuch, je fragwürdiger die Schutz­behauptung der Übertragbarkeit der Ergebnisse ist, im Jargon steht für ihn denn auch, entsprechend motiviert, nur ein hochgestochenes Heu­chelwort: Klinische Pharmakologie. (29/79)

 

 

Hans Freiherr von Wolzogen (1848-1938) Schriftsteller

Von den meisten wahrhaft großen Menschen weiß man, dass sie Tier­freunde waren. Wo man das Gegenteil weiß, darf man an der wahren Größe zweifeln.

 

 

 

Marguerite Yourcenar (1903-87) französische Schriftstellerin, erste Frau in der Academie Fransaise, europäische Schriftstellerin des Jahres 1987

Du sollst Tiere nicht leiden machen, oder wenigstens sollst du sie so wenig wie möglich leiden machen. Sie haben ihre Rechte und ihre Würde wie du selbst," ist sicher eine recht bescheidene Mahnung; bei dem derzeitigen Zustand unseres Geistes ist sie leider fast subversiv. Seien wir subversiv. Revoltieren wir gegen die Unwissenheit, die Gleichgültigkeit, die Grausamkeit, die sich überdies nur deshalb so häufig gegen den Menschen wenden, weil sie an den Tieren eingeübt werden. Da wir immer wieder alles auf uns selbst zurückführen müs­sen, bedenken wir, dass es weniger misshandelte Kinder gäbe, wenn es weniger gequälte Tiere gäbe, weniger plombierte Wagen, die die Opfer irgendwelcher Diktaturen in den Tod bringen, wenn wir uns nicht an die Waggons gewöhnt hätten, in denen Tiere zum Schlachthof ohne Wasser und ohne Nahrung mit dem Tod ringen, weniger menschliches Wild, das von Schüssen niedergemacht wird, wenn der Geschmack am Töten und die Gewöhnung daran nicht das tägliche Brot der Jäger wä­re. (SZ 4.1.86, S. 73)

 

 

Paul Zech (1881-1946) Dichter

Ballade von einem Lamm auf der Schlachtbank Der Bauer hatte ihm die Wolle noch geschoren und ohne Abschied ging er von ihm fort. Da hing es traurig in den Wind die Ohren und in den Augen schien das Grüne wie verdorrt.

Es fühlte nicht die Fäuste, die es hoben, und an den Beinen kaum den schwarzen Strick. Es sah nur, wie die Wolken sich verschoben und reckte nach der Sonne das Genick.

Das Maul mit einem Hauch von Silberhaaren, gab langsam die erschrocknen Zähne frei. Ein Husten wollte ihm den letzen Schrei ersparen, da brach auch schon das bange Herz entzwei.

Die Zunge schmeckte nichts als Galle, der Himmel schien unendlich weit und hatte den Geruch von einem Stalle in Bethlehem zur Weihnachtszeit.

Und das Geflimmer vom Gestirn der Weisen durchfuhr den Leib und fand die Seele bald, und nahm sie mit auf seinen weiten Reisen als war sie schon Millionen Jahre alt.

Ein wenig Staub ist nur zurückgeblieben,

der neigte sich herab zu seinem Grund,

und hat das Gras empor getrieben,

das wieder Lämmer hat und Blume, Wolf und Hund.

 

 

Zarathustra (2. Jahrtausend v. Chr.) Religionsstifter

Die grausamen Tieropfer, an denen die Götter kein Gefallen haben, sollen in Zukunft nicht mehr gestattet sein, sondern an ihrer Stelle nur symbolhafte Gaben in Form von Milch und Brot dargebracht werden. Auch sollen die Menschen dazu angehalten werden, das Vieh auf gute Weiden zu führen und es zu hegen und zu pflegen. Blutopfer sind ver­werflich. (32/12)

 

 

Graf von Zeppelin (1838-1917) Erfinder

Tierschutz treiben heißt, für die kulturelle Erziehung des Volkes Nütz­liches zu leisten.

 

 

 

Fedor von Zobeltitz (1857-1934) Schriftsteller

Ich bin nur in einem Falle für die Prügelstrafe. Man sollte den Tierquä­lern die Prügel, mit denen sie die armen Vierfüßler malträtieren, ver­doppelt zurückgeben.

 

 

 

 

Émile Zola (1840-1902) französischer Schriftsteller

Warum gibt es mir einen Ruck im Herzen, wenn ich in unseren ge­räuschvollen Straßen einem verlaufenen Hund begegne? Wenn ich das Tier hin- und herlaufen, jedermann beschnuppern sehe, augenschein­lich trostlos, weil es seinen Herrn nicht wiederfinden kann: Warum verursacht mir dies so ein Mitleid, eine solche Herzbeklemmung, dass mir die Freude an meinem Spaziergang verdorben wird? Warum ver­lässt mich die betrübende Erinnerung an den verlaufenen Hund bis zum Abend, bis zum nächsten Tag nicht mehr? Warum kehrt sie in ei­ner Aufwallung brüderlichen Mitgefühls wieder, in der Sorge zu wis­sen, was das Tier macht, wo es ist, ob man es aufgenommen hat, ob es nicht hinter einem Eckstein fröstelnd Zuflucht gesucht? Warum habe ich in meinem Gedächtnisse die tieftraurige, von Zeit zu Zeit neu auflebende Erinnerung an herrenlose Hunde bewahrt, die ich vor zehn, vor zwanzig Jahren getroffen? Gleichsam das Leiden des ar­men Tieres selbst, das nicht reden kann und sich in unsren großen Städten nicht durch seine Arbeit ernähren kann? Warum versetzt das Leiden eines Tieres mich in eine solche Bestür­zung? Warum kann ich den Gedanken nicht ertragen, dass ein Tier lei­det, so dass ich des Nachts, im Winter aufstehe, um mich zu überzeugen, ob meine Katze auch ihre Schale Wasser hat? Warum sind alle Tiere der Schöpfung meine kleinen Anverwandten? Warum erfüllt mich der bloße Gedanke an sie mit Erbarmen, Duldsamkeit und Lie­be? Warum zähle ich alle Tiere zu meiner Familie, gerade so wie die Menschen? (9)

Diejenigen, die diese Liebe (zu den Tieren) nicht fühlen, scherzen dar­über, erzürnen sich darüber, erklären sie für unsinnig; ganz so wie die­jenigen, die gewisse Frauen nicht lieben, nicht zugeben wollen, dass andere sie lieben. Sie ist - wie alle großen Gefühle - lächerlich und köstlich zugleich, voll Torheit und voll Freude, wahrhafter Extrava­ganzen ebenso fähig wie der weisesten und festesten Entschlüsse. Wer wird diese Liebe studieren? Wer wird uns sagen, wie tief ihre Wurzeln in unserem Wesen haften? Wenn ich mich selbst befrage, glaube ich wohl, dass meine Barmherzigkeit für die Tiere darin ihren Ursprung hat, dass sie nicht reden, ihre Bedürfnisse nicht erklären, ihre Übel nicht bezeichnen können.

Ein Geschöpf, welches leidet und kein Mittel besitzt, uns zu verstehen zu geben, wie und warum es leidet: ist das nicht furchtbar, ist das nicht herzbeklemmend? Daher meine fortwährende Wachsamkeit neben einem Tiere und meine Sorge, ob ihm nicht etwas mangelt, wobei ich sicherlich den Schmerz übertreibe, den es leiden mag. Ganz so wie die Amme neben dem Kinde, das sie pflegen, dem sie Erleichterung ver­schaffen muss. Doch das ist Barmherzigkeit, Mitleid; aber wie erklärt man die Liebe? Die Frage ist vollständig ungelöst, warum das gesun­de Tier, das Tier, das meiner nicht bedarf, mein Freund, mein Bruder, mein Genösse bleibt, den ich aufsuche und liebe? Warum bei mir diese Liebe und warum bei anderen die Gleichgültigkeit, ja der Hass? (9)

Wir haben in Paris erlebt, dass einige alte Damen den gelehrten Vivi-sektoren auflauerten und mit ihren Sonnenschirmen über sie herfielen. Sie schienen sehr lächerlich. Aber kann man sich die Empörung vor­stellen, welche diese armen Seelen bei dem Gedanken ergreifen muss­te, dass man lebende Hunde nahm, um sie in Stücke zu zerschneiden? Man bedenke doch, dass sie diese erbarmungswürdigen Hunde lieben, und dass es ihnen ist, als schnitte man ihnen in das eigene Fleisch!

Die Sache der Tiere steht höher für mich als die Sorge, mich lächerlich zu machen. Sie ist unlösbar verknüpft mit der Sache des Menschen, und zwar in einem Maße, dass jede Verbesserung in unserer Beziehung zur Tierwelt unfehlbar einen Fortschritt auf dem Wege zum menschli­chen Glück bedeuten muss! Wenn alle Menschen eines Tages auf der Erde glücklich sein sollten, so können sie davon überzeugt sein, dass alle Tiere mit ihnen glücklich sein werden. (6)

(Zola in Gedanken an einen hohen italienischen Offizier, der ihn um Hilfe bat, um die Not der Straßentiere in Rom zu bekämpfen) Der Held, der mir geschrieben, der sich geschlagen hat ohne Furcht und Ta­del, der keinen Schrecken kannte, wenn es galt zu töten oder getötet zu werden: Er gehört sicherlich zur großen Familie dieser brüderlich füh­lenden Seelen, welche der Gedanke an das Leiden untröstlich macht, selbst der Gedanke an das Leiden der Tiere und hauptsächlich der Tie­re, die weder reden, noch kämpfen können. Ich drücke ihm öffentlich die Hand, mit den Gefühlen der Liebe und Verehrung.

Und siehe da, ich hatte einen Traum nach dem Aufruf, den ich aus Rom bekommen, nach dieser Bitte eines alten Soldaten, der meine Hilfe für die Tiere anrief:

Die Tiere haben noch kein Vaterland. Es gibt noch nicht deutsche Hun­de, italienische Hunde, französische Hunde. Es gibt überall nur Hunde, die da leiden, wenn man sie prügelt. Nun denn: Könnte man nicht da­mit beginnen, dass man von Nation zu Nation sich über die Liebe ei­nigt, die man den Tieren schuldet? Von dieser universellen, über die Grenzen der Länder hinwegsetzenden Liebe zu den Tieren würde man vielleicht zu der universellen Liebe zu den Menschen gelangen. Wenn die Hunde der ganzen Welt Brüder geworden, allerorten mit der näm­lichen Liebe gehegt, nach den nämlichen Gesetzen behandelt würden und so das einzig freie Volk wären, außerhalb der kriegerischen und brudermörderischen Idee vom Vaterlande stehend: Wäre das nicht der erträumte Weg zur Stadt der künftigen Glückseligkeit? Internationale Hunde, die von allen Völkern geliebt und geschützt wer­den könnten, die allen Völkern gemeinsam wären - mein Gott, welch ein schönes Beispiel! Und wie sehr wäre es wünschenswert, dass die Menschheit sich sogleich dieser Schule zuwende, in der Hoffnung, sich später sagen zu können, dass solche Gesetze nicht für die Hunde allein geschaffen sind!

Und dies einfach im Namen des Mitleidens, um das Leiden zu töten, das abscheuliche Leiden, von welchem die Natur lebt und welches die Menschheit auf das geringste mögliche Maß einzuschränken sich an­strengen sollte, in einem fortwährenden Kampfe, in dem einzigen Kampfe, in welchem auszuharren weise wäre. Schafft Gesetze, welche verhindern, dass die Menschen geprügelt wer­den, welche den anderen das tägliche Brot sichern; Gesetze, welche die Menschen mit den Banden einer universellen Gesellschaft zum Schütze gegen sie selbst verbinden, so dass endlich der Friede auf Er­den herrschen würde! Wie für die armen herumirrenden Tiere sollen die Menschen sich ganz bescheiden zu dem einzigen Ziele vereinigen, dass sie nicht mehr Stockstreiche empfangen und weniger leiden. (9)

 

 

Carl Zuckmayer (1896-1977) Schriftsteller

Wer kein Tierfreund ist, kann auch kein Menschenfreund sein. Die Liebe zum Tier hat nichts mit Sentimentalität zu tun. Sie ist natürliche Brüderschaft auf der Erde, und sie muss dem Christen, der einmal et­was vom heiligen Franziskus gehört hat, wie dem Nichtchristen, der an die Entwicklung durch die Naturgewalten glaubt, gleichermaßen be­deutsam sein. (7/143)

 

 

Gerhard Zwerenz (1925-2015) Schriftsteller

Der Mensch fügt dem Tier Qualen zu, die er dem Menschen zuzufü­gen beabsichtigt. Es ist alles eine Frage des Trainings, das heißt, auch des Abstumpfens, und wer es geschehen lässt, erweist sich auch als hinreichend abgestumpft.

 

 

 

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Quellen (und Bücherliste zum Weiterlesen)

 

1) Sina Waiden/Gisela Bulla, Endzeit für Tiere. Ein Aufruf zu ihrer Befreiung. Rowohlt, Reinbek 1984

2) Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Carl Hanser Verlag, München 1973

3) Albert Schweitzer, Die Ehrfurcht vor dem Leben - Grundtexte aus fünf Jahrzehnten. Beck, München 1982 (Beck'sche Schwarze Reihe; Bd. 255)

4) A. Schweitzer, Was sollen wir tun? Lambert Schneider, Heidelberg 1986

5) A. Schweitzer, Gesammelte Werke. C.H. Beck, München

6) Peter Hamm, Welches Tier gehört zu dir? Eine poetische Arche Noah, errichtet von Peter Hamm. dtv 10833, München 1987

7) Gotthard M. Teutsch (Hg.), Da Tiere eine Seele haben ... Stimmen aus zwei Jahrtausenden. Kreuz Verlag, Stuttgart 1987

8) G. M. Teutsch, Tierversuche und Tierschutz. Beck, München 1983 (BSR 272)

9) Magnus Schwantje (Hg.), Die Liebe zu den Tieren. Verlag der neuen Gesellschaft, Berlin 1923

10) M. Schwantje, Gesammelte Werke, Band l (Vegetarismus). F. Hirthammer Verlag, München 1976

11) Eugen Drewermann, Der tödliche Fortschritt. Pustet, Regensburg 1990

12) Eugen Drewermann, Über die Unsterblichkeit der Tiere. Hoffnung für die leidende Kreatur. Geleitwort von Luise Rinser. Walter-Verlag, Ölten 1990

13) C. A. Skriver, Adam, wer und was bist du? 1981. ISBN 3-923504-05-5

14) C. A. Skriver, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen. Skriver 1973

15) C. A. Skriver, Stephanus

16) Helmut F. Kaplan, Warum ich Vegetarier bin - Prominente erzählen. Rowohlt 1995

17) Helmut F. Kaplan, Leichenschmaus. Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung, rororo sachbuch 9513, Reinbek 1993

18) Ehm Welk, Der Pudel Simson. Geschichten und Anekdoten von Menschen und Tieren. Gesammelt und neu vorgelegt in der Aus­stattung von Eberhard Binder, Droste Verlag, Düsseldorf 1973

19) Günther Schwab, Geliebtes Tier - Zitate über das Tier. W. Ennsthaler

20) John Robbins, Ernährung für ein neues Jahrtausend (Diet for a New America)

21) Arthur Schopenhauer, Über die Grundlage der Moral, §19. Diogenes TB 140/6

22) A. Schopenhauer, Über die Grundlage der Moral. Bd 3. Insel Verlag, Leipzig

23) Here's Harmlessness. An Anthology of Ahimsa. Malaga, N. J., American Vegan Society 5/1993

24) Lieselotte von Eltz-Hoffmann, Ihr Herz schlug für das Tier. Erich Weiß Verlag, Bamberg 2003

25) Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis. Dietz Verlag, Berlin 1986

26) Peter Singer (Hg.), Verteidigt die Tiere. Ullstein Sachbuch 1988

27) Volker Elis Pilgrim, Zehn Gründe kein Fleisch mehr zu essen. Zweitausendeins 1987

28) Wilhelm Brockhaus, Das Recht der Tiere in der Zivilisation. Hirthammer 1975

29) Hans Wollschläger, Tiere sehen dich an oder Das Potential Mengele. Greno 1987

30) Günther Stolzenberg, Die ganze Tierwelt ruft um Hilfe. Drei Eichen Verlag, München 1965

31) Brigitte Thum (Hg.), Tiere sind meine Freunde. Delphin, München 1986

32) Julie Schlosser, Die unbekannten Brüder. Furche Verlag 1932

33) Gottfried Berron, Mitgeschöpfe. Mini-Perlen, SKV Lahr

34) Christa Blanke, Da krähte der Hahn. Verlag am Eschbach 1995

35) Rechte und Linke. Wagenbach, Berlin 1994

36) J. M. Coetzee, Das Leben der Tiere. S. Fischer 2003

37) Beverley Nichols, Katzen-abc. Wolfgang Krüger Verlag, Ham­burg 1961

38) Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Hanser, München 1984

39) Axel Eggebrecht, Katzen. Die Arche, Zürich

40) Max Herrmann-Neiße, Im Stern des Schmerzes. Gedichte l. Zweitausendeins 1986

41) Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung

42) Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Insel Verlag, Frankfurt

43) Eva Kroth, Das Tierbuch. Zweitausendeins, Frankfurt/Main 1985

44) Günther Stolzenberg, Weltwunder Vegetarismus. Herp

45) Manfred Kyber, Unter Tieren. Verlag von Walter Seifert, Heilbronn

46) Axel Munthe, Das Buch von San Michele. List, München 1954

47) H. Baumgardt, Vegetarismus gestern und heute. Waldthausen Verlag, 1988

48) Bernhard Rambeck, Mythos Tierversuch. Zweitausendeins 1990

49) Henry S. Salt, Animals' Rights, 1892; dt. Übersetzung „Die Rechte der Tiere". Verlag Magnus Schwantje, Berlin 1907

50) Jürgen Spohn, Drunter und Drüber. Berteismann, München 1981

51) Rudolf Steiner, Naturgrundlagen der Ernährung. Stuttgart 1981

52) Hammer, Dokumente des Vegetarismus. Leipzig 1912

53) M. L. Moeller: Gesundheit ist essbar. Goldmann 1991

54) Ursula Wolf, Das Tier in der Moral. Klostermann, Frankfurt/ Main 1990

55) Gisela Bulla, Katzenlexikon. Wunderlich, Reinbek 1986

56) G. Bulla, Die kluge Ratte. Porträt eines Außenseiters. Wunderlich, Reinbek 1986

57) G. Bulla, Im Reich der Bastet. Fouque Literaturverlag, Frankfurt a. M. 2003. ISBN 3-8267-5349-6

58) Hans Paasche, „Ändert Euren Sinn!" Schriften eines Revolutio­närs. Hg. von Helmut Donat und Helga Paasche. Nachwort von Robert Jungk. Donat Verlag, Bremen 1992

59) Carl-Heinz Schroth, Keine Angst vor schlechten Zeiten ... Geschichte meines Lebens. Ullstein Buch 20710, Berlin 1987

60) Tom Regan, Der Grundgedanke der Tierrechte. Tierversuchs­gegner Berlin und Brandenburg e.V., Berlin 2003

61) Ute Blaich, Elefanten weinen nicht. Versammlung der Tiere, rororo rotfuchs 663, Reinbek 1992

62) Menschenrechte für Menschenaffen? Was Tier und Mensch unterscheidet. Bonifazius-Verlag 2003

 

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